Mo 24.08.2026 Hl. Bartholomäus
Joh 1:45-51 – Philippus und Nathanael
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: „Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazareth.“
46 Und Nathanael sprach zu ihm: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ Philippus spricht zu ihm: „Komm und sieh!“
47 Jesus sah Nathanael auf sich zukommen und spricht über ihn: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist.“
48 Nathanael spricht zu Ihm: „Woher kennst Du mich?“ Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah Ich dich.“
49 Nathanael antwortete Ihm: „Rabbi, Du bist der Sohn Gottes, Du bist der König Israels!“
50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Weil Ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“
51 Und Er spricht zu ihm: „Amen, amen, Ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes hinaufsteigen und herabsteigen auf den Sohn des Menschen.“
Grundlage dieser Andacht
Ich habe wieder einen Begleittext erstellt: Sehen vs Gründe.
Dieser Text klärt ein grundsätzliches Problem unserer Zeit. Die Unterscheidung zwischen Dingen, die selbst Grund und Ursache sind, und Dingen, die einen Grund oder eine Ursache haben.
Wahrheit wird nicht bewiesen, sie wird erkannt und ist dann ohne weiteres klar – ohne weitere Gründe.
Das ist den Menschen heute oft so fremd, dass sie schreien, wenn ich davon spreche.
Falls es jemand in einem Satz versteht:
„Ich denke, also bin ich“ ist so ein Sehen, das keinen weiteren Grund braucht.
Oder: „Es gibt etwas.“
Aber auch weitergehende Dinge fallen in diese Kategorie.
Grundlage ist auch die Beobachtung, dass in dem Abschnitt, in dem das Evangelium steht, das Wortfeld „sehen“ sehr oft im Zentrum steht.
Komm und sieh!
Direktes Sehen gehört zu diesen Wirklichkeiten, die ohne weitere Begründung da sind.
Und gerade das Erkennen einer Person ist das Zentrum dessen, was ich nur erkennen kann, wenn ich über „Gründe“ hinausgehe.
Aber es gibt einen Rahmen dazu:
Ich muss hingehen und mich selbst sehen lassen.
Nathanael ist ein „rechter Israelit“. Also ein Gottesstreiter. Er sucht nicht allein Wissen und Weisheit. Er will Gott erkennen und sich von Ihm erkennen lassen.
Das weiß ich, weil Gott nur so erkannt werden kann.
In meiner Andacht von gestern habe ich meine innere Wahrheit offen gelegt. Mein eigenes Mich-Zeigen.
Was glaube ich wirklich?
Was will ich glauben?
Am Ende kann ein Glaube mir – als Person – nicht genügen, die nicht selbst eine Person zum Gegenüber hat. Alles andere würde mich kleiner und damit unwahr machen.
In die Augen schauen
Suche ich eine Person zu erkennen, muss ich ihr in die Augen schauen – und ihren Blick in meine Augen zulassen.
Als ich vorhin über diesen Text nachdachte, kam die Frage: Ja, wie „komme“ ich denn?
Und da war das Wort „Hineni“: Siehe, hier bin ich. Das Wort, das Samuel zu Gott sprach, als Er ihn rief.
Und in dem Vollzug dieses Wortes, in dem ich mich vor das Antlitz Gottes stelle, wusste ich: Du siehst mich.
Du siehst mich ganz wie ich bin und wer ich bin.
Und darum bist Du mein Herr und mein Gott.
Darum ist das Wort von Gestern auch mehr als eine Schlussfolgerung.
Es ist das Erkannt-Werden indem ich mich erkennbar mache.
Das zwingt Gott nicht – aber es bereitet den Ort der Begegnung.
Und ich erlebe Dich als überaus freundlich, mein Gott.
Du siehst mich in allem – und verwirfst mich nicht.
So habe ich Dich vor 40 Jahren auch kennengelernt. Als den, der mich ansieht, und den ich ansehen darf und will.
Indem ich erkannt bin und dennoch nicht verbrenne, wie es recht wäre.
Bei mir etwas komplizierter als bei Descartes:
Ich bin erkannt, und erkenne meinen Schöpfer – also bin ich.
Ob Nathanael, als Jesus zu ihm sagte: „Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich“, vielleicht auch dieses (mit)hörte: „Ehe ich dich im Mutterschoß bildete, habe ich dich erkannt“? (weiter geht es: „und ehe du aus dem Mutterleib hervorkamst, habe ich dich geheiligt: zum Propheten für die Nationen habe ich dich eingesetzt.“ Jer 1,5)
LikeLike
Danke für Ihren Gedanken!
„Er will Gott erkennen und sich von Ihm erkennen lassen.“ Das sage ich nicht spekulativ,
sondern als Ausdruck meiner Überzeugung, dass man Gott sonst nicht erkennen kann. Er erkennt aber Gott.
Sonst weiß ich wenig, was Nathanael denkt.
Als Beter und kontemplativer Denker kann es durchaus naheliegend,
dass er das gedacht hat, was sie schreiben.
Und wir wissen, dass es so ist.
Herzlicher Gruß
LikeLike