Do 01.01.2026 Hochfest Marias, Neujahr
Lk 2:16-21 Die Hirten bei Maria
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
16 Und sie eilten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
17 Als sie es aber gesehen hatten, machten sie das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.
18 Und alle, die es hörten, wunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde.
19 Maria aber bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
20 Und die Hirten kehrten zurück, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.
21 Und als acht Tage erfüllt waren, dass man Ihn beschneiden sollte, wurde Sein Name Jesus genannt, der vom Engel genannt worden war, ehe Er im Schoß empfangen worden war.
Zusammenhang
Ein Freund hat mir vor dieser Andacht einen Hinweis zu dem bekannten Text „Sound of silence“ von Paul Simon gesandt. Zudem fließen Gedanken der Andacht von gestern mit ein.
Gott sucht einen Raum
Einen Raum, der noch nicht gefüllt ist.
Vor Jahren schrieb ich einen Text zur Trinität. Darin ging es auch um eine Beobachtung, die mich erstaunt hat.
Gott sagt im Schöpfungsbericht nicht zu allem, dass es gut ist.
Hier der Absatz aus dem Schöpfungsbericht, Genesis 1,3–4:
3 Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
4 Und Gott sah das Licht, dass es gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Von der Finsternis wird nichts gesagt. Es scheint auch nichts Geschaffenes zu sein.
Hier nun Joh 1:
4 In Ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Mir scheint also, die Finsternis ist wie ein „Noch-Nicht“. Nicht etwas Eigenes.
Ein Ausdruck davon, dass Gott immer Schöpfender bleibt.
Alles, was nicht Gott ist, ist Finsternis. Eine Art noch-nicht (nicht ein Gegen).
Hirten in der Nacht
Nachts weiden die Schafe nicht. Sie waren bei den „Hürden“, zusammen mit den Hirten.
Die Hirten ruhten jedoch nicht, sondern sie wachten.
Das heißt, sie lauschten gespannt in die Nacht.
Hatte Gott noch in der Schöpfung ohne den Menschen das Wunderbare geschaffen, wollte Er nun nicht ohne uns das „Neue“ schaffen.
In der Geburt Jesu wird die Schöpfung der Welt in gewissem Sinne noch einmal vollzogen.
Denn Er war vor aller Zeit und ohne Zeit. Und kam in die Zeit, auch weil wir in der Zeit sind.
So waren die Hirten ganz „Menschen“. Repräsentanten des Menschen. Mehr als Zeugen. Denn um der Teilhabe an der Freude Gottes und der himmlischen Heerscharen kam Gott so in die Welt, dass Wachende und Wartende es empfangen können, empfangen sollen.
Komm
Es gibt den Vollzug des Gekommenen. Die Tat. Das Leben im Empfangenen.
Und es gibt die Teilhabe an dem ewig schöpfenden Gottes.
Dies geschieht mit Gott und Mensch, denn Gott sucht Menschen, die Er an Seinem herrlichen Erscheinen beteiligen kann.
Liebe lebt aus der Teilgabe und Teilhabe. Es ist kein Schauspiel Gottes, was da auf dem Felde geschieht, es ist „heilige Liturgie“, wie es die Orthodoxie wunderbar vollzieht.
Aber bevor all das geschieht, will ich das wollen.
Zutiefst wollen.
Und das zeigt sich im Tragen der Finsternis.
Nicht weil ich die Finsternis an sich gern habe – sondern weil sie der Raum ist, in dem ich Gott neu und herrlich erwarte.
Die vergangene Nacht
Sie ist die lauteste des Jahres (Silvester / Neujahr).
Gerade im inneren Kontrast zu ihr empfinde ich eine „Finsternis“, ein ganz anderes Erwarten des Neuen, meines Gottes.
Ich spüre in dem Lärm der Menschen ihr Gespür für die Bedeutung der Stille. Jede extreme Gegenbewegung zeigt ihren tieferen Kern in indirekter Weise.
Ich stehe als mit den geheimen Wünschen der Menschen, aber in Stille, vor Dir, Vater.
Sieh doch, sie wollen Dich, und sie fürchten Dich.