Bitten ist ein Anfang

Do 10.10.2024

Lk 11:5-13 Vom Bitten für den Freund bei Nacht

Es ist nötig, den ganzen Abschnitt zu lesen, er enthält eine Reihe von Aussagen.

Wanderung um das Thema herum

Mein griechisch / lateinisch geprägtes Denken muss immer wieder das aufmerksame Wandern um ein Thema herum aufnehmen. Schnell nehme ich einen Punkt und mache eine Aussage daraus. Das ist zu kurz.

Gebet als Teilhabe, Vaterunser, Bitten für den Freund bei Nacht, drei Ebenen des Bittens, Heiliger Geist – und vielleicht noch viel mehr gilt es gemeinsam in den Blick zu nehmen.

Alles befruchtet einander, jedes Wort braucht zugleich das andere.

So will ich nicht vergessen, dass es nicht um mich geht, sondern um uns und ich dennoch als Person in Verantwortung bin, wenn ich auf den Aspekt heute schaue.

Bitten ist ein Anfang

Der Mann in dem Gleichnis bittet den Freund.

Achtung: Er bittet nicht für sich. Er bittet für seinen Freund mit ihm. Denn er bittet um drei Brote, nicht um eines. Er bittet darum, mit seinem Freund das Abendmahl halten zu können.

Und: Er bittet nicht nur, er sucht ihn auf und klopft an. In eindringlicher Weise.

In allem ist der entschiedene, entschlossene Wille die Grundlage.

Bitten ist nicht wünschen

Viele Bitten werden nicht erhört. Sehr viele.

Ähnlich wie Wünsche, die nicht von entschiedenem Wollen begleitet sind.

Der, der will, bezahlt den Preis.

Bitten ist dabei die erste, leichteste, aber schon konkrete Form des Ausdrucks des Wollens.

Suchen ist mehr. Wenn ich suche, suche ich zumeist nach dem richtigen Bitten. Z. B. dem Bitten um den Freund, die Familie, den Nächsten.

Du, Vater, nimmst mich in Dein Handeln hinein. Es geht nicht um bequemes Bitten und Empfangen. Sondern um Teilhabe an Deinem Reich.

Teilhabe meines Herzens an Deinem Herz.

An der Intensität meines Suchens kann ich erkennen, wie ernst mir die Bitte ist.

Eine Bitte ohne treue Suche offenbart das Maß dafür, wie beteiligt ich innerlich bin.

Die Frau in dem Gleichnis mit der verlorenen Drachme durchsucht das ganze Haus und fegt alles aus. Solange, bis sie sie findet.

Anklopfen

Stehe ich vor der Tür eines Hauses und klopfe an, stehe ich kurz davor, dass ich etwas von meiner Freiheit verliere.

Denn es geht darum, dass jemand öffnet und mich fragend ansieht. Jetzt bin ich mit meiner Bitte nicht mehr allein. Ich habe mein Problem auch zu seinem gemacht.

In dem Gleichnis musste der Freund mitten in der Nacht aufstehen.

Wenn ich bei Gott anklopfe, dann deshalb, weil ich Ihn an meinem Problem beteilige und damit auch Teil von Ihm werde. Es geht nicht mehr so weiter wie vorher.

Beispiel:

Ich möchte eine bessere Gottesbeziehung.

Ich formuliere dies in einer Bitte.

Geht es mir nun um mich? Möchte ich es für mein Erleben und mein Lebensgefühl? Bitte ich wirklich für einen Freund?

Bin ich bereit, zu suchen, was Gott für mich bereit hat? Seinem Blick standzuhalten, der fragend sagt: „Willst du es wirklich? Mit allen Konsequenzen?“ Suche ich mich korrigieren zu lassen in meiner Bitte, dass es eine Bitte nach Jesu Bild ist? Eine Bitte zur Verherrlichung des Namens des Vaters?

Ich suche den Vater

Im Dickicht meiner egoistischen Wünsche. Ich suche in der Bibel, bei den Vätern im Glauben. Ich suche in dem schon Offenbarten und im Rat eines wahren Freundes.

Ich suche, warum ich es wirklich will.

Gott nennt mir einen Preis.

Es ist immer ein Preis, der nach zumindest einem Aspekt meines Selbstsüchtigen Herzens fragt.

Jesus fragt die Jünger: „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“

Um meinet willen – den Schlaf eurer Bequemlichkeit als Preis gebend.

Ich klopfe an, das heißt, ich entscheide mich endgültig, mich auf das einzulassen, was die Konsequenz meiner Bitte ist.

Was auch immer geschieht, wenn Gott die Tür öffnet – ich werde mich darauf einlassen und tun, was das bedeutet.

Vielleicht sagt Gott: willst du mehr Nähe zu mir, so suche mich in dem kleinen Dienst, nicht in dem großen – denn ich bin dort unten, im Staub der Erde.

Oder Er sagt: Verzichte auf eine Folge Netflix jeden Abend, gehe 45 Minuten früher ins Bett und stehe 45 Minuten früher auf. Dann will ich mich dort von Dir finden lassen.

Oder Er sagt: Entscheide dich dein Kreuz zu tragen – und entdecke die Süßigkeit in ihm. Sie ist nicht auf der Oberfläche – sondern mittendrin.

Ich sage: Gott will keine Geschenke verteilen, sondern Er will meine Sehnsucht zu Ihm wecken und erfüllen.

Der Heilige Geist

Am Ende des Textes gibt es eine merkwürdige Wandlung.

Plötzlich ist vom Heiligen Geist die Rede.

Alle Bitten sollen von Gott her darin münden, dass Er mir Seinen Geist geben kann. Hinein in ein Haus, das geräumt ist von je eigenem und in dem nach dem Dreck der Selbstsucht gesucht wurde und vor allem: In ein mutiges, entschiedenes, endgültiges bereit sein. Ein Bereit sein, das durch lautes, klares Anklopfen signalisiert wird.

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