Müde zu leben?

Mi 22.04.2026

Joh 6:35-40 Ich bin das Brot des Lebens

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

35 Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu Mir kommt, wird nicht hungern, und wer an Mich glaubt, wird niemals dürsten.

36 Aber Ich habe euch gesagt: Ihr habt Mich gesehen und glaubt nicht.

37 Alles, was Mir der Vater gibt, wird zu Mir kommen; und wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen.

38 Denn Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht damit Ich Meinen Willen tue, sondern den Willen Dessen, der Mich gesandt hat.

39 Dies aber ist der Wille Dessen, der Mich gesandt hat: dass Ich nichts verliere von allem, was Er Mir gegeben hat, sondern es auferwecke am letzten Tag.

40 Denn dies ist der Wille Meines Vaters: dass jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, ewiges Leben habe; und Ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Weiter im großen Kapitel sechs, vom Brot des Lebens.

Heute vielleicht sehr persönlich.

Das Brot des Lebens

Warum wollen Menschen leben? Was ist ihr innerster Antrieb, außer dem biologischen Lebensinstinkt. Welches ist der eigentliche Hunger?

Ist es der nach „Brot“? Also einen Hunger nach Überleben?

Satan hatte Jesus in der Wüsten Brot angeboten. Brot aus Stein.
Ist denn nicht Brot Brot? Egal woher oder wie es entstand?
Will der Mensch nichts weiter als Leben? Warum hat der hungernde Jesus dieses Brot abgelehnt?

Tag der Unabhängigkeit
יוֹם הָעַצְמָאוּת

Heute feiert Israel Jom haʿAtzma’ut. Die Wurzel ist עֶצֶם, was auch Knochen bedeutet, das Feste, das Tragende. Hin zum Wort für das Eigene עַצְמִי – aber auch für mächtig und stark עָצוּם.

Warum aber sollte das Eigene besser sein, als zum Beispiel eine gute, wenn auch abhängige Integration in etwas Größeres? Warum will Israel ein eigenes Land, wo es doch so viel kostet?

Unabhängigkeit und Selbst-Sein sind mehr als einfaches Überleben. Mehr als „Brot“.

Aber wieder die Frage: Wozu? Warum?

Ich sage, sowohl das Sein selbst, als auch das Selbst-Sein sind Substanz und haben schon so ihren Grund – aber es reicht noch nicht.

Der Mensch ist nicht vollständig beschrieben in diesen beiden Aspekten. Auch wenn beide einen starken Antrieb in sich tragen.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, und auch nicht von Selbst-Sein allein.

Substanz des Menschen

Das Selbst-Sein erhebt den Menschen aus der Natur, aus der Tierwelt. Zwar gibt es Selbst-Sein dort auch, aber ob ein Tier für die Freiheit, es selbst zu sein, sterben würde, ist mir nicht offenbar.

Der Mensch soll ganz er selbst sein, damit seine Antwort auf die Liebe des Schöpfers eine freie Antwort ist. Selbst-Sein ist kein Selbstzweck, sondern Bedingung für Liebe. Niemand, der bedürftig ist, kann wahrhaft lieben.

Darum ist die freie Annahme der Liebe Gottes grundlegend für den Menschen. Die Freiheit ist der Raum der Würde, vollzogen wird sie in der Annahme der Liebe Gottes. Nicht in dem Selbst-Sein.

Es geht um Annahme, nicht um das Suchen einer Liebe, oder um das Produzieren einer Liebe.

Jesus nimmt den Menschen an

Und zwar nicht den, den Er will. Sondern den, den der Vater Ihm gibt. Damit vollzieht Er genau dieses Prinzip der Annahme. Es gibt einen Unterschied zwischen Wahl und Annahme. Und das ist die Würde des Anderen.

Gott wählt nicht willkürlich aus, wen er dem Sohn geben will. Auch wenn dies in dem Text nicht explizit genannt ist: Willkür ist keine Liebe und darum nicht in der Substanz Gottes.

Sondern wer die Liebe Gottes annimmt, der ist Ihm wohlgefällig. Den vertraut Er Seinem Sohn an.

Die Annahme der Liebe Gottes offenbare ich Ihm indem ich Ihm dieses glaube. Und das bedeutet, dass ich Ihm mein Selbst-Sein, das ich gerade gewonnen habe, nun anvertraue.

Es muss etwas zum Sterben geben. Eine reine Hörigkeit ist keine Liebe. Sondern ein Selbst, dessen Hingabe den Glauben und die Liebe zu Gott offenbar macht.

Was ich mir nehmen kann

Ich bin frei, mir zu nehmen, was ich mir nehmen kann.
Aber darin ist keine Liebe.

Jesus kann Steine zu Brot machen. Und damit überleben.

Darin steckt also das Überleben und das Selbst-Sein. Das aber ist zu wenig für die Würde des Menschen.

Es ist ein Todeskampf, die Liebe Gottes anzunehmen. Denn die Liebe will alles. Sowohl das Überleben als auch das Selbst-Sein.

Jesus wird Seine Liebe leiblich nicht überleben. Nicht innerhalb der Welt, die wir kennen. Nicht in der Welt, die sich selbst nimmt.

Sondern Er lässt sich erwecken, ganz aus der freien Liebe des Vaters.

Immer wieder muss ich mich fragen, ob ich Deine Liebe in dieser Weise annehmen will. Auf dem Weg erlebe ich, dass mir die Welt an sich fade zu werden droht. Die Freude des Lebens an den Stellen, wo viele sie erleben, ist mir blass geworden. Das ist eine Gnade – aber nicht das Ziel.

Das Ziel ist das volle Leben, das Leben jenseits von Existenz und Selbst. Es ist das, was ich zum Thema „empfangener Name“ begonnen habe zu betrachten. Es gilt dies weiter zu entfalten.

Hinterlasse einen Kommentar