Brauchbarer Knecht?

Do, 27.08.2026 – Hl. Monika

Mt 24:42-51 – Vom wachsamen Hausherrn und vom treuen Knecht

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

42 Darum wacht! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

43 Das aber erkennt: Wenn der Hausherr gewusst hätte, in welcher Nachtwache der Dieb kommt, hätte er gewacht und nicht zugelassen, dass in sein Haus eingebrochen wird.

44 Darum seid auch ihr bereit! Denn zu einer Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.

45 Wer ist also der treue und verständige Knecht, den der Herr über sein Hausgesinde eingesetzt hat, ihnen die Nahrung zur rechten Zeit zu geben?

46 Selig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, so handelnd finden wird.

47 Amen, ich sage euch: Über seinen ganzen Besitz wird er ihn einsetzen.

48 Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: „Mein Herr lässt auf sich warten“,

49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen und mit den Betrunkenen zu essen und zu trinken,

50 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt,

51 und er wird ihn entzweischneiden und ihm seinen Anteil bei den Heuchlern geben. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Einbettung

Der Text gehört zu Jesu Reden über die Endzeit. Vorher war vom Ende des Tempels, den Wehen und der großen Bedrängnis die Rede. Direkt zuvor geht es noch ausführlicher über die Wachsamkeit. Danach geht es um die klugen und törichten Jungfrauen.

Wo stehe ich?

Wenn ein Dieb kommen und mir alles nehmen würde, was ich habe, sodass nur noch ich selbst übrig bliebe: Wer wäre ich dann? Was würde da übrig bleiben? Wer bin ich selbst?

Oder wenn es sogleich an der Tür klingeln würde und ich runtergehen würde und der Engel des Herrn dort stehen würde und mich mitnehmen wollen würde: Wie bereit wäre ich dazu? Würde ich mich umdrehen? Einen Einwand formulieren? Um etwas Aufschub bitten?

Leiterschaft

Am Samstag sprach ich darüber, wie Lehrer-Sein geht.
Hier teilt der Knecht den anderen Essen aus. Das kann manches sein, aber mir scheint, es ist auch geistliche Leiterschaft.

Wenn ich um Rat gefragt werde oder um Hilfe, was in letzter Zeit öfter passiert, wie verantwortlich, gern und gewissenhaft teile ich aus, was die Menschen nährt? Schiele ich nicht immer noch auf meine eigene freie Zeit und auch auf Unterhaltung, die vor einem heiligen Engel wohl nicht bestehen könnte?

Von der Tat zum Wesen

Ich tue Gutes, aber bin ich gut? Hat die Gnade Jesu mich zu dem gemacht, was sie aus mir machen wollte? Zu jemandem, der das Gesetz nicht mehr „braucht“, weil er erlöst ist oder über ihm steht, sondern weil er es sowieso von ganzem Herzen jederzeit erfüllt. Nicht zu 100 %, sondern zu 103 %.

Oder bin ich nicht eher jemand, zu dem nur die 80 % passen? Aber ich weiß doch, dass du mir die Gabe gegeben hast, die Gabe 103 % hören zu wollen.
Denn die Aufgabe des Knechtes ist, der zu sein, der er von deiner Schöpfung her wirklich ist. Nach seiner je eigenen Begabung und nicht einfach die Erledigung eines Jobs.

103 %

Ich proklamiere eine 103-%-Regel, die aussagt, dass über alles hinaus, was ich von mir selbst weiß und kenne und glaube, eine Offenheit möglich ist für etwas, was über 100 % hinausgeht. 103 % setzt die eigenen 100 % voraus, bleibt dabei aber nicht stehen, sondern glaubt, dass in der Begegnung mit dem anderen, mit Gott, Dinge geschehen können und sollen, die darüber hinausgehen.

Schon im Blick auf den eigenen Willen sagt die 103-%-Regel, dass ich die Grenzen meines Willens gar nicht kenne. Wenn der HSV mit 100 % seiner Leistung spielt, sind die Fans, zum Beispiel mein Sohn, enttäuscht. Jeder kennt in seinem Herzen die 103-%-Regel.

Das Thema ist deutlich umfangreicher, als ich es in einer kurzen Andacht formulieren kann. Gestern habe ich mich mit der jüdischen Jugendorganisation בְּנֵי עֲקִיבָא (Bnei Akiva) beschäftigt. Ich las von ihr in dem Buch von Ron Leshem über den vorletzten Libanonkrieg auf der Festung Beaufort. Darin auch: die Bedeutung des Prinzips für die Geschichte und das „Herz eines Volkes“.

Müde und Antriebslos

Dies ist das Profilbild meiner Tochter. Für die Hörer: Es handelt von der Komfortzone und einem Pfeil in eine andere Welt, auf der steht: „Where the magic happens.“

Ich vermute, jeder weiß, wovon die Rede ist.

Aber es kommt darauf an, dass diese Magie nicht irgendwo ist, sondern sie ist an dem Ort der Ansprache, der Berufung Gottes.

Sie zu erreichen, erfordert kaum Kraft, sondern Entschlossenheit und Mut.

Aber Vorsicht: Ein eigenmächtiges Losstürmen kann schnell ins Niemandsland führen, in einen Ort ohne Berufung, der sich häufig im Burn-out ausdrückt.

Herr, öffne meine Augen für die Herrlichkeit, die es bedeutet, an der Hand deines Engels durch mein Leben zu gehen.

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