Jesus lieben heißt die Kirche zu lieben

Mo 27.04.2026

Joh 10:11-18 Ich bin der gute Hirte

Der Text

11 Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte setzt Sein Leben ein für die Schafe.

12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf raubt sie und zerstreut sie –,

13 weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.

14 Ich bin der gute Hirte, und Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen Mich,

15 wie der Vater Mich kennt und Ich den Vater kenne; und Ich setze Mein Leben ein für die Schafe.

16 Und Ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muss Ich führen, und sie werden Meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein.

17 Darum liebt Mich der Vater, weil Ich Mein Leben einsetze, damit Ich es wieder nehme.

18 Niemand nimmt es von Mir, sondern Ich setze es von Mir selbst ein. Vollmacht habe Ich, es einzusetzen, und Vollmacht habe Ich, es wieder zu nehmen. Dieses Gebot habe Ich von Meinem Vater empfangen.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

– „Leben einsetzen“ steht nahe bei „Seele hingeben“ (nāfšā) – nicht nur Tod, sondern das ganze Sein.

– „kennen“ (yadaʿ) trägt den Sinn von inniger, existenzieller Verbundenheit.

– „eine Herde, ein Hirte“ betont stärker die Einheit als gewachsene Zusammenführung.

Antwort

Zu meinem Text vom Samstag schrieb mir ein guter Freund. Es ging darum, dass das Wesen der Kirche Gott ähnlich ist.
Er ist sehr vertraut mit den praktischen Erscheinungen der Kirche und hat darin viel Leid erfahren. Es scheint ihm so, dass die Kirche ihre Berufung verfehlt hat.

Er schreibt auch, dass er aus dem Schmerz heraus redet.

Es berührt mich, weil ich dieses Ringen um das Lieben der Kirche kenne und auch gestern erneut intensiv erlebt habe. Es fügt sich auch in den Text vom guten Hirten.

Die Liebe Jesu

Jesus liebt die Kirche. Letztlich liebt Er dich und mich nicht isoliert als Individuen – sondern unsere Teilhabe an Seiner Liebe für die Kirche.

Die Liebe zu mir soll und muss mich in die Nachfolge Christi führen. Und die Nachfolge Christi besteht in der Liebe zu Seinem Leib – der Kirche.

Unabhängig von der Schönheit der Gestalt, von ihrem Verhalten. Ja, auch unabhängig von ihrem Verrat an Ihn.

Der gute Hirte

Der lässt sein Leben für die Schafe.

Nicht für „das Schaf“. Sondern für die Kirche!

Wenn das Schaf sich von den anderen Schafen entfernt, von der Herde – also der Kirche – entfernt, geht Er diesem Schaf nach. Und bringt es zur Herde zurück.
Und selbst als Jesu „Kirche“, das Volk Israel, Ihn zu jener Zeit ausstößt und verrät. Sein Tod ist für dieses Volk zuerst geschehen.

Die Briefe des Paulus handeln von der Kirche – kaum von Heidenmission. Denn erst dann ist die Erlösung der Person eine Erlösung, wenn sie von sich selbst erlöst ist, um die Kirche zu lieben.

Irgendwelche Menschen zu lieben, das tun auch unerlöste Menschen.

Kein Instrument

In meinem Denken sind Dinge und Menschen oft Instrumente, die mir dienen – oder nicht dienen. Und danach bemesse ich schnell ihren Wert.

Was habe ich von dieser Gemeinde? Bringt sie mich weiter? Ist sie „gut“?

Das fragt ein Kind im Glauben. Ein Mann soll es nicht mehr tun. Er soll fragen: Was bringe ich der Gemeinde? Der Gemeinde, in die ich gestellt bin – nicht der Gemeinde, die ich natürlicherweise gut finde und deshalb gern habe.

Es ist das Herz des Mietlings, das danach fragt, was ich vom Anderen habe, was ich von der Gemeinde, der Kirche habe.

Das Sollen dieses Mannes nun, ist nicht ein abstraktes „Sollen“, sondern Ausdruck erwachsener Teilhabe am Reich Gottes. Vorher findet Reich Gottes noch nicht statt. Es gibt Zeiten der Vorbereitung, auch Zeiten des geistlichen Konsums.

Aber sie geschehen auf Hoffnung hin. Auf Bereitung. Nicht die „gute“ Welt ist der Himmel, sondern die dennoch Liebende, gerade angesichts mancher Hässlichkeit.

Es beginnt in der Ehe

Für die, die in einer Ehe sind, beginnt das alles in der Ehe. Und zwar gerade dann, wenn der Glanz der ersten Liebe verblasst und manche Ecken und Kanten am anderen sichtbar werden.

Nicht einfach in einer stoischen Treue.
Sondern hier erst erlerne ich das Handwerk der Liebe. Im Widerstand, in der Fremdheit, im Unangenehmen.

Das ist es, was Du uns als Reich Gottes gezeigt hast. Nicht ein Schlaraffenland, sondern die Wüste. Nicht allein als Geschenk, sondern als Annahme der Liebe, die immer schon in mir angelegt ist, die mir schon geschenkt wurde.

Die Liebe entfaltet sich, sie wird nicht erzeugt. Sie entfaltet sich, wo ich einwillige, dass meine Selbstliebe mit Hammer und Meißel von der Zartheit der Seele entfernt wird. Immer unter Schmerzen. Aber immer zur „Gleichgestaltung nach dem Bild des Sohnes“. Das ist aus dem oft überlesenen Vers 29 aus Römer 8.

Die Herrlichkeit erscheint erst nach der Hingabe, nach der Wüste, nach dem Schmerz – nicht vorher.

Hinterlasse einen Kommentar