Gebote bereiten

Mo 17.08.2026

Mt 19:16-22 – Der reiche Jüngling

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

16 Und siehe, einer trat herzu und sprach zu Ihm: „Lehrer, was Gutes soll ich tun, damit ich ewiges Leben habe?“

17 Er aber sprach zu ihm: „Was fragst du Mich nach dem Guten? Einer ist der Gute. Wenn du aber in das Leben hineingehen willst, halte die Gebote.“

18 Er spricht zu Ihm: „Welche?“ Jesus aber sprach: „Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsches Zeugnis geben.

19 Ehre deinen Vater und deine Mutter, und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

20 Der junge Mann spricht zu Ihm: „Dies alles habe ich bewahrt. Was fehlt mir noch?“

21 Jesus sprach zu ihm: „Wenn du vollkommen sein willst, geh hin, verkaufe deinen Besitz und gib den Armen, und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben; und komm, folge Mir nach.“

22 Als aber der junge Mann das Wort hörte, ging er betrübt weg; denn er hatte viele Besitztümer.

Judentum und Christentum

Jesus ist mein Gott.

Und Er sagt auf die Frage, was ich tun soll, um in das ewige Leben einzugehen: Halte die Gebote.

Ich höre im Christentum: Glaube an Jesus Christus.

Aber wie kann ich erwarten, ich erbe etwas Ewiges, wenn ich nur etwas Begrenztes hingeben will?

Der Jüngling fragt sogar: „Welche Gebote?“ Als ob er manche auslassen könnte.

Aber: Er antwortet auf Jesu Erwiderung, dass er unter anderem auch das Gebot der Nächstenliebe erfüllt habe – ein in gewisser Weise menschlich kaum erfüllbares Gebot.

Beobachtungen

Christen behaupten schnell, sie hätten ihr Leben Jesus gegeben.

Ist das so?

Darf Jesus zu mir sagen, was Er zu dem Jüngling gesagt hat?

Wenn es geschieht – werde ich es dann fröhlich tun?

Ich weiß von Christen, die alles verkauft haben.

Aber ein Christ, der z. B. ernste Kränkungen in Liebe empfängt – kenne ich so jemanden?

Noch eine andere Beobachtung:

Die Juden sind der Wurzelstock, in den ich eingepfropft bin.

Aber leben wir Christen nicht eher wie ein eigener Strauch, mit je eigenen Wurzeln?

In welcher Weise lebe ich von dem Saft, der aus der Wurzel Israel kommt?

Und weiter:

Jesu Worte klingen so anders als die von Paulus, die Evangelien klingen so anders als die typische Lehre der Kirche – ich staune.

Wie gehört das zusammen?

Hier ist z. B. sehr deutlich von „dem Guten“ die Rede. Von den Ordnungen und Geboten der Thora. Im Blick auf das ewige Leben! Nicht einfach als gute Regel für ein Zusammenleben in der Welt.

Und:

Der Jüngling fragt, obwohl er doch schon alles tut.

Er kommt vorbereitet zu Jesus.

Und zu unterstellen, er wolle sich rechtfertigen, ist in dem Text nicht belegt.

Aber er wollte mehr wissen, mehr tun, mehr eifern als bisher.

Das Tun des Guten hat ihn zu einem Hunger nach mehr geführt.

Zwischenbilanz

Ich weiß nicht, inwieweit ich „mein Leben Jesus gegeben habe“.

Ich will es – aber habe ich es?

Darum höre ich Jesu Worte an mich:

Tu erst mal die Gebote!

Nicht, dass ich denke, mit der Erfüllung der Gebote wäre ich gerettet.

Aber es ist eine Bereitung, überhaupt zu erkennen, was Jesus letztlich von mir will.

Weit mehr als die Gebote.

Aber das erfasse ich erst, nachdem ich mit Eifer getan habe, was die Thora sagt.

Was Jesus sagt.

Mit einem wachsenden Hunger nach mehr.

Sodass ich auf die Frage Jesu dann antworten werde: Ja, Herr.

Darum wende ich mich an die Juden, um zu lernen. Zu lernen, einen Hunger nach mehr zu suchen und zu fördern.

Und aus diesem Hunger heraus jedes Wort meines Herrn zu tun.

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