Do 23.07.2026
Joh 15:1-8 Der wahre Weinstock
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Ich bin der wahre Weinstock, und Mein Vater ist der Weingärtner.
2 Jede Rebe an Mir, die keine Frucht trägt, nimmt Er weg; und jede, die Frucht trägt, reinigt Er, damit sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das Ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in Mir, und Ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von Mir könnt ihr nichts tun.
6 Wenn jemand nicht in Mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in Mir bleibt und Meine Worte in euch bleiben, so bittet, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
8 Darin wird Mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und Meine Jünger werdet.
Erleben
Gestern sprach jemand, der mit seinem aktuellen Leben nicht recht zufrieden ist, dass es aber doch möglich sei, das Leben „rumzukriegen“, also hinter sich zu bringen.
Heute habe ich einen vollen Tag, und der Gedanke, diesen irgendwie zu überstehen, erinnert mich an dieses „rumkriegen“, in die Vergangenheit bringen.
Aber das Leben nur hinter sich zu bringen, bringt es dem Feuer näher. Der Tod ist nicht die endgültige Erledigung des Lebens, das „hinter sich gebracht“ haben.
Es ist entweder die Fortsetzung eines vollen Lebens, oder das Weggeworfen- und Verbranntwerden eines schon vorher geistig vertrockneten Lebens.
Sterben oder Sterben
Seit Adam gehört das Leben dem Tod. Es gibt zwei Formen des Sterbens. Das Sterben im Tod und das Sterben vor dem Tod.
Der Tod offenbart, was vor dem Tod außer dem eigenen Leben gelebt hat.
Denn das Sterben vor dem Tod ist das Aufleben des Jesuslebens in mir. Wird Jesus an mir nicht erkannt, wird es auch kein erkennbares Leben nach dem Tod geben.
Das Jesusleben in mir erkenne ich an der ewigen Frucht, die es bringt – am je anderen!
Auch Jesus ist gestorben. Die Frucht Seiner Auferstehung zeigt sich weniger im Außergewöhnlichen als darin, dass Er nun in Seinen Jüngern lebt. Nicht als Idee, sondern als Substanz.
Praktisch
Heute soll ich mich um Enkelkinder kümmern, denn meine Frau ist im Krankenhaus, die Schule ist geschlossen und die Eltern arbeiten.
Verwahre ich sie, unterhalte ich sie, versorge ich sie – das ist ein Erledigen, ein „Hinter-sich-bringen“.
Oder sähe ich eine Saat, erinnere mich, wozu ich auf Erden bin, empfange die kostbaren Stunden der Gemeinschaft mit den Menschen, die diese Welt erben?
Mein Blick ist Christis Blick, denn Er wohnt in mir und ich in Ihm.
Schaue ich meine Enkel mit dieser Verbundenheit, dieser Verantwortung an?
Jeden Morgen empfange ich das Wort meines Herren im Evangelium, in dem Berührt-Sein innerhalb meiner stillen Zeit.
Nun gilt es, in diesem zu bleiben.
Bleibt in Mir und Ich in euch.
Es geht nicht um Erbauung, es geht um anhaltende Verbundenheit.
Ich empfange keine Kraft, ich empfange ein gereinigtes Ohr.
Die Kraft kommt im gehorsamen Tun – nicht vorher.
Brennen
Brenne ich nicht für Jesus, werde ich verbrannt. So brutal ist es. So kostbar ist das Leben, so viel bedeutet es, dass Du auf die Erde kamst, mit Menschen gegangen bist, gelitten hast und zu Tode gequält wurdest.
Ein nur hinter sich gebrachter Tag ist ein Geringachten dieser Hingabe. Du leidest auch heute an der Gleichgültigkeit in Deiner Kirche, und in und an meiner bequemen Zurückhaltung dem aufgetragenen Leben gegenüber.
Ich will heute lieber meine Kraft und Zeit ins Feuer der Liebe werfen – nicht so sehr aus Angst vor meinem eigenen Todesfeuer. Denn das Feuer brennt mehr an Dir als an mir. Es brennt nur, wenn überhaupt Leben in mir ist.
Werde wach und stärke, was da sterben will.