Mo 10.08.2026 Hl. Märtyrer Laurentius
Joh 12:24-26 Das Weizenkorn
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
24 Amen, amen, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.
25 Wer sein Leben liebt, verliert es; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren.
26 Wenn jemand Mir dient, folge er Mir nach; und wo Ich bin, dort wird auch Mein Diener sein. Wenn jemand Mir dient, wird der Vater ihn ehren.
Rahmen
Nach der letzten großen Machttat, der Auferweckung des Lazarus, in der Karwoche, direkt vor dem Martyrium Jesu.
Besonders interessant auch der Auslöser der Worte Jesu. Griechen sind auf das Fest gekommen, um anzubeten. Sie wollen auch Jesus sehen.
Ein Kairos. Heiden kommen zu einem Fest, das sie zunächst gar nicht betrifft. Und Jesus erkennt: Jetzt ist die Zeit gekommen.
Gern hätte ich darüber geschrieben, was das jetzt bedeutet und wie ich als Heidenchrist an der Geschichte des Volkes Gottes beteiligt bin. Ganz konkret in Israel!
Aber der Anlass des Evangeliums ist heute ein anderer.
Doron Schneider
Doron Schneider schreibt, der normale Deutsche im Dritten Reich hat keine Juden ermordet. Und der normale Moslem ist kein Attentäter.
Aber doch sind sie der Raum, in dem das andere möglich wurde und geschah.
Damit sind sie auch schuldig.
Mitläufertum, neutrales Wegschauen, selbst „nicht der Meinung“ zu sein. All das ist der Acker, auf dem das Böse wächst.
Ein historisch wichtiges Geschehen war „die Nacht der langen Messer“ vom 30.6. bis zum 2.7.1934. Die SS tötete wichtige SA-Leute. Interessant scheint mir, dass es keinen Aufschrei der Presse, der Bevölkerung, der Justiz gab. Das Töten von Feinden durch den Staat ohne Gerichtsbeschluss wurde hingenommen. Es ist eine Gewöhnung an Unrecht, auch weil es einen selbst nicht betrifft.
In gewissem Maße haben wir das in der Zeit der Corona-Maßnahmen erneut erlebt. Manches ist heute anders – aber was haben wir wirklich gelernt?
Und seit dem 7. Okt. 2023 erleben wir diesen Mechanismus wieder.
Lauheit
Nun zum Thema heute.
Wer sein Leben liebt, wird es verlieren.
Wer sein Leben liebt, wird immer Gründe finden.
Die SA war eine üble Schlägertruppe. Sich für Recht einzusetzen, wenn es meine Feinde betrifft, ist schwer.
Wenn ich es nicht tue, verschließe ich eine Tür zu meinem Gewissen.
Und heute ist es viel billiger.
Wenn die Preise an den Zapfstellen steigen, sind wir Deutschen schnell bereit, Kompromisse vor Gerechtigkeit zu setzen.
Das ist nicht die Regierung – das sind wir Menschen, gerade in einer Demokratie.
Es sind immer die kleinen Kompromisse, es ist das leise Zurückweichen. Und das Nicht-Nachgehen dessen, was mir mein Gewissen leise doch schon gezeigt hat.
Der Zeuge
Der Zeuge ist nicht nur der, der im kritischen Moment seinen Glauben bekennt, dann, wenn es gefährlich ist. Und so das griechische Wort vom Zeugen (martys) mit erfüllt.
Es ist auch der, an dem man allezeit erkennt, dass er anders ist.
So anders, dass er „nicht mehr der alte“ ist.
Also: Sich selbst gestorben ist.
So sehr, dass die Leute sagen: „Das ist einer, der zu einem König (Christos) gehört“, wie es in Antiochia geschah.
In meiner Männerrunde geschieht es in Ansätzen.
Aber noch oft mit einem manchmal mürrischen Gesicht.
„Ich komme gar nicht mehr richtig vor in meinem Leben.“
Der Gehorsam zieht manchem die Mundwinkel runter.
Ja, das kann einen Moment so sein. Wenn der Gehorsam geprüft wird.
Denn Jesus sagt: „Vater, verherrliche Deinen Namen.“
Aber die volle Herrlichkeit erscheint in der Offenbarung der Glückseligkeit, wie sie z. B. die Seligpreisungen beschreiben.
Forsche!
Eifer nützt nichts, wenn er nicht recht geschieht.
Schnell ist der Eiferer auf einer falschen Spur – was ja oft der Grund ist, sich vor Eifer zu hüten.
Aber ohne Eifer geht es nicht – und ebensowenig ohne den Eifer in der Nähe zum Wort, zur „Gemeinschaft der Heiligen“, zum Vater.
Sonst verkommt Eifer schnell zur Lieblosigkeit und zur Überheblichkeit.
Zum Beispiel klar zu benennen, dass der Islam in jeder Form ein Irrweg ist, ist nur dem erlaubt, der den Moslem von Herzen liebt, wie der Vater es tut.
Jede Form von Klarheit setzt verantwortete Liebe voraus.
Und das ist in Lauheit nicht möglich.