So 16.08.2026
Mt 15:21-28 – Die kanaanäische Frau
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
21 Und Jesus ging von dort weg und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
22 Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet kam heraus und schrie: „Erbarme Dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon schwer geplagt.“
23 Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten Seine Jünger herzu und baten Ihn: „Entlasse sie, denn sie schreit hinter uns her.“
24 Er aber antwortete und sprach: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“
25 Sie aber kam, fiel vor Ihm nieder und sprach: „Herr, hilf mir!“
26 Er aber antwortete und sprach: „Es ist nicht gut, das Brot der Kinder zu nehmen und es den Hündchen hinzuwerfen.“
27 Sie aber sprach: „Ja, Herr! Doch auch die Hündchen essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: „O Frau, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst.“ Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.
Geht es um Demut?
Das sehe ich weniger.
Manchmal erlebe ich eine produzierte Demut, die doch nur eine Glaubenseitelkeit ist. Die meint, Gott mit Demut beeindrucken zu können.
Das sehe ich hier nicht.
Ich sehe vor allem eine Liebe zu der Tochter, die alles übersteigt, was ich kenne.
Es ist überhaupt eine große Frau.
Dass sie die Thora kannte, habe ich schon am 05.08.2026 betrachtet.
Und dass sie ungeheuer viel in die Waagschale wirft, zeigt mir eine innere Stärke, einen starken Willen, eine große Entschlossenheit.
All das hat Verbindung zu ihrer großen Liebe zu ihrer Tochter.
Liebe ich etwas oder jemanden so sehr, dass ich so handeln würde?
Cool
Mein Enkel, der jetzt fünf Jahre alt ist, findet Lamborghini „cool“, wie er mir gestern sagte.
Der Sprachgebrauch des Wortes „cool“ kam in meiner Jugend nach Deutschland. Aber nicht nur als Ersatz von „toll“, „prima“ oder „klasse“. Es brachte auch eine innere Haltung mit sich.
Sich nicht beeindrucken zu lassen. Cool bleiben. Über allem zu stehen. Sich nichts zu nahe kommen zu lassen.
Aber wohl mehr: nicht verletzbar zu sein, souverän und geschützt zu sein.
Zugleich nahm der Versuch, passiv Gefühle zu empfangen, auch zu. Klubs, Mädchen, Drogen.
Sich für eine wertvolle Sache ganz einsetzen erinnerte an die Vätergeneration. Die hatte sich in der Hitlerjugend und später in der Wehrmacht ganz eingesetzt, alles gegeben – man sieht ja, was das gebracht hat. Auch die materiellen Aufbauleistungen nach dem Krieg haben meine Generation nicht mehr begeistern können.
Existenzielle Hingabe
Sie ist durch Missbrauch weitgehend korrumpiert worden. Und das ist nur ein Aspekt. Auch das Gefühl der Fremdbestimmung durch zu viele Emotionen spielt eine Rolle. Des Kontrollverlustes.
Ist Stoizismus nicht eine „coole“ Antwort?
Aber nun lerne ich von dieser Frau.
Was lerne ich von ihr?
Nicht das Gegenteil
Das Gegenteil von etwas Schlechtem ist nicht automatisch das Gute.
Der Schutz davor, sich nicht missbrauchen zu lassen, besteht nicht darin, gar nicht mehr brauchbar zu sein.
Sich nicht hingeben schützt zwar vor der Gefahr des Irrtums – mündet aber in einem bedeutungslosen, leeren Leben.
Cool zu bleiben schützt vor Verausgabung – macht aber, dass das Leben an mir vorbeizieht, ohne mich zu berühren.
Wie entkomme ich diesen beiden Fallen?
Worum geht es nun?
Es geht darum, sich an das Rechte zu binden.
Sich für das hinzugeben, das das Eigentliche in meinem Leben ist.
Die Qualität in der Quantität zu verbessern.
Biblisch gesagt: Das eine Ziel zu kennen und ganz zu wollen, um dessen willen es mich überhaupt gibt.
Im Sturm
Es ist zwar nicht das Einzige, es ist aber doch notwendig.
Ich muss es wagen, schon den Anker zu heben, wenn ich noch nicht alle Winde auf dem Meer kenne.
Wenn ich mich immer nur schone, werde ich kaum Korrektur und Orientierung finden. Und wenn ich liebe, werde ich Stürme erleben wie die kanaanäische Frau.
Du, Vater, sagst uns normalen Menschen nicht, wie es ausgeht, wenn wir dem gehorchen, was wir von Dir hören.
Und ich höre schlecht, ich höre ungenau. Denn viele andere Stimmen reden dazwischen.
Aber Deine Stimme erkenne ich daran, dass sie sich als am Ende wahr herausstellt.
Folge ich Deiner Stimme, wird der Sturm zunächst vielleicht wütender – dann aber wird der Wind und das Meer gehorchen.
Eine Stille, die Ausdruck des Friedens ist, eine köstliche Glückseligkeit, in der Berufung gehandelt zu haben, offenbart mir Deine Nähe.
Am Morgen will ich lauschen, am Tag entschieden und leidenschaftlich handeln – und am Abend Deine Korrektur empfangen.