Sa 17.10.2026 🇮🇱 Jerusalem
Lukas 12,8-12 – Menschenfurcht und Gottesfurcht
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
8 Ich sage euch aber: Jeder, der sich vor den Menschen zu Mir bekennt, zu dem wird sich auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen. 9 Wer Mich aber vor den Menschen verleugnet, wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden. 10 Und jedem, der ein Wort gegen den Sohn des Menschen sagen wird, wird vergeben werden. Dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden. 11 Wenn sie euch aber vor die Synagogen und vor die Obrigkeiten und Machthaber führen, sorgt euch nicht darum, wie oder womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. 12 Denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen müsst.
Zeuge sein
Zeugen müssen etwas zu bezeugen haben.
Die Vorstellung von einem Zeugen vor Gericht hilft jedoch wenig, führt vielleicht eher in die Irre. Denn der Zeuge vor Gericht zeugt nur als Erinnernder – ich aber will mit meinem Leben zeugen.
Besser ist das Zeugnis des Antlitzes eines alten Menschen. Es zeugt von seinem Leben. Vielleicht auch seine Körperhaltung, wie ich gestern gehört habe. Zeugnis bezeugt, was mich in der Weise „beeindruckt“ hat, dass man den „Eindruck“ an mir sehen und erleben kann.
Ein Land als Zeuge
Gestern haben wir Rabbi Ari Abromovitz erlebt. Er hat eine Synagoge in den Bergen Judäas gebaut.
Er ist eigentlich Texaner in vierter Generation und wollte nur ein paar Monate in Israel Tora studieren.
Aber das Land hat sich ihm bezeugt.
Und er schilderte, wie während seiner Rückkehr in die USA ihm dieses Land auch physisch zum Feind wurde, z. B. bei einem judenfeindlichen Messerangriff auf ihn.
Und es bezeugt sich auch mir.
Weniger in dem Hotel, wo ich jetzt gerade bin, als vielmehr in den schlichten Unterkünften bei denen, die andere „Siedler“ nennen.
Aber ich sehe heute, dass sie zumeist Betroffene eines Zeugnisses sind.
Weniger einer Ideologie, vielleicht noch nicht einmal nur einer Religion.
Sondern es ist ähnlich einem Besuch bei einem „Tatort“. Das Zeugnis des „Täters“ begegnet mir. Hier eben nicht in einem kriminellen Sinn, sondern in einem Göttlichen.
Nicht ohne die Tora
Ich habe an anderer Stelle geschrieben, dass der Heilige Geist mir nicht etwas zu sagen eingibt, wenn Er in mir nichts vorfindet. Und ich Ihn kaum in kritischen Situationen hören kann, wenn ich es nicht in der Stille und im Alltag geübt habe.
Ich muss die Bibel kennen. Und die Bibel ist ein Buch von Menschen, Orten und Zeiten. Von dem Beeindruckt-Sein derer, die sich beeindrucken lassen.
Seit ich die Tora zusammen mit den Weisen Israels lese, betrifft sie mich in viel tieferer Weise als früher. Nicht zuerst vom Verstand her – mehr von dem Eindruck, den sie in mir erzeugt.
Und ich möchte beeindruckt werden. Ein Eindruck, der eine konkrete Stellungnahme von mir fordert. Und das erst macht mich zu einem erkennbaren Zeugen.
Ein Zeuge, den dann auch die Engel im Himmel bezeugen können. Denn ich bin dann erkennbar.
Leben ist mehr, als geboren werden.