Mi 15.07.2026 Tastungen, ökumenische Konferenz
Mt 11:25–27 Offenbarung Gottes
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
25 Zu jener Zeit antwortete Jesus und sprach: „Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass Du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor Dir.
27 Alles ist Mir von Meinem Vater übergeben worden. Und niemand erkennt den Sohn außer dem Vater; auch erkennt niemand den Vater außer dem Sohn und dem, dem der Sohn Ihn offenbaren will.“
Gott ist kein Gesetz
Vor dem Gesetz sind alle gleich.
Nicht jedoch vor Gott.
Die Menschen wollen oft lieber ein Gesetz.
Vor dem Gesetz habe ich eine gewisse Macht. Mit guten juristischen Kenntnissen habe ich Vorteile und kann mir gewisse Dinge selbst erkämpfen.
Vor einem freien Richter, einem König, bin ich ganz in der Hand des anderen.
Und ist es ein weiser, ein großer König, vielleicht einer, der mich besser kennt als ich – was wird dann aus mir vor ihm?
Stadtlauf
Ich habe eine Medaille von einem Stadtlauf.
Nicht weil ich etwa unter den ersten drei war – nein, einfach weil ich dabei war.
Wie im Schulfach Religion: Es reicht ein „teilgenommen“.
Nicht so bei Gott.
Es reicht nicht, gelebt zu haben.
Ich denke, es reicht noch nicht einmal, Gott zu wollen.
Denn Gott ist Gott und ganz frei. Er lässt sich vom Sohn offenbaren, wenn und für wen der Sohn will.
Und das ist kein theoretischer Satz.
Das erkenne ich schon an all den Bevorzugungen Gottes, die auch immer ein Zurückstellen anderer ist.
Schon bei Kain und Abel, wenn auch zunächst nur deren Opfer.
Aber auch bei Jakob und Esau, bei Josef und seinen Brüdern, bei Petrus und Andreas. Und ganz folgenschwer: bei Israel und den Völkern.
Gott ist frei zu erwählen und nicht zu nicht zu erwählen. Sonst wäre er keine Person und wäre weniger als der Mensch. Aber so ist es nicht.
Israel
Kain hat Abel erschlagen, weil er die Wahrheit der Erwählung nicht ertragen hat.
Die Welt will Israel erschlagen, weil sie Gottes freie Erwählung nicht ertragen kann.
Und ich kenne auch diesen Schmerz, weniger geliebt zu sein, als jemand neben mir.
Aber damit nicht genug.
Last der Erwählung
Abel bezahlt seine nicht selbst gewählte Erwählung mit dem Tod.
Jakob sagt von sich, dass er ein schweres Leben hatte.
Josef musste lange sehr leiden.
Von Israel muss ich nicht reden. Kein Volk hat über so lange Zeit so viel Leid erlebt wie Israel.
Und:
Gott leidet daran, dass Er erwählt hat.
Denn Seine Erwählung bindet Ihn an den Erwählten.
Heute werde ich hier eine kleine Andacht zu Hosea (11,8–9) halten, in der Gott sagt, dass Sein Herz sich gegen Ihn selbst wendet und Er nicht frei ist, gerecht gegenüber Ephraim zu sein.
Ich rede hier nicht griechisch, nicht theologisch oder philosophisch. Sondern wie Hosea redet, wie die Thora redet, wie Jesus redet.
Von der Welt gehasst
Der Hass der Welt offenbart die Sehnsucht der Welt nach der Liebe Gottes.
Wie Gott damit umgehen wird – ich weiß es nicht.
Gestern hat jemand eine Andacht gehalten und gesagt, er habe nicht gehört, was er sagen soll. Im Gegenteil, alle seine Gedanken seien nicht Gottes Botschaft an uns. Und darum hat er keinen Inhalt gesagt, sondern den unvergesslichen Satz: „Es gibt kein Happy End.“
Die Wunde bleibt offen, Gott bleibt souverän.
Denn Gott zu lieben, ist nicht nur und nicht immer einfach Antwort auf Seine Liebe.
Auch in mir gibt es personale, freie Liebe.
Vielleicht fragst Du gerade einmal nach diesem Geheimnis in mir?