Mi 26.08.2026
Mt 23:27-32 – Weherufe gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
27 „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von außen schön erscheinen, innen aber voll von Totengebeinen und aller Unreinheit sind.
28 So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll von Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmäler der Gerechten
30 und sagt: ‚Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, hätten wir uns nicht mit ihnen am Blut der Propheten schuldig gemacht.‘
31 So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, die die Propheten getötet haben.
32 Und ihr – macht das Maß eurer Väter voll!“
Was heißt „gesetzlos“?
In der Welt Jesu geht es regelmäßig um die Thora, wenn von „dem Gesetz“ die Rede ist. Die Thora ist besser mit „Weisung“ zu übersetzen.
Gestern war der Thoratext des Tages 5. Mo 16-19. Raschi (Rabbi Schlomo Jizchaki ) erklärt an einer Stelle, wo „Heute“ steht: „Jeden Tag sollen sie in deinen Augen neu sein, als wären sie dir an diesem Tag geboten worden.“
Heute gebietet Gott. Immer neu. Als wenn es das erste Mal wäre.
Eine Ordnung, eine Bibel, ein Thora zwischen zwei Buchdeckeln ist nicht gemeint. Sondern das Gewinnen des Herzens aus der Ansprache Gottes anhand der Thora, der Bibel.
Ich möchte heute ein Thema erneut aufgreifen, weil es sich fügt und es mir wichtig erscheint. Die Frage, inwiefern die, die den Propheten Denkmäler bauen, damit als Söhne der Prophetenmörder erkannt werden.
Eine Wurzel der Gesetzlosigkeit
Ich sage: Es ist recht oft die Vermutung, man hätte die Ordnung Gottes verstanden und würde sie befolgen. Besser befolgen als andere.
Das gilt nicht nur für die Schriftgelehrten und Pharisäer von damals, das gilt auch heute für mich und alle, die sich oder anderen etwas „predigen“ wollen.
Wer glaubt, besser zu sein als die Schriftgelehrten und Pharisäer, erweist sich genau darin als „Sohn der Mörder“.
Das Wort „Gesetzlosigkeit“ führt dabei ein wenig in die Irre. Es geht um Weisungslosigkeit. Weisungen korrigieren mich in dem Moment, in dem die genannt werden: heute.
„An diesem Tag gebietet dir der HERR, dein Gott, diese Satzungen und Rechtsbestimmungen zu tun …“ (5. Mo 26,16).
Das sagt Mose nicht zum ersten Mal. Das 5. Buch Mose greift Dinge auf, die an anderer Stelle gegeben wurden. Der Gott Kronos würde sagen: „Das war gestern.“ Der Kairos aber gibt einen kleinen Raum, heute umzukehren.
Wäre ich ein Nazi gewesen?
Oder ein Kommunist? Oder ein lauer Wegschauer? Oder ein Beamter, der „nur seinen Job macht“?
Ja, ich denke ja. Irgendetwas davon oder sonst etwas Böses. Wenn der Rahmen, die Geschichte, die Situation auch für mich so gewesen wäre.
Für unseren Israelstand habe ich vor Kurzem einen kleinen Text formuliert, der mich hörend machen soll: Verstehen und Urteilen
Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen
Wenn ich glaube, es besser zu wissen, und darum anderen das Gute in der Weise bringe, wie es alle Ideologen tun. Kommunisten oder Islamisten, Kommentatoren und Antikommentatoren.
Das ist die eine Seite.
Aber ebenso:
Wenn ich aus Sorge und Angst genau davor nichts sage. Jeden „nach seiner Fasson selig werden lasse“.
Wenn ich das Böse sehe, das Unglück – und mich heraushalte.
Ein Wegschauer ist nicht besser als der Täter.
Darum:
Ich habe es nicht, ich will es mir täglich weisen lassen. Und mich täglich demütigen vor der Wahrheit Gottes, wie sie zumeist in der Thora, den Evangelien, dem Wort der Weisen schon entfaltet ist.
Dann aber weiß ich: Wenn Du Dich nicht meiner Torheit täglich erbarmst, werde ich es so verstehen, wie es mir gefällt. Dein Wort nach meinem Geschmack, meiner Theologie, meiner Herzenswelt knechten.
Frucht
An der Frucht wird es erkennbar werden. Gehöre ich ganz nach unten, dort, wo Jesus ist? Knecht des Wortes und Knecht der Menschen?
Die Ordnung richtet nicht mein Werk – aber mein Herz.
Weil Weisung Beziehung ist, Annahme, Liebe.
Und aus dem Herzen erwächst die Frucht.
Die Beschneidung des Herzens (durch die Weisung) ist notwendig, aber nicht Inhalt der Beziehung zu Gott.