Di 02.06.2026
Mk 12:13–17
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
13 Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu Ihm, damit sie Ihn durch ein Wort in eine Falle lockten.
14 Als diese kamen, sagen sie zu Ihm: Lehrer, wir wissen, dass Du wahrhaftig bist und Dich um niemanden kümmerst; denn Du siehst nicht auf das Ansehen der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir geben oder sollen wir nicht geben?
15 Er aber erkannte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Warum versucht ihr Mich? Bringt Mir einen Denar, damit Ich ihn sehe.
16 Sie brachten einen. Und Er spricht zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie aber sprachen zu Ihm: Des Kaisers.
17 Da sprach Jesus zu ihnen: Gebt dem Kaiser zurück, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie staunten sehr über Ihn.
Was es nicht heißt
Es ist keine einfache Trennung zwischen der Welt und Gott. Gerade für Israel gilt: Der Staat und Volk Gottes zu sein, gehören zusammen.
Aber Israel hat Gott um einen König gebeten (1. Sam 8,7).
Ein Satz Jesu ist kein einfaches „Basta“, sondern eine lebendige Antwort. Er ist kein Gesetzesautomat, dem man eine Frage stellt und Er gibt eine Antwort aus der richtigen Schublade.
Was es aber heißt: Der Mensch ist zum Bilde Gottes. Er „trägt“ das Bild Gottes (1. Mo 1,27). Also ist er Gottes und gehört Ihm.
Die Antwort Jesu verschärft das Problem und macht es nicht einfacher.
Das Gewissen
Meine Gedanken zum Gewissen sind in besonderer Weise unvollständig und gehören zu dem, was ich weiter entdecken will.
Bisher also:
Das Gewissen ist der Ort, an dem Gottes Wort, Gottes Reden nachhallt. Im biblischen Hebräisch gibt es das Wort nicht, im Iwrit ist es verwandt mit dem Wort für verborgen, aber auch für Kompass.
Die Bibel redet vom Herz. Ein eigener, komplexer Begriff.
Das Gewissen ist ein geprägter Ort. Es ist unter anderem der Ort des Über-Ichs. Also des „man“. Der kulturellen und gesellschaftlichen Regeln.
Das Gewissen ist auch oft ein unreiner Ort. Die Wahrheit, die dem Menschen von Gott zugeflüstert wird, kommt so unrein und verändert aus dem Gewissen heraus. Wer sein Gewissen nicht reinigt und pflegt, wird wenig von ihm erfahren – oder doch wenig, was mit Gott zu tun hat.
Und so benutzt auch das Ich das Gewissen für eigene Zwecke. Obwohl es ein Ort des Hörens auf Gott sein soll und immer auch in einer Weise ist, kann z. B. eine religiöse Lehre es instrumentalisieren. Und damit ist es dann auch Knecht der eigenen Eitelkeit.
Alles von Gott geschaffene kann missbraucht werden – auch das Gewissen. Und ich erlebe es in der Seelsorge.
Hallraum Gottes
Ich nenne es einmal so, weil oft Gott im Gewissen nachhallt. Nachhallend, ohne selbst präsent zu sein, wie es z. B. im Garten Eden war. Eva hörte noch den Klang Gottes im Ohr, aber andere Stimmen waren ebenfalls zugegen. So klingt ihre Wiedergabe der Worte Gottes schon anders, als sie gesagt wurden.
Es ist sehr gut, den Raum des Gewissens zu reinigen. Das geschieht durch rechtes Gebet, durch Einüben in Gehorsam, durch Reduzierung von „Gewissenslärm“.
Also Lärm, der auf das Gewissen Einfluss nehmen will. Vor allem die Selbstliebe.
Vielleicht ist es gut, Gewissen nicht zu pauschal zu deuten. Denn welches Wort haben wir für das lebendige Hören Gottes sonst? Klingt es nicht auch ins Gewissen hinein?
Herz
Das Herz beinhaltet das ganze Wesen des Menschen. Sein Hören und sein Gehört-Haben. Seine Erkenntnis und seine Liebe. Seine Treue und seine Tat. Besonders auch: Seine Entschlossenheit und seine Entscheidungen.
Dem Herzen kann vergeben werden – beim Gewissen kenne ich das nicht.
Das Herz lebt noch, wenn der Mensch stirbt. Es ist auch im Himmel vorhanden – das Gewissen brauche ich dort nicht mehr.
Ist das Gewissen das Ohr, ist das Herz der Raum, das Wesen, für das das Gehörte bestimmt ist. Es ist viel mehr als hören. Es ist Ackerboden – aber es ist auch Gewordenes. Das Gewissen fragt – das Herz antwortet.
Das Herz hat das letzte Wort. Es hat als Quelle nicht nur das Gewissen, sondern viel mehr.
Des Königs
Gebt dem König, was des Königs ist. Ist der Mensch Gottes, wird der König von mir Gott empfangen – nicht nur eine Münze.
Dazu sortiere ich nicht die Blätter des Waldes (z. B. die Paragrafen), sondern reinige mich von dem, was zwischen meinem Herzen und Gott steht.
Geschieht das, wird die Gerechtigkeit Gottes das heiligen, was meine Hände berühren.