So 11.10.2026 🇮🇱 → Berlin
Matthäus 22:1-14 – Die königliche Hochzeit
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Und Jesus antwortete und sprach wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte:
2 Das Königreich der Himmel wurde einem menschlichen König gleichgesetzt, der seinem Sohn eine Hochzeit bereitete.
3 Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen.
4 Wieder sandte er andere Knechte aus und sagte: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Stiere und die gemästeten Tiere sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5 Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen eigenen Acker, der andere zu seinem Handel.
6 Die Übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie.
7 Da wurde der König zornig, sandte seine Heere aus, vernichtete jene Mörder und setzte ihre Stadt in Brand.
8 Dann sagte er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig.
9 Geht deshalb hinaus an die Ausgänge der Straßen und ruft zur Hochzeit, so viele ihr findet.
10 Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straßen und versammelten alle, die sie fanden, Böse und Gute. Und der Hochzeitssaal füllte sich mit denen, die zu Tisch lagen.
11 Als aber der König hineinkam, um die zu Tisch Liegenden anzusehen, sah er dort einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand angezogen hatte.
12 Und er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, ohne ein Hochzeitsgewand zu haben? Er aber verstummte.
13 Da sagte der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis. Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
14 Denn viele sind Gerufene, wenige aber Auserwählte.
Die dritte Perspektive
Die erste Perspektive ist die des Betrachters, der das Gleichnis liest und an die Juden denkt und deren weitgehende Nichtannahme Jesu. Es ist die Perspektive dessen, der mit dem Kopf schüttelt und schulterzuckend weggeht.
Die zweite Perspektive ist die, die ich oft einnehme: Wenn schon Israel das harte Worte erfährt, wer sagt mir, dass ich nicht selbst in dieser Rolle bin? Die Geschichte wird um der Kirche willen geschrieben, weniger um Israels willen.
Zu glauben, man wäre der Sehende und jemand anderes wäre blind, ist der unsicherste Ort der Welt.
Die dritte Perspektive scheint mir die Perspektive Jesu zu sein: Er schaut auf den Hohenpriester, die Schriftgelehrten, überhaupt auf die Eingeladenen. Und er tut das mit großem Schmerz.
Er weiß, dass sie Ihn ablehnen werden, und kommt dennoch zu ihnen. Er tritt in das Feuer des Gerichts ein, Er schüttelt nicht mit dem Kopf oder zuckt mit den Schultern. So nimmt Er die Schuld auf sich, weil Er sie in allem dennoch liebt.
Beispiel
Wenn meine Frau vor unserer Hochzeit gewusst hätte, wie viel Leid und Trübsal ich ihr in den ersten Jahren unserer Ehe zufüge, hätte sie mich dann geheiratet?
Jesus wusste, was ihm Sein Volk antun würde. Er kannte das Leid und ist trotzdem hingegangen. Und das gilt nicht nur für Israel, das gilt überhaupt für die Menschheit.
Ich weiß aus Familien, dass behinderte Kinder, die den Eltern vielleicht viel Mühe und Sorgen machen, gerade diejenigen sind, die besonders geliebt werden.
Jesus erzählt den Pharisäern und Schriftgelehrten dieses Gleichnis nicht, um zu erklären, warum Er sich nun abwenden werde – sondern weil die Liebe niemals aufhört.
Sie bindet sich nicht an Prognosen oder an die Erkenntnis, dass es ihr viel Leid bringt. Die Liebe überwindet die Vernunft und das Natürliche und schafft so eine neue Wirklichkeit, die es ohne sie nicht gegeben hätte.
Das Blut Jesu ist zuerst für genau diese Menschen geflossen. Und so hatte es die Kraft, Neues zu schaffen, was es vorher nicht gab.
Wenn ich auf die Geschichte meines deutschen Volkes blicke, brauche ich unbedingt diese Dennoch-Liebe.
Besuch von Judäa und Samaria
Heute Nachmittag fahre ich nach Berlin, um Montag früh nach Israel zu fliegen. Schon am Dienstag werden wir am Berge Ebal sein. Er wird oft der Berg des Fluches genannt. Aber es ist auch der Ort, an dem die Tora öffentlich aufgeschrieben wurde. Nach der Überlieferung der Juden in 70 Sprachen. 70 ist die Vollzahl der Völker. Die תּוֹרָה scheint universell verfügbar – aber dennoch hat Gott sie auch an einen Ort gebunden: an den Berg Ebal in Israel.
Du, Gott, bist kein Gott abstrakter Logik, sondern eine Person, in der Raum und Zeit, Orte, Völker und Menschen eine unverzichtbare Bedeutung haben.
Auf meiner Suche nach Dir wende ich mich zu Deinem Volk, zu dem Ort, den Du erwählt hast. Nicht aus historischem Interesse oder aus Sympathien, sondern in Einordnung in das, was ich von Dir her verstehe.
Es ist nicht egal, wo ich mit meinem Leib bin, auf welchen Ort mein Fuß tritt, welchen Menschen ich begegne. Die Tora lehrt mich, dass Du ein Gott der Geschichte bist, des Ortes und der Zeit.
Nach der Zeit der Absonderung von dem Unreinen kommt die Zeit, in der das Heilige sich unter das Unreine mischt, um es zu heiligen. Und darum bin ich kein Richter über die Hügeljugend in Israel, die palästinensische Bauern überfällt. Noch bin ich ein Richter über Palästinenser, selbst solche nicht, die nichts Besseres verstehen, als sich und ihre Umgebung in die Luft zu sprengen.