Sa 11.11.2023 Meckenheim (Bonn)
Lk 16:9-15 Rede über den Mammon
Jesus sagt es zu den vermögenden Pharisäern. Welches aber ist meine empfindliche Stelle?
Geld, Sicherheit
Im ersten Nachdenken scheint Geld nicht so sehr mein Thema zu sein.
Aber bei genauerer Betrachtung spüre ich: Solange es sich nicht ernsthaft verschlechtert, ist es so.
Zwar habe ich kaum verlangen, mehr Geld zu bekommen – aber wenn es danach aussieht, als wenn ich einen großen Kunden verliere, dann ist es mir nicht gleichgültig.
Ich sprach gestern darüber, dass Geld auch Zeit ist, und dass es meine Aufgabe ist, Zeit an Menschen zu schenken.
Ich spüre, dass ich das recht gut kann (und tue), beim Geld aber etwas hinzukommt.
Zeit gebe ich in ständiger Vollmacht. Ich kann es tun – oder lassen.
Wenn ich substanziell Geld loslasse, lebe ich danach in einer Art Zwangslage. Ich kann diesen Mangel nicht jederzeit ändern.
Es ist der Aspekt der Sicherheit.
Ehre
Ich bin kein Pharisäer, ich denke wenig über Geld nach. Was aber ist es, was mich sehr oft umschlingt und beeinflusst?
Ja, die Anerkennung, der Respekt, die Wertschätzung. Vorformen der Ehre, milde Formen der Selbstsucht.
Jesus sagt aber:
„Wer in den kleinsten Dingen treu ist, der ist es auch im Großen, wer aber dort Unrecht tut, tut es auch im Großen.“
Und auf meinem Weg durch den Tag bin ich empfindlich für Kränkungen, ja für Mangel an Gerechtigkeit. Es geht sogar so weit, dass ich mich heimlich umschaue – woher könnte mir Anerkennung zufließen?
Auch im Hintergrunddenken beeinflusse ich mich selbst. Wenn ich das und das sage oder nicht sage, welchen Einfluss hat das auf meinen Status, meine Position in den Augen der Welt – oder auch in meinen Augen.
Nun weiß ich, dass Anerkennung, Respekt und Ehre etwas Gutes, ja existenzielles sind. Ich weiß aber auch, dass ich als Kind Gottes dies alles schon von Ihm her habe.
Ich bin frei, all dies dem Anderen zu geben.
Wie wäre es, wenn all mein Sinnen, mein Denken auf zweiter Ebene bedingungslos der Ehre des Anderen gewidmet wäre?
Das wäre dann die Ehre Gottes, die Ihm zusteht. Ihm, der mich dazu erlöst hat.
Die Frage der Erlösung wird oft sehr theoretisch betrachtet. Die Erlösung, die den Tod gebracht hat, bringt auch mir den Tod der Selbstsorge. Sie erlöst mich zum Leben aus vollkommener Freiheit von der Selbstsorge, der Selbstliebe, der Selbstgerechtigkeit.
Aufmerksamkeit
Angst und Sorge sind verknüpft mit der Aufmerksamkeit für die unkontrollierbare Zukunft.
Aufmerksamkeit ist das, um das alles in meiner Umgebung kämpft.
Besonders die Medien.
Es ist aber auch die Sehnsucht des Anderen – werde ich bemerkt? Bin ich gemeint? Vielleicht sogar mit ganzer Aufmerksamkeit?
Es gibt viele Bücher und Kurse, die sich mit Aufmerksamkeit beschäftigen. Mit der Kontrolle darüber.
Aber auf wen richte ich mein Aufmerken?
Wer interessiert mich?
Bin ich es? Ist es der Andere im Blick auf mich?
Oder ist es ein horchendes Aufmerken.
Denn Du, mein Gott, bist allezeit da und sehnst Dich nach meiner Aufmerksamkeit für Dich.
Das Ziel des Lebens ist nicht ein schönes Leben, auch nicht ein „richtiges“ Leben an sich.
Es ist ein Leben, das hören lernt. Das mich zu einem Hörenden macht und damit zu einem bezogenen Menschen.
Ich sprach gestern mit einem Bruder aus meinem Kreis über das hören lernen in der Musik. Und ich weiß etwas davon, denn ich hatte eine wunderbare „Hörlehrerin“ (andere sagen: Gesangslehrerin).
Ich habe nicht gut gesungen, ja es wurde in meinen Ohren eher schlechter – denn ihr Erfolg mir Hören beizubringen war größer als meine Entwicklung beim Singen.
Wenn ich nicht intensiv frage, meine ich schnell, ich hätte doch kein großes Problem, z. B. mit Geld.
Das zeigt aber nur, dass ich nicht genug in der „Hörschule“ war.