Sa 09.09.2023
Lk 6:1-5 Die Jünger raufen Ähren – am Sabbat
Die Jünger haben Hunger.
Sie sind im Gefolge des Herren des Universums – hat denn dieser nicht einmal ein ordentliches Mittagessen für seine Leute? Mindestens einen Denar am Tag, das war doch damals der übliche Lohn für die Arbeiter.
Andererseits:
Der Sabbat ist ein heiliger Tag. Kaum ein konkretes Gebot ist im ersten Bund so betont worden wie das Arbeitsverbot am Sabbat und das heilig halten dieses Tages.
Heilig ist ein Zugehörigkeitsbegriff. Der Sabbat gehört nicht zur Welt – sondern zu Gott, zu Seinem Herrschaftsbereich. Es ist wie ein Botschaftsgelände in einem ausländischen Territorium.
Vor ca. 30 Jahren war ich Gast in Litauen und fuhr mit meinem Gastgeber durch eine Stadt. Plötzlich sah ich eine lange Menschenschlange. Sehr lang und es war die einzige Schlange, die ich sah.
Ich fragte meinen Gastgeber.
„Ja, die stehen vor der Botschaft an“.
„Welcher Botschaft?“, fragte ich.
„Der deutschen Botschaft“.
Ich fragte dann, wie es wäre, wenn ich z. B. meinen Pass verlieren würde. Muss ich mich da anstellen?
„Nein, du nicht, du gehst einfach dran vorbei und hinein – du bist ja deutscher“.
Es war eine Mischung aus Scham und Dankbarkeit, die mich berührte.
Und ich wußte: es ist ein Bild des Himmels.
Aber es ist klar: Ich bin nicht Bürger des Himmels, damit es mir gut geht.
Den Jüngern ging es nicht besonders gut.
Und selbst ich war in Litauen, weil ich einen kleinen Hilfstransport organisiert hatte. Ich lebte in Litauen in den Wohnungen der Menschen – die z. T. nur eine Mahlzeit am Tag hatten (was ich erst später realisierte, mir gaben sie mehr).
Die heiligen Orte Gottes sind meine Heimat. Aber nicht als Orte eines Prinzen, sondern als jemand, der die Wege Jesu geht.
Heraus aus der Herrlichkeit und hin zu der Krankenstation Welt.
Leute des Himmels sind Teilhaber des Mangels. Zwar haben sie den Reisepass der Heimat, aber ihre Füße sind im fremden Staub der Welt, die meint, ihres eigenen Glückes Schmied sein zu können.
Die Glückseligkeit (makarios) des Himmels ist nicht von der Art der Freuden der Welt. Siehe die Seligpreisungen am Anfang der Bergpredigt.
Wer Armut nicht als Glück empfindet, wer nicht gern das Leid der Welt trägt, wer nicht hungert und dürstet nach Gerechtigkeit …
Wer also nicht Spott der Welt ist – der kann die Glückseligkeit des Himmels nicht verkosten.
Dabei suche ich es mir nicht – sondern ich nehme es an.
Und es ist zumeist nicht die eigene Armut, das eigene Leid, die selbst erfahrene Ungerechtigkeit, die es zu tragen gilt. Die interessiert garnicht. Sondern das der Ehefrau (des Ehemanns), der Familie, der Gemeinde, Kirche, Staat, ja der Welt vor meiner Tür.
Der Sabbat ist nicht in dem Sinne für den Menschen, dass er sich erholen und endlich das Leben genießen kann.
Es ist das Botschaftsgelände des Himmels. Der Ort, an dem ich schon hier ein wenig verkosten kann, was die Herrlichkeit Gottes ist.
Der Sabbat gehört nicht der Welt, sondern die Welt ist eingeladen in den himmlischen Sabbat.
Das ist das Ende der Selbstsorge. Das Eingehen in die Ruhe Gottes, in die Unerschütterlichkeit des Himmels, die „Ruhe Gottes“ aus Hebräer 4.
Gerade in der Eheberatung erlebe ich oft, wie ein Partner langsam entdeckt, dass die Ehe nicht dazu da ist, dass er ein schönes Leben hat.
Sondern ein Ort, an dem er vor der Wahl steht, sich selbst zu suchen – oder die Glückseligkeit, die Jesus in den Seligpreisungen beschreibt.
Himmlisches Glück kommt nicht trotz der Armut, des Leides, des Hungers, sondern erst in all dem.
Nur wer es verkostet hat, spürt den Unterschied zum Leid der Welt.
Denn dieses alles erwächst aus der Liebe und ist selbst Liebe.
Es ist das Feuer, das aus schwarzem, dreckigem Erz das flüssige Gold heraus-schwemmt.
shabat shalom 🙂
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