Nicht für, sondern als

Di 11.11.2025

Lk 17:7-10 Vom Knechtslohn

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

7 Wer aber von euch, der einen Knecht hat, der pflügt oder weidet, wird zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm sogleich her und setze dich zu Tisch?

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, gürte dich, diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach sollst du essen und trinken?

9 Dankt er etwa dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen war?

10 So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Sprachlicher Impuls

Geht es wirklich um Nutzlosigkeit im Sinne von Wertlosigkeit?
Ich sage: Es geht um Zwecklosigkeit.

Der Zweck will etwas für etwas anderes. Er will ein Ergebnis, das dann für etwas anderes verwendet wird.

Also etwa einen Lohn oder ein Werk.

Zwecklos aber ist etwas, was seinen Sinn in sich hat.

Hier ist die Gemeinschaft mit verschiedenen Rollen als ganzes der Sinn.

Im Denken Israels wäre das der Unterschied zwischen einem

עֶבֶד שָׂכִיר – Lohnknecht, der für einen Zweck arbeitet

und עֶבֶד יְהוָה – „Knecht des Herrn“ (dessen Sein selbst Dienst ist).

Man gehört zur Familie.

Ein Weg

Jesus Christus erzählt diese Geschichte, weil sie erzählt werden muss.

Wäre der Mensch in seiner Zugehörigkeit verwachsen, würde er die Spannung nicht empfinden, die in dieser Geschichte ist.

Die Spannung, die aus dem Bewusstsein des Selbst-Seins entsteht.

Ich nehme mich nicht nur als zum Ganzen gehörend wahr, sondern auch als einzelner Mensch.

So wie im Leib Körper und Seele gegen den Geist streiten können – und es auch tut. Obwohl doch der Leib wesentlich ein Ausdruck des Geistes ist.

Gott hat den Menschen so geschaffen, dass er sich in sich selbst finden kann. Und damit den anderen als gegenüber, mit der Betonung des „Gegen“.

Erst so ist es der geistige Akt der Liebe, der das Ganze zu dem macht, was Gott ähnlich ist: Ein trinitarisches Wesen aus drei freien Personen, die aus (oder in) Liebe ganz eines sind. Bei Gott schon immer, bei uns Menschen werdend (als Weg).

Praxis

Nirgends konkreter als in der Ehe.

Gerade in einer Ehe, die nicht sowieso schon harmonisch ist.

Darüber habe ich oft geschrieben.

Aber auch in einer Bruderschaft, die auf eine lebenslange Gemeinschaft angelegt ist, wie der Brüderliche Kreis, zu dem ich selbst gehöre.

Auf der einen Seite staune ich, dass Männer sich auf so etwas einlassen, auch heute noch. Wenn es auch nicht sehr viele sind.

Auf der anderen Seite offenbart solch eine Bruderschaft die Natürlichkeit, die Wesensmäßigkeit der dauerhaften Gemeinschaft für den Menschen.

Es ist eine Annahme dessen, was ich schon in mir vorfinde.

Treue Gemeinschaft ist keine Ergänzung meines Selbst, sondern die Offenbarung eines Aspekts meines Selbst. Ich bin Bruder. Das drücke ich nur aus, ich erschaffe es nicht.

Es bleibt der zu gehende Weg der Spannung des je eigenen Selbst mit dem Selbst der Gemeinschaft. Nichts davon allein kennzeichnet mich als Mensch.

Auch nicht das völlige Aufgehen in Gemeinschaft.

Aber kein ganzes Selbst ist ein Einzel-Selbst.

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