Sa 10.10.2026 🇮🇱 Israelstand
Lukas 11:27-28 – Seligpreisung
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
27 Es geschah aber, während Er dies sagte, dass eine Frau aus der Menge ihre Stimme erhob und zu Ihm sagte: Selig der Leib, der Dich getragen hat, und die Brüste, an denen Du getrunken hast!
28 Er aber sagte: Ja vielmehr: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.
Sie hat recht
Die Frau aus der Menge hat recht.
In Israel hatte sich Gott dem Volk am Horeb offenbart, und Gott hatte sich einzelnen Propheten offenbart. Ich erinnere die Berufungsgeschichte von Jesaja im Kap 6. In Vers vier heißt es: „Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch.“ Und Jesaja ruft: „Weh mir, ich vergehe.“
Israel weiß: Gott zu begegnen, ist für Menschen unerträglich.
Aber Gott findet einen Weg, das Unmögliche möglich zu machen. Und Er tut es auf die intimste und naheste Weise, die überhaupt vorstellbar ist. Selbst es auszusprechen, fällt mir schwer. Die Nähe einer Mutter zu ihrem ungeborenen Kind und dann zu ihrem Säugling ist vielleicht das Tiefste, das Persönlichste, was ein Mensch erleben kann.
Maria hat genau das erlebt – mit Dem, von Dem wir wissen, dass Er Gott ist.
Und Jesus überbietet es noch
Die Seligkeit einer Mutterbeziehung zum Sohn Gottes ist tatsächlich noch überbietbar. Wenn es da nicht stehen würde, könnte ich es mir nicht vorstellen.
Und es kommt alles in Maria zusammen. Sie hat getan, wovon Jesus redet: Sie hat das Wort gehört, geglaubt, bewahrt, vollzogen.
Eine Spannung
In den Worten Jesu in Vers 28 steckt eine Spannung, die nicht vollkommen klar zu entfalten ist. Das Wort „vielmehr“ kann eine Überbietung des Vorherigen sein. Es kann aber auch eine Alleinstellung sein. Ich meine es in dem Sinne, dass das Hören und Bewahren des Wortes Gottes für sich allein mehr ist als das, was die Mutter mit dem Sohn erlebt hat.
Mir scheint, diese beiden Aspekte sind jeweils gültig.
Aber der zweite Aspekt öffnet mir und jedem Menschen eine Tür, die ich als Tür der Maria bezeichnen möchte.
Maria ist durch die Tür der Mutterschaft hindurchgegangen, bis in die Einsamkeit des Wortes. Die Nähe, die sie als Mutter hatte, wurde ihr entrissen.
Ein Schlüssel
Bei der Darstellung Jesu im Tempel sagte der Prophet Simeon, dass Maria ein Schwert durch ihr Seele dringen wird.
In der Erzählung des zwölfjährigen Jesus im Tempel wird gegen Ende berichtet, dass Maria alle diese Worte, die Jesus gesagt hat, in ihrem Herzen behalten hat. Sie hat sie damals nicht verstanden, aber doch bewahrt, behütet und gepflegt.
Jesus redete zunächst vom Hören, לִשְׁמֹעַ (lischmoa), und dann vom Bewahren, לִשְׁמֹר Lischmor.
Das Bewahren meint auch hüten, bewachen und schützen. Es ist genau das, was Kain für seinen Bruder Abel von sich gewiesen hat. Und darin scheint mir etwas zu stecken: Das Bewahren ist zwar auch das Vollziehen, aber es hat zudem das nicht nur für mich und für heute Gültige in sich. Ein Vorbereitetsein, genauer: ein Bereitsein, das noch vor dem Verstehen kommt, vor dem Erleben kommt und vor dem Vollzug kommt. Es ist ein zu bewahrendes Geheimnis, das zu seiner Zeit von Gott her geöffnet werden wird.
Dunkle Nacht
Im Leben eines Christen soll der Glaube geprüft werden. Das ist mehr als das Prüfen der Handlungen und das Bewähren im Vollzug des Lebens.
Es kommt der Tag, es kommt die Zeit, in der alles Verstehen endet. Alle Gefühle stehen gegen mich, und eine dunkle Nacht umhüllt mein Herz. Alles scheint dann gegen die Wirklichkeit Gottes zu sprechen. Mein gefühlter Glaube wird zur Lächerlichkeit. Gott verbirgt sich.
In dieser Erschütterung wird sich erweisen, ob das gehörte Wort Bestand hat.
Ich denke, jeder Christ erlebt hin und wieder ein paar Tropfen dieser bitteren Medizin.
Wer gewürdigt werden wird, den Kelch bis zur Neige zu trinken, entscheidet allein Gott. Im Gedächtnis sind die Geschichten des Erfolges, wie bei Abraham und Isaak, Hiob, oder wie bei Maria unter dem Kreuz. Wir haben diese Vorbilder und sind getröstet.
Ich suche diese dunkle Nacht nicht. Aber ich suche Dich, Vater.
Ich möchte lernen, darauf zu vertrauen, dass eine Annahme des Weges immer eine Annahme an der Hand Gottes bleibt.
An mir ist es jedoch, das Wort zu hüten wie meinen Bruder und meinen Bruder zu hüten wie das Wort.