Sa 18.07.2026 Tastungen, ökumenische Konferenz
Mt 12:14-21 Der verborgene Jesus
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
14 Die Pharisäer aber gingen hinaus und hielten Rat gegen Ihn, wie sie Ihn umbringen könnten.
15 Als Jesus dies erkannte, zog Er sich von dort zurück. Und viele folgten Ihm, und Er heilte sie alle.
16 Und Er gebot ihnen nachdrücklich, dass sie Ihn nicht offenbar machen sollten,
17 damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet worden ist:
18 „Siehe, Mein Knecht, den Ich erwählt habe, Mein Geliebter, an dem Meine Seele Wohlgefallen gefunden hat. Ich werde Meinen Geist auf Ihn legen, und den Nationen wird Er das Recht verkünden.
19 Er wird nicht streiten noch laut rufen, und niemand wird Seine Stimme auf den Straßen hören.
20 Ein geknicktes Rohr wird Er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird Er nicht auslöschen, bis Er das Recht zum Sieg hinausführt.
21 Und auf Seinen Namen werden die Nationen hoffen.“
Welches geknickte Rohr?
Vorher hatte Jesus in der Synagoge die verdorrte Hand eines Mannes geheilt. Die Frommen haben Ihm den Bruch des Sabbat-Gebotes übelgenommen. Wie schnell passiert es, dass ich mich ärgere, wenn eine christliche Regel in Lieblosigkeit mündet? Manchmal auch die Lieblosigkeit der Unklarheit.
Ich erinnere mich besonders an den Konflikt, der vor vielen Jahren zu meinem Gemeindeausschluss führte.
Das gekickte Rohr ist nun nicht einfach ein schwacher Mensch.
Es ist auch der Raum der Beziehung zu jemandem, der mit mir nicht einverstanden ist.
Der glimmende Docht der Liebe, die zu verlöschen droht durch inhaltliche Differenzen.
Wie verhalte ich mich nun? Werde ich schweigen, um den Docht nicht zu löschen? Oder gilt es, die Wahrheit „von den Dächern zu verkünden“, wie es an anderer Stelle heißt?
Die Wahrheit um des Menschen willen
Sie redet, wo sie rettet und heilt, und sie schweigt, wo sie nur Konflikte anheizt und Menschen in ihren Irrtum doch nur noch weiter hineintreiben würde.
Das Gesetz, die Ordnung tun ihren Dienst. Der Sabbat ist wichtig und darf nicht lässig gebrochen werden. Aber der heilige Mensch unterliegt am Ende einem größeren Gesetz.
Aber wieder nicht einfach so – sondern in der Liebe nach oben hin.
Freiheit
Es gibt einen großen Raum.
Auf der einen Seite die Scheidung von Mutter, Bruder, Sohn um Jesu willen. Auf der anderen Seite das stille Schweigen, ja, das Verbergen dessen, was Konflikte anheizt.
Meine eigenen Emotionen wollen Regeln, sonst galoppieren sie wild umher.
Du, Herr Jesus, redest nicht davon, distanziert zu sein, um Konflikte zu vermeiden. Denn Deine Nähe zum Menschen führt Dich in große Konflikte.
Sondern in eine neue Liebe, die den Ort findet, an dem ich in jedem Einzelfall stehen soll.
Die neue Bindung
Ich gebe den Kampf um die Wahrheit in die Knechtschaft zu Dir.
Mein Kampf ist die Annahme der inneren Freiheit von meinem Verständnis von Wahrheit und Liebe. Nur in der Knechtschaft zu der Quelle aller Menschenliebe entfaltet sich freie Liebe.
Ich weiß nicht um den rechten Umgang mit Liebe und Wahrheit, mit Schweigen und Reden.
Sondern ich opfere meine Weisheit und leere den Raum für Dich, Vater.
Auch die Liebe braucht Nachfolge und Gehorsam.
Ich gehorche nicht der Liebe, ich gehorche der Person, die Liebe ist.
Genauso, wie ich nicht der Bibel gehorche, sondern dem, der mit ihr und anhand von ihr je neu zu mir spricht.