So 07.07.2024
Mk 6:1-6 Jesus kann in Seinem Heimatort nichts tun
Zumeist löst Du Staunen aus, Verwunderung.
So auch hier – aber dennoch: Kein Glaube in Deiner Heimatstadt.
Der Einbruch Gottes in die Welt wird von mir limitiert!
Womit genau hindere ich Deine Heilungen in meiner Heimat?
Mit dem „kenn’ ich schon“.
Quellen des Unglaubens
Besetzter Gaube
Das ist eigentlich ebenfalls Glaube – nur eben in anderer Weise.
Der Kampf geht auch hier nicht um den Glauben selbst – Glaube ist eine gerichtete Kraft. Wenn er auf falsches gerichtet ist, wird er unempfänglich für das wahre.
Ich kenne meine Welt in einer bestimmten Weise – und sie antwortet meinen Erwartungen in etwa in dieser Weise.
Ich „glaube“, dieser Mensch ist der und der. Bestimmt durch das, was ich von ihm weiß und wie ich ihn erlebt habe.
Petrus war Fischer und jeder kannte ihn als Fischer.
Jesus aber sah den Fischer – und den Menschenfischer, den keiner vorher in ihm sah, wohl auch Petrus selbst nicht.
Passiver Glaube
Mein Glaube ist von Natur aus passiv. Ich glaube zuerst und zumeist meiner Erfahrung.
Als Zweites lasse ich mich (wieder passiv) von Neuem inspirieren. Das je Neue, das auf mich zukommt. Aber auch das ist passiv. Neue Nachrichten, neue Werkzeuge, neue Ideen anderer.
In allem ist mein je eigener Wille wenig beteiligt. Ich werde angeregt, werde inspiriert.
Aber was will ich?
Was willst Du, Andreas
So höre ich Dich oft, wenn ich in der Stille frage, was Du mir sagen willst. Ganz überraschend fragst Du: Was willst du? Was willst du von Mir?
So wie Du den Blinden von Jericho gefragt hast.
Sage mir, was du im tiefsten willst, und ich sage dir, wer du bist.
Und darum geht es. Wer bin ich über das hinaus, was reaktiv ist?
Will ich Dich wirklich?
Will ich Dich kennenlernen hinter dem, was ich schon kenne? Dich als lebendige, je neue, freie Person?
Familie, Kollegen, „Idioten“
Zuerst: Idiot ist aus dem griechischen ἰδιώτης und bezeichnete den, der keine öffentlichen Ämter hatte.
Aber ist es nicht auch in mir so, dass ich „vor-kognitiv“, also vor dem Denken schon Menschen mit Distanz behandle, weil ich meine „ich weiß schon“?
Lasse ich immer alle Menschen ganz ausreden und übergehe meine Ungeduld zu meinen „ich weiß schon“?
Mehr noch: Warte ich den Moment länger, der dem Vorurteil des Anderen mir gegenüber Raum gibt, abzuklingen?
Er kann keine Wunder an mir tun, weil ich „schon weiß“. Er kann nicht aus seinem Herzen sprechen, weil er von mir spürt: Der erwartet keine Wunder von mir.
Und: Räume ich den Raum frei, der nötig ist, das je Tiefere von dir, Mensch, zu empfangen? Das, was mich beeindrucken soll. Das Kostbare, das du nicht „den Säuen“ vorwerfen willst – denn es ist dein innerer Schatz.
Du willst nicht bei mir einbrechen und dir Platz verschaffen. Sondern deine Frage, Mensch, ist: Willst du mich hören, dein Herz von mir füllen lassen?
Das ist „Reich Gottes“.
Jesus geht an meiner Tür vorbei und schaut: Ist dort ein Raum für mich? In der Welt habe ich keinen Ort, wo ich mein Haupt hinlegen kann – vielleicht bei dir, Freund?
Mein Herz will gern satt sein – aber ein sattes Herz, ist ein taubes Herz, ein Herz, das niemanden bergen kann.