Hingabe – nicht Weggabe

Mo 03.03.2025

Mk 10:28-31 Der Lohn der Nachfolge

Der Text

Zuvor steht die Geschichte vom reichen Jüngling. Daraufhin sagt Petrus: Wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt. Jesus bestätigt den Jüngern hundertfachen Lohn – und das ewige Leben. Und der Satz: Erste werden letzte sein.

Vollzeit-Christen

Zunächst scheint es so, als wenn nur Menschen, die „alles verlassen haben“ im Blick sind. Apostel, Missionare, Priester und Menschen des geweihten Lebens.

Denn davor steht die Geschichte vom reichen Jüngling. Dieser lebt in allem ganz fromm und richtig. Aber Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb. Darum sagt Er das Wort: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach.

Besteht den Jesu Liebe darin, den Mann in die Armut und damit ins Unglück zu treiben? Soll jeder hinter Jesus her pilgern?

Jesus wird sterben – wie soll es dann mit diesem Jünger weitergehen?

Vollzeit-Christen leben von arbeitenden Christen. Vielleicht gar von solchen Reichen, die viel geben.

Und: Jesus verspricht Petrus für sein Aufgeben von allem das ewige Leben.

Nur solchen?

Wo stehe ich?

In gewisser Weise empfinde ich den Text als Anklage.

Du sitzt in deinem Häuschen und schreibst fromme Texte – aber hast du alles losgelassen? Bist du so in der Nachfolge, dass du den Schmerz des Loslassens spürst?

Als ich junger Christ war, habe ich meine Diplomarbeit zurückgegeben, als mir klar wurde, ich habe sie unter falschen (zeitlichen) Angaben verfertigt. Es war nicht so schwer, denn es war ein klarer Schritt. Ein Akt des Loslassens ist zwar auch schwer – aber es gibt schwereres, wie mir scheint.

Äcker in dieser Welt

Ich habe meine Diplomarbeit wiederbekommen. Die „Leistung“ (= Arbeit pro Zeit) wurde als dennoch gut eingeschätzt.

Einen Acker zu lassen und einen geistlichen Acker in dieser Welt zu erhalten ist schön.

Aber einen Acker und ein Leben zu lassen und in dieser Welt kaum sichtbare Früchte zu ernten, ist etwas anderes.

Es gibt geweihtes Leben. Sei es monastisch oder sei es in dieser Welt, z. B. Säkularinstitute, Jungfräuliche Weihe (Ordo Virginum) und anderes.

Aber: es gibt auch ein geweihtes Leben als Ehemann.

Gerade die Orthodoxie beschreibt es so: Ehe und Mönchstum sind zwei Formen der gleichen Weihe. Eine Ganzhingabe. Ein sakramentaler Weg zur Heiligung. Eine Ikone der Verbindung zwischen Christus und der Kirche.

Ehe ist eine andere Form – nicht eine andere Sache als monastisches Leben.

Rauchen und Abnehmen

Mit dem Rauchen aufzuhören ist eines. Ein digitaler Schritt mit viel Not – aber ein Ende der Not nach einiger Zeit.

Gewicht zu verlieren, indem ich weniger esse, scheint mir schwerer, da es viele Wege gibt, Diät zu halten. Und viele dieser Wege sind eine endlose JoJo Geschichte und nur wenige finden einen Weg echter Umstellung (ich bisher nicht).

Die Ehe als Ort der Heiligung ist gewiss ebenso schwer wie der Weg als Mönch.

Aber: Rechte Ehe ist Nachfolge Jesu.

Rechte Ehe geht nicht unter einer Hingabe, die mehr ist als ein Loslassen.

Denn ein Loslassen endet – eine Hingabe nicht.

Immer wieder neu wacht der „alte Adam“, der Adam der Selbstliebe, auf.

Auch in der Seelsorge ist bekannt: Ein Umgang mit Konflikt ist Aggression. Aber ein anderer ist Vermeidung, oder Totstellen, oder Weglaufen.

All das ist auch keine Antwort auf die Frage: Willst du hingeben, was ich dir geschenkt habe: Dich selbst?

Hingabe oder Aufgabe

Wir planen dazu einen Beitrag auf Radio Horeb – darum lasse ich es hier weg.

Hingabe kann auch als Selbstentwertung daherkommen. Das ist nicht gemeint. Wer keinen Wert hat, der gibt auch nichts.

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