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So 04.10.2026

Matthäus 21:33-44 – Von den bösen Weingärtnern

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun um ihn setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.

34 Als aber die Zeit der Früchte nahe kam, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen.

35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte; den einen schlugen sie, den anderen töteten sie, den anderen steinigten sie.

36 Wieder sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso.

37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.

38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sagten sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen!

39 Und sie nahmen ihn und warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und töteten ihn.

40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er mit jenen Weingärtnern tun?

41 Sie sagen zu ihm: Die Bösen wird er böse zugrunde richten, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte zu ihren Zeiten abgeben werden.

42 Jesus sagt zu ihnen: Habt ihr niemals in den Schriften gelesen: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen.“

43 Deshalb sage Ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte hervorbringt.

44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.

Bei der heutigen Betrachtung ist mein eigenes Werden in der Begegnung mit dem Text gut erkennbar. Es ist keine Ausarbeitung, sondern ein fragender Weg.

Gericht oder Verwerfung

Gott lässt Seine Schöpfung nicht, und er lässt Sein Volk nicht. Gott ist nicht ein Mensch, dass Ihn etwas gereuen könnte. Biblische Geschichten sollen uns Gott näherbringen. Sie stehen aber nicht gegen die Wahrheit Gottes.

Wenn Gott ein Gericht spricht, gerade über Sein Volk Israel, dann ist es immer mit der Intention eines Zurechtbringens. Gerade nach der Offenbarung der Gerechtigkeit, die durch Christus in die Welt gekommen ist. Gott muss Sein Volk nicht strafen, um der Gerechtigkeit willen.

Allerdings gebietet die Würde des Menschen, dass sein Handeln Konsequenzen hat. Der Mensch ist nicht ein weiteres Tier im Garten Gottes, sondern er hat eine bestimmte Aufgabe und Verantwortung, die ihm durch nichts abgenommen wird.

Israel

Israel ist ein auserwähltes Volk, ein Volk, das man als das erste Volk Gottes bezeichnen kann. Es ist ein berufenes Volk.

Seine Berufung ist es, die Herrlichkeit Gottes auf Erden zu offenbaren. Zum einen die Herrlichkeit des Gottes, der ein Volk aus der Sklaverei rettet, ohne dass dieses Volk dazu etwas beigetragen hätte.

Aber ebenso die Herrlichkeit, als Volk Gottes zu leben und zu offenbaren, dass eine Ganzhingabe an Gott Herrlichkeit bedeutet und nicht einfach ein reduziertes, frommes Leben ist.

Als dritte Herrlichkeit sehe ich die Offenbarung, dass ein in sich richtiges Leben viel weniger ist als ein Leben in Beziehung zum Schöpfer.

Nach den Ordnungen Gottes richtig zu leben, ist gut, aber unvergleichlich viel mehr ist es, in Beziehung zu dem ordnenden Vater zu leben.

Christen

Welches ist denn die Ernte, die der Weingärtner von den Winzern haben möchte?

Lehnen wir Christen uns nicht zu schnell zurück und sagen, es ginge eigentlich nur um das Anerkenntnis, dass יֵשׁוּעַ (Jesus) Gottes Sohn ist, der Messias?

„Sie sind verworfen, weil sie Jesus nicht anerkennen, und wir sind an ihrer statt, weil wir Jesus anerkennen.“

Ist es so?

Ich sage: Die Saat – das Wort – anzunehmen und einen Keim zu treiben, einen sichtbaren Keim, ist Voraussetzung für eine Frucht, aber es ist noch keine Frucht.

Frucht ist vor allem das, was am Ende weggegeben wird, nicht das, was ich behalte.

Richter

Bin ich schon jemand, der Frucht bringt, nur weil ich mich zum Richter über den mache, der unter Gottes Prüfung leidet?

Ich nenne ein anderes Beispiel, das in unserer Gemeinde gerade aktuell ist:

Bin ich ein guter Christ, weil ich die Sünde des anderen, unter der ich selbst nicht leide, als Sünde benenne?

Nein.

Aber ich bin auch nicht nur deshalb besser, weil ich dann das Ziel selbst, nämlich die Heiligung des Leibes, generell für unerreichbar erkläre.

Manche der geistlichen Führer in Israel haben zur Zeit Jesu sich selbst für so gut erachtet, dass sie zu Richtern über andere wurden. Gott offenbart die Konsequenz daraus.

Wenn wir nun so ein schmerzhaftes Beispiel sehen, ist es nicht eine größere Torheit, wenn wir uns nun zum Richter aufschwingen, zum Richter bei Israel oder zum Richter über den Sünder?

Beispiel

Ich bin in manchem ein besserer Mensch geworden, weil ich meiner Frau in diesen Dingen nacheifere. Ihre Dienstbereitschaft, ihre Liebe, ihre Treue ragt weit über das hinaus, was ich zu bieten habe. Darum eifere ich ihr nach in diesen Dingen.

Wenn nun jemand an mir diese Eigenschaften sieht, kann ich sagen: Ja, ich bin ja auch der Ehemann dieser Frau. Du kannst also meine Frau an meinen Werken erkennen.

Es könnte sein, dass manche mich gar nicht beim Namen kennen, sondern einfach nur sagen: Ah, der Mann von Hannelore.

Und so soll es mit dem Namen Christ sein: Wenn die Menschen meinen Namen nicht kennen, so erkennen sie doch Christus an mir und nennen mich „den Christen“, noch bevor sie meinen Namen wissen.

Halm

Aber die Menschen wissen nicht, wer Christus ist.

Zu Jesu Zeit konnten die Menschen an dem Volk Israel erkennen, dass sie die Männer des Bundes sind, der תּוֹרָה Tora, des einen Gottes.

Mir scheint, Israel hatte eine gewisse Reife. Ein Halm war zu sehen, aber noch kaum Frucht.

Die geistlichen Führer des Volkes haben sich mehr Gott zu Diensten gemacht, als dass sie selbst Diener Gottes waren.

Und ist es nicht vielfach genauso bei uns?

Viele Christen fragen danach, was Gott für sie tun kann, und danken Gott für das, was Er für sie getan hat.

Das ist nicht falsch.

Aber ist das die Frucht, die Jesus an dem Feigenbaum gesucht hat?

Ich bin gemeint

Darum will ich das Gleichnis, das Jesus hier auf die geistlichen Führer Israels anwendet, auch auf mich anwenden. Denn das Kopfschütteln über andere, sei es über Israel oder andere Sünder, ist Ausdruck von verstopften Ohren. Deine Mahnungen an Israel gelten mir, und wenn ich gefallen bin, bin ich an der gleichen Stelle wie die anderen, die gestolpert sind.

Herr, erbarme Dich und führe uns gemeinsam in die Fruchtbarkeit.

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