Keine billige Auslegung

Fr 28.08.2026

Mt 25:1-13 – Von den zehn Jungfrauen

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

1 Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen.

2 Fünf von ihnen aber waren töricht und fünf klug.

3 Denn die törichten nahmen ihre Lampen, nahmen aber kein Öl mit sich.

4 Die klugen aber nahmen Öl in den Gefäßen mit ihren Lampen.

5 Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

6 Mitten in der Nacht aber erscholl ein Ruf: „Siehe, der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen!“

7 Da standen alle jene Jungfrauen auf und richteten ihre Lampen her.

8 Die törichten aber sagten zu den klugen: „Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen erlöschen.“

9 Die klugen aber antworteten und sagten: „Es reicht gewiss nicht für uns und euch. Geht vielmehr zu den Händlern und kauft für euch selbst.“

10 Während sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.

11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: „Herr, Herr, öffne uns!“

12 Er aber antwortete und sprach: „Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“

13 Wacht also, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.

Große Geschichte

Dieses Gleichnis von den zehn Jungfrauen gehört zu den Endzeitreden und zu den letzten drei Reden Jesu überhaupt.

Ich habe über diesen Text oft geschrieben. Am 30.08.2024 (Verbrannte Liebe), 01.09.2023 (Schnelle Antworten) und 12.11.2023 (Heiliger Geist in Krügen II).

Mir scheint es das vielleicht härteste Gleichnis Jesu zu sein. Es ist schwer, sich ganz darauf einzulassen, aber ich will es tun.

Mitternacht

Gerade auch bei Matthäus ist es wichtig, die hebräischen Assoziationen einzubeziehen. Hier geht es mir um Exodus 12,29.

„Und zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron saß, bis zum ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis, und alle Erstgeburt des Viehs.“

Mitternacht ist die Zeit, in der die Nacht geteilt wird; in Exodus 12,29 heißt es בַּחֲצִי הַלַּיְלָה, wörtlich: ‚in der Mitte der Nacht‘.

Genauso wie die Anzahl der Jungfrauen in der Mitte geteilt wird.

Mir scheint, es geht dabei weniger um das mathematische Maß „ein Halb“, sondern vielmehr um die Klarheit der Teilung selbst.

Anders als bei uns ist Mitternacht nicht der Wechsel von einem Tag zum anderen, sondern ein Ort der völligen Dunkelheit und, ähnlich wie die Wüste, auch ein Ort der Verlassenheit. Was jetzt nicht ist, wird auch nicht mehr.

Wozu gehöre ich?

Manche Ausleger legen es so aus, dass sie selbst und ihre Gruppe zu denen mit genügend Öl gehören. Das Öl wird dann oft als Symbol des Heiligen Geistes gedeutet.

Mir scheint, die Botschaft dieses Gleichnisses hat einen anderen Schwerpunkt. Es geht darum, die Wiederkunft Jesu, die Ehre Jesu und die Ernsthaftigkeit des Lebens als Knecht wichtiger zu nehmen, als ich es jetzt tue.

„Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“

Das sagt der Herr zu Menschen, die von sich meinen, Ihn zu kennen, Ihm zu dienen, Ihm als Jungfrau entgegenzugehen.

Die große Trübsal

Die Einleitung der Endzeitreden ist die Rede von den großen Wehen und großer Bedrängnis. In der Mitte stehen die zehn Jungfrauen, und am Ende steht das Weltgericht.

Das alles strahlt die gleiche Botschaft aus:

Es ist nicht so billig, wie du denkst.

Für niemanden, auch für mich nicht und für dich nicht.

Es geht nicht darum, den einen Trick zu kennen, der alles in Ordnung bringt. Sei es die Zugehörigkeit zur richtigen Kirche, sei es die Taufe im Heiligen Geist, sei es die Formulierung einer Behauptung einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus.

Es reicht nicht für beide

Das ist ein schwerer Satz in dem Text. Eine mögliche Deutung ist: Es geht weder um dich noch um mich, sondern es geht darum, dass dem Bräutigam das Licht entgegengebracht wird.

Wer immer nur darüber nachdenkt, wie und ob er gerettet wird, verliert schnell die Ehre des Bräutigams aus dem Blick.

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