Unbegreiflich – Gott liebt?

So 05.05.2024

Joh 15:9-17 Wie mich der Vater geliebt hat.

Gott ist das, über das nichts Größeres gedacht werden kann. So habe ich es in der Philosophie gelernt.

Und nun das: Ich treffe einen Gott an, der liebt.

Ich merke meine Versuchung, einen stoischen Gott zu bevorzugen.

Denn ein liebender ist in gewisser Weise ein schwacher Gott.

Ein Gott, der beeinflussbar ist. Von jemand anders (dem Geliebten) in gewisser Weise abhängig.

Ich kann mir eine Art gesteuerte oder kontrollierte Hingabe vorstellen. Ich liebe, soviel ich will.

Hier aber ist von einer Hingabe die Rede, die das übrige Wollen, also das ganze Leben, mit hineinnimmt. Eine Liebe die nichts zurückbehält. Selbst die Dosierung nicht. Kein Backup, keine weitere Option.

Das soll Gott sein?

Als ich katholisch wurde, hat meine tiefe evangelische Prägung nicht aufgehört wirksam zu sein. Bis heute spüre ich die Einschränkungen, die ich dadurch immer noch habe – auch wenn ich sie immer weiter loslasse. Es ist kein ganz anderer Gott – sondern ein sehr viel umfassenderer – und an manchen Punkten auch anderes.

Nun dieser hebräische Gott.

Ich kenne schon etwas von Ihm. Ich habe mich über manches schon immer gewundert. Aber es nie so ganz ernst genommen.

Maria, die Heiligen, die Heilige Form, Eucharistie, Reliquien – das ist schon einiges. Eine erschütternde Anfrage an mein selbst modelliertes Gottesbild.

Ja, ich kannte Jesus schon vorher. Ganz persönlich.

Aber wie von einer Party her. Viel weniger tief in all dem, was Er mir anvertrauen will.

Nun diese weiteren Zumutungen.

Das leibliche Volk Israel mit konkretem Land.

Die viel ernstere Verbindung von Erde und Geist.

Der heilige Respekt vor Leib, Erde (Ort) und Welt.

Vor Geschichte und Zukunft.

Schon lange sage ich: Das unbegreiflichste an Gott scheint mir Seine Demut zu sein. Dass das Gott sein in Seinem Klein-sein steckt – denn das Klein-sein ist Ausdruck Seiner Liebe.

Nur ein wirklich souveräner Gott darf sich selbst loslassen. Er hat niemanden, vor dem Er sich rechtfertigen müsste. Er kann das Universum aufgeben – wenn Er das möchte.

Und dieser Gott hat sich für den Staub entschieden, den Seine Hände geformt haben. Hat Adam, der Erdling, mit Seinem Atem von Seinem Geist gegeben.

Und dann auch Seinen Sohn, Seine Zukunft.

Auch das habe ich von den Juden gelernt. Die Opferung Isaaks war nicht nur die Opferung der ganzen Liebe des Abrahams. Sondern seiner Zukunft.

Denn Abraham hatte nicht die egoistische Vorstellung, dass er selbst seine eigene Zukunft ist!

Das ständige Bauen auf die eigene Ewigkeit, also die Liebe, die sich selbst vom Glauben abhängig macht, ist noch nicht die höchste Form der Liebe.

Mein Christsein ist ein Hineinschreiten in immer größere Dunkelheit. Aber ich spüre keine Angst.

Ich erschrecke kurz vor all dem und staune.

Auferstehung des Leibes – wo sollen die den alle sein?

Bevorzugung eines Volkes – ach wie schön, dass es mir gefällt.

Aufnahme der lebendigen Maria in den Himmel – logisch, aber unfassbar.

Je mehr ich meine Wunschgedanken loslasse und Gott überlasse der zu sein, der Er ist, desto mehr ist mein Leben berührtes staunen.

Unbegreiflich, erstaunlich und – köstlich.

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