Fr 04.04.2025
Joh 7:1-2.10.25-30 Jesus auf dem Laubhüttenfest
Der Text
Jesus will zunächst in Galiläa bleiben, geht dann aber doch zum Fest. Seine Brüder sind vorgegangen. Auf dem Fest sprechen die Menschen darüber, ob Er der Messias ist. Es entzündet sich an der Frage, wo Er herkommt. Vom Messias weiß man das nicht – von diesem aber ist es bekannt.
Laubhüttenfest
Die Sukka, die Laubhütte, ist schwach, durchlässig, zerbrechlich. Ihr Sinn ist ein Sinn mitten zwischen zwei anderen: nicht mehr die ägyptische Sklaverei, aber auch noch nicht das gelobte Land.
Sie hat ihren Sinn nur, weil es die beiden anderen Dinge gibt!
Gäbe es Ägypten nicht, würde das Fest sinnlos sein. Ebenso nach vorne hin. Gäbe es das Gelobte Land nicht, wäre das Fest bedeutungslos.
Das Heil im Gelobten Land gibt der Sklaverei eine andere Bedeutung.
Israel ist trotz seiner Rolle als Sklavenvolk ein heiliges Volk geworden. Die Väter in Ägypten haben dieses Volk – in Gott – geboren. Gott heiligt damit auch die Väter. Sie sind die Väter (und Mütter) eben diesen besonderen Volkes.
Abraham ist Vater eines großen Volkes geworden.
Niemand ist Vater, der keine Kinder hat.
Sagt sich ein Kind vom Vater ab, ist der Vater kein Vater mehr.
„Siehe, dieser dein Bruder war Tod – und lebt wieder“. So sagt der Vater mit den zwei Söhnen.
Wer ist nun Jesus?
Die entscheidende Frage ist: Wessen Sohn ist Er?
Wenn er nur der Sohn der Menschen ist, dann erwartet niemand von Ihm, etwas ganz Neues zu sein. Er ist wieder nur eine Variante dessen, was schon war.
Mose kam aus Midian zurück nach Ägypten. Er war vor langer Zeit als Königssohn aufgezogen worden.
Er war nicht von der Art eines Sklaven.
Ein Volk kann sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Das konnte nur Münchhausen.
Aber ein Volk kann sich einlassen auf jemanden, der Gott gehört hat. Auf jemanden mit einem himmlischen Auftrag.
Wenn es das tut, wird die Geschichte verwandelt.
Das Sklavenhaus wird Offenbarung des „dennoch“. Der Augapfel Gottes wird erweckt, ja wird sehend.
Abraham hat Leid vorhergesehen – aber er ist nun zum Vater geworden. Zum Vater eines großen Volkes.
Zugleich
Es gibt kein Leben ohne Vaterschaft. Menschen sind geborene.
Wenn sie versuchen ihr altes Leben abzustreifen, werde sie kein neues gewinnen, sie werden geistig sterben.
Nur der Versöhnte (ver-Sohn-te) ist ein lebender.
Wer aber nur in dem bleibt, was er erbt, verändert wenig.
Es kommt darauf an, zu heiraten.
In der Heirat werde ich Erbe dessen, was die Braut in die Ehe bringt.
Und zugleich wirkt dies auf meine Familie.
Hanna ist meine wunderbare Schwiegermutter. Ihr Erbe an ihre Tochter – meine Frau – ist Teil von mir geworden. Ich lebe täglich von diesem ganz anders sein meiner geliebten Frau.
Und damit ist dies alles Teil meiner Familie. Auch meiner Herkunftsfamilie.
Und wer ist nun Jesus?
Jesus ist und muss ganz Sohn des Volkes Israel sein. Sohn des Volkes, das die Sklaverei überwunden hat.
Und Er ist wunderbarer Weise auch ganz Sohn des Vaters im Himmel.
So kann Er Sukkot feiern, mit denen, die unterwegs sind zwischen Sklaverei und gelobtem Land. Erneut unterwegs sind.
Es ist kein Entweder-oder. Sondern nur indem ich mein Erbe als Kind meiner Familie ganz annehme und zugleich mit Dem einen Bund eingehe, der ein ganz anderes Erbe in die Familie bringt.
Jesus ist der, der dem Menschen in der Heirat mit Ihm als Mitgift den Vater bringt.
Und ich will nicht vergessen:
Ich „heirate“ den Juden Jesus.
Und damit ist Sein Volk auch mein Volk. Ich bin halb deutscher, halb Jude – aber nicht getrennt, sondern verbunden, nicht vermischt, sondern erkennbar.
Beide Naturen – göttlich und menschlich – sind unvermischt, ungetrennt, unveränderlich in einer Person vereint
(Konzil von Chalkedon, 451)
Ich selbst
Damit kann und werde ich meine Familie, mein Volk und alle, die zu mir gehören, heiligen.
Der Sinn meines Lebens ist nicht meine Heiligkeit, sondern die Verbindung der Helligkeit Jesu mit mir, damit meine Verbindung mit meinem Haus dieses heiligt.
Mose rettet nicht sich selbst – er rettet das, was sein Gott liebt.
Wer sich selbst retten will, wird in der Wüste zurückbleiben.
PS
Formel von Chalkedon (451 n. Chr.)
„…ein und derselbe Christus, Sohn, Herr, eingeborener,
in zwei Naturen, unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungeteilt;
die Eigentümlichkeiten jeder Natur bleiben gewahrt,
beide Naturen vereinigt in einer Person und einer Hypostase.“
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Diese vier Begriffe bilden die klassischen Kriterien:
1. Unvermischt (ἀσυγχύτως)
→ Die göttliche und die menschliche Natur vermischen sich nicht.
2. Unverwandelt (ἀτρέπτως)
→ Keine der beiden Naturen wird durch die Vereinigung verändert.
3. Ungetrennt (ἀδιαιρέτως)
→ Die beiden Naturen sind nicht voneinander getrennt.
4. Ungeteilt (ἀχωρίστως)
→ Es gibt keine Aufspaltung in zwei Personen oder Wesen.