Klarheit

Fr 04.09.2026

Lk 5:33-39 – Vom Fasten

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

33 Sie aber sprachen zu Ihm: „Die Jünger des Johannes fasten häufig und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die Deinen aber essen und trinken.“

34 Jesus aber sprach zu ihnen: „Könnt ihr etwa die Hochzeitsgäste zum Fasten bringen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?

35 Es werden aber Tage kommen, und wenn der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, dann werden sie fasten in jenen Tagen.“

36 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: „Niemand reißt einen Flicken von einem neuen Gewand und setzt ihn auf ein altes Gewand; sonst wird er sowohl das neue zerreißen, als auch der Flicken vom neuen nicht zum alten passen.

37 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, und er selbst wird verschüttet werden, und die Schläuche werden zugrunde gehen.

38 Sondern neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen.

39 Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: ‚Der alte ist gut.‘“

Wachen und Fasten

Da ich Vers 35 nicht sicher verstehe, also nicht wirklich weiß, was es heißt, ob der Bräutigam da ist oder nicht, spreche ich zunächst um diesen Vers herum.
Aber zugleich ist mir dieser Vers schon Mittel zur Antwort.

Das Fasten gehört in die Kategorie der Dringlichkeit, des Wachens, des Betens. Und das ist etwas, was ein Maß braucht und eine Klarheit.

Wenn ich nicht klar weiß, dass dies oder das jetzt dran ist, werde ich es schwer haben, mit Entschlossenheit zu handeln.

So führt mich die Unklarheit über Vers 35 dazu, dass mein Thema das Gewinnen von Klarheit ist.

Kein neues Thema

Eine Sprache lerne ich am besten, indem ich auf das, was ich gehört habe, reagiere und handle. Die Konsequenz oder der Erfolg zeigt mir dann, ob ich es richtig verstanden habe. Ich lerne dann am meisten, wenn ich es nicht ganz richtig verstanden habe, es am Ergebnis merke und daraufhin korrigiere. Um es aber sicher verfügbar zu haben, muss ich diesen Prozess häufig wiederholen.

Aber es geht über diese bekannten Mechanismen hinaus.

Es geht darum, das Vertrauen dessen zu gewinnen, von dem ich Klarheit für die nächsten Schritte erwarte. Gott vertraut mir kleine Dinge an und betrachtet mich in meinem Umgang damit.

Demut

Demut wird für Menschen unterschiedlich sein. Die Demut achtet darauf, was für den anderen gut ist, für den anderen groß und schön ist, und nicht darauf, was für mich gut, groß und schön ist.

Ich weiß, Vater, für Dich ist es schön, wenn ich das, was ich von Dir her verstehe, gleich, ganz und gern tue.

בִּזְרִיזוּת — בְּכָל־הַלֵּב — בְּשִׂמְחָה

Gleich, unverzüglich – mit ganzem Herzen – mit Freude (glückselig). Meine Begabung liegt woanders, und ich erkenne, dass Du daran meine Liebe zu Dir prüfst. Dass ich nicht immer mehr von dem tue, was ich sowieso schon kann, sondern immer mehr von dem tue, was ich höre und was nach meinem Empfinden so klein ist.

Meine Innovationskraft ist beträchtlich, fast schon maßlos. Aber meine oft geringe Sorgfalt, meine Eile, meine Unruhe zu Neuem hin beeinträchtigen die Frucht sehr.

Du forderst mich nicht zum grandiosen Fasten und nächtlichen Beten auf, bevor ich nicht nachhaltig und dauerhaft die Küche aufräume.

Ich kann eher 103 % (siehe: Brauchbarer Knecht?) als 95 %. Die Küche kann man nicht zu 103 % aufräumen, noch nicht einmal zu 100 %. Sondern es gibt ein Maß der Demut, das vielleicht bei 90 % oder gar nur bei 85 % liegt.

Es ist wie ein langes Training als Vorbereitung auf den einen Tag, an dem 103 % nötig werden – vermutlich in einem ganz anderen Bereich.

Die Netze waschen

Simon hat die ganze Nacht gefischt, was seine normale tägliche Arbeit war. Aber statt Fischen hat er nur Dreck aus seinen Netzen geholt. Pflanzenreste und Algen, Schlamm und Sand, unerwünschter Beifang, organische Reste. Das hat eine schon fast amüsante Ähnlichkeit mit dem Aufräumen der Küche.

Aber mitten in dieser Arbeit erschien Jesus Christus an seinem Ort. Sucht sein Boot aus und bittet um einen kleinen Dienst. Nichts Besonderes, nichts Großartiges, keine 103 %. Die werden erst später auf ihn warten.

Du, Herr, tust den Schatz Deiner himmlischen Werke in das irdene Gefäß unserer kleinen Werke, unserer Sorgfalt, unserer Treue, unserer Demut.

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