Bist Du es, Herr?

So 26.04.2026

Joh 10:1-10 Der Gute Hirte Teil 1

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

1 Amen, amen, Ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinaufsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.

2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe.

3 Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft die eigenen Schafe beim Namen und führt sie hinaus.

4 Wenn er alle seine eigenen hinausgeführt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.

5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.

6 Dieses Gleichnis sagte Jesus ihnen; sie aber verstanden nicht, was es war, das Er zu ihnen sprach.

7 Da sprach Jesus wiederum: Amen, amen, Ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe.

8 Alle, die vor Mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie.

9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch Mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird hineingehen und hinausgehen und Weide finden.

10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu vernichten; Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Fülle haben.

Ich berühre ohne zu verstehen

Das Kapitel 10 vom Guten Hirten ist mir nicht vollständig klar. Also rede ich wie einer, der zwar die Worte nicht vollständig versteht – aber doch Dich darin erkennt. Weniger an Deinen Worten, als mehr an Deiner Stimme.

Auch Schafe verstehen nicht die Worte, hören aber den rechten Hirten.

Auf dem Israel-Stand erklärte uns gestern ein Christ, wie es mit Israel ist. Sehr klare Aussagen. Auch, dass die Juden nicht unsere Brüder sind, weil sie Jesus nicht kennen.

Ich hörte seine Worte mit Schmerzen, der Klang war mir fremd. Ich wäre ihm nirgendwohin gefolgt.

Was höre ich von Gott –

Wie oft sagen mir Menschen, Jesus (oder Gott) hätte ihnen dies oder jenes gesagt.

Und ich schaue und sehe ein Leben weit weg von der Herde Jesu. Oft mit schlimmen Folgen für die Menschen in ihrer Nähe.

Kann ich die Stimme Jesu hören und doch nicht zur Herde gehören? Eine Frage, die mich seit Jahren beunruhigt.

Menschen leben mit anderen vertraut in einem Haus – und plötzlich suizidiert sich dieser Andere. Und diese sagen mir, dass hätten sie nie erwartet und sind fassungslos.

Kann ich so auch mit Jesus in einem Leben leben und Ihm doch nicht wirklich gehören?

Diese Gedanken passen nicht direkt zum Text, der Text löst diese aber in mir aus.

Unruhe des Herzens

Mein Eindruck ist, dass die Kirche zu früh und zu viel vom Schalom redet, vom Frieden mit Gott.
Ich weiß Dinge – und tue sie nicht. Ich höre Deine Stimme und spüre einen Abstand zu Dir.

Die Stimme hören heißt die Person wahrnehmen.

Und eine Person ist immer auch anders als ich, fremd, unergründlich.

Es ist eine Expedition in die Wahrheit der Fremde, des „fremden Freundes“.

Ich möchte mir meines Heils nicht zu gewiss sein, denn ich erkenne mein Stückwerk im Erkennen. Bruchstücke, fast wie Scherben.

Nichts reißt mich aus Deiner Hand – aber dennoch kann ich Menschen verletzen; Dich unerträglich kränken. Besonders mit Scheinsicherheiten und Selbstverständlichkeiten.

Wie oft meinte ich zu wissen und zu hören. Und es waren Splitter der Wahrheit dabei. Aber der rechte Ort für diese Splitter fand sich erst viel später.

Ich will immer brennender werden, Deine Stimme heute zu hören. Den ganzen Klang der Freundlichkeit darin, der mir Mut macht, von allem anderen zu lassen.

Was kannst Du mir sagen, worin ich bereit bin zu hören?

Ich schaue nicht auf die abgefüllten Flaschen meines Glaubens, die im Regal im Keller stehen, neben all meinen Büchern.

Sondern auf die „Enge meiner Bereitschaft“ (1) auf Deine Stimme hin, mit Dir zu gehen, wo immer Du mich hinrufst. Diese Enge will ich weiten – Herr, erbarme Dich.

Das Feld vor mir ist weiter als das Feld hinter mir.

(1) Die „Enge der Bereitschaft“ ist die Angst. Der Gegenspieler des Glaubensmuts.

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