Ist Jesu Logik logisch?

Di 06.06.2023

Mk 12:13-18 Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist

Auf den ersten Blick scheint es eine klare Aussage Jesu zu sein. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.

Also eine klare Trennung – oder?

Aber was erstaunt denn die Abgesandten der Pharisäer und des Herodes?

Und ist es so einfach? Trennung von Staat und Kirche?

Womit werden denn dann die Pharisäer bezahlt?

Das Siegel des Kaisers sagt ja nicht, dass alles dem Kaiser gehört, sondern dass der Kaiser die Gültigkeit der Währung garantiert.

Jesus gibt keine Antwort, die nach unseren Kriterien der Logik, logisch ist.

Wenn ich fünf Brote auf fünf Familien verteile, erhält jede eines.

Wenn ich drei Brote auf sechs Familien verteile, erhält jede ein halbes.

Das ist zunächst Mathematik und so einfach richtig.

Die wichtigere Botschaft ist aber, dass 1/2 Brot Hunger bedeutet. Im Wesentliche ist es keine logische Betrachtung, sondern eine schmerzhafte Betrachtung von genug und nicht genug, von Sattheit und Hunger.

Jesus antwortet nicht auf die Logik der Frage – sondern auf das Herz dahinter.

Denn dass man „dem Kaiser das gibt, was des Kaisers ist“ ist bei Jesus eine religiöse Frage, eine Frage der Ordnung Gottes. Es gibt keine Welt, die zu Recht außerhalb Gottes ist.

Ich kann nicht im Reich Gottes gerecht leben und in der Welt ungerecht. Und zwar aus Gründen des Reiches Gottes kann ich das nicht, nicht aus Gründen der Welt.

Jesus lässt sich einen Denar bringen. Offenbar hat Er keinen.

Sieh her, haptisch, physisch, real – den Denaren.

Das Leben ist kein Logikspiel. Wir sind vernäht mit der Erde, mit der Welt.

Was siehst du? Nicht nur: Was erscheint dir logisch?

Wahrhaftigkeit bezieht die dreckige, ungenaue, mangelhafte Wirklichkeit mit ein und sondert sich nicht sauber und kühl ab in logischen Wahrheiten.

Das Reh frisst die Rosen, die Schnecken die Dahlien.

In meiner Lesung aus dem AT heute Morgen war 5.Mo 6:5 dran.

“‭‭Und du sollst den HERRN‭, deinen Gott‭, liebhaben‭‭ von ganzem Herzen‭, von ganzer Seele‭, von allem Vermögen‭.‭”

‭בבל‭ lebab ‭lay-bawb’‭ ‭Herz, Seele, Geist, Neigung. Gewissen

‭Seele nephesch. All mein Atem, mein Blut, mein Leben,..

Vermögen: דאמ ‭meh-ode’‭ ‭sehr, zu, Macht, Gewalt, Kraft,‭

auch überschwänglich

Wenn ich in dieser leidenschaftlichen Liebe lebe, sind es andere Dinge, die mein Herz bewegen als das Sortieren von Geld. Im Licht der Sonne erscheint das Glimmen der Anzeige des Taschenrechners sehr blass.

Eigentlich fragt Jesus die Abgesandten: Habt ihr Gott lieb. Wenn ihr Ihn lieb hättet, würdet ihr mich, Seinen Sohn, erkennen und lieben. Und nicht mit einem Herzen des Krieges gegen mich ziehen.

Verstehen bedeutet bei uns allzu oft ein logisches Erfassen, oder ein Wiederkennen von etwas schon Gewussten, Erlebten, Bekannten.

Dabei „versteht“ nur die Liebe die Liebe. Nur dieses eilen und streben nach der Ganzheit der Liebe. So wie sie selbst im Gesetzbuch des Mose (im 5.Mo 5 stehen die 10 Gebote) brennend beschrieben wird. Wie viel mehr in der Erscheinung der Liebe in Gestalt Jesu.

Jesu Logik ist mehr als Mathematik. Immer noch mehr, als ich bisher dachte.

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