Sa 05.09.2026
Lk 6:1-5 – Ährenraufen am Sabbat
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Es geschah aber an einem Sabbat, dass Er durch die Kornfelder ging, und Seine Jünger rauften Ähren aus und aßen sie, indem sie sie mit den Händen zerrieben.
2 Einige aber von den Pharisäern sprachen: „Warum tut ihr, was am Sabbat nicht erlaubt ist?“
3 Und Jesus antwortete ihnen: „Habt ihr auch das nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte?
4 Wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm waren – die doch niemand essen darf außer allein den Priestern?“
5 Und Er sprach zu ihnen: „Der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats.“
Die Priester von Nob
Im 1. Samuel 21 wird beschrieben, wie David auf der Flucht vor Saul zum Priester Ahimelech kommt, diesem Priester von Nob. Er bittet um Brot für sich und seine Gefährten. Der Priester sagt, es gebe nur die heiligen Schaubrote, fünf an der Zahl. Der Priester nennt als Bedingung die Reinheit der Männer.
Der Edomiter Doëg ist Zeuge des Geschehens und verrät es später an Saul. Saul lässt 85 Priester töten und vernichtet die Stadt Nob.
Ich glaube, es lohnt sich, diese Geschichte länger zu bedenken, denn der Bezug Jesu zu diesem Geschehen ist nicht Zufall, sondern hat eine tiefere Bedeutung, als ich selbst zunächst angenommen hatte.
Ahimelech handelt verantwortungsbewusst mit dem heiligen Brot. Und er tut in einer tieferen Weise das, wozu es bestimmt ist – und: Er tut in einer tiefen Weise das, wozu er selbst bestimmt ist. Und es kostet ihn sein Leben.
Herr des Sabbats
Die KI sagt mir, die sehr genaue Übersetzung von Vers 5 lautet:
„Und er sagte zu ihnen: ‚Herr des Sabbats ist der Sohn des Menschen.‘“
Jesus folgt immer Seinem eigenen Bild vom Herrscher. Der Herrscher ist der erste Diener dessen, worin er herrscht.
Jesus herrscht also nicht über den Sabbat, indem er wählt, wann und wie viel er ihn befolgen will. Sondern im Gegenteil: Indem er ihn in seinem eigentlichen Sinn zu dem führt, wozu er eigentlich da ist.
Da mir heute der Tod des Priesters von Nob so nahe gekommen ist, spreche ich heute mehr darüber als über den Sabbat selbst.
Mir scheint: Hätte Ahimelech David die Brote nicht gegeben, hätte er vielleicht sein Leben gerettet, aber seine Berufung verloren – und damit den Sinn seines Lebens.
Verantwortung für eine Sache zu haben, bedeutet nicht nur, dieser Sache zu dienen, zum Beispiel einer Gruppe von Menschen. Sondern es bedeutet, diese Gruppe von Menschen zu dem zu führen, wozu sie eigentlich da sind, und das sind wiederum nicht sie selbst, sondern ihre Rolle, ihr „Opfer“ in der Welt.
Sich verzehren lassen
„Das Brot aber, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh 6,51).
An diesen Satz hat mich die Geschichte vom Brot – und von den zerriebenen Körnern in den Händen der Jünger – erinnert.
Es gibt eine tiefe Verbindung des Priesters von Nob mit dem Ährenraufen der Jünger, dem Kreuz Jesu und schließlich der Eucharistie.
Und ich breche es herunter auf mein ganz alltägliches Leben.
Ich kann in diesem Sinne Zeit geben, Kraft geben, schmerzhafte Anteilnahme geben. Ja, ich kann mein Leben verschwenden, um es in die Erfüllung zu bringen.
Und in dem Beispiel von gestern: Die Küche aufzuräumen, schafft nicht nur eine ordentliche Küche. Es schafft ein bereitetes Herz. Ein Herz, das besser in der Lage ist, anderen Menschen seelsorgerlich zu dienen als zuvor.
