Montag, 19.10.2026 🇮🇱 Jerusalem
Lukas 12,13–21 – Der reiche Kornbauer
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
13 Einer aber aus der Menge sagte zu Ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile! 14 Er aber sagte zu ihm: Mensch, wer hat Mich zum Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?
15 Er sagte aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor jeder Habgier! Denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seinem Besitz.
16 Er erzählte ihnen aber ein Gleichnis und sagte: Das Land eines reichen Menschen hatte gut getragen. 17 Und er überlegte bei sich selbst und sagte: Was soll ich tun? Denn ich habe keinen Platz, wohin ich meine Früchte sammeln kann. 18 Und er sagte: Das werde ich tun: Ich werde meine Scheunen niederreißen und größere bauen, und dort werde ich all mein Getreide und meine Güter sammeln. 19 Und ich werde zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter daliegen für viele Jahre. Ruhe dich aus, iss, trink, sei fröhlich! 20 Gott aber sagte zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht fordert man deine Seele von dir zurück. Was du aber vorbereitet hast – wem wird es gehören? 21 So ist es mit dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.
Wochenabschnitt der Tora
Ab 1. Mo 6:9 über Noah
Die Weisen der Juden denken über einen scheinbar kleinen Unterschied nach:
Von Noah heißt es, er wandelte mit Gott, von Abraham, er wandelte vor Gott.
Ist es für mich wichtig?
Sehr!
Noah und Abraham
Noah und Abraham repräsentieren zwei verschiedene Haltungen.
Noah rettet sich, denn er ist gerecht. Und damit rettet er viel, denn zu ihm gehören auch seine Familie – und die ganze Schöpfung der Tiere, ohne die Noah nicht wirklich gerettet wäre.
Und Noah erlebt seine Rettung, er lebt sie. Sie erfüllt sich an ihm und in seiner Zeit.
Abraham dagegen lebt aus Glauben. Das heißt, er erlebt nicht, was er glaubt, denn er kannte mich nicht. Und ich bin doch eine Frucht seines Glaubens.
Abrahams Leben dient nicht zumeist ihm selbst. Es dient dem Volk, das aus seinem Glauben geboren wird. Und das Volk ist das Licht der Welt. Zumeist, weil aus ihm der Erlöser kam. Aber auch als Volk selbst.
Wer möchte ich sein?
Bin ich ein Sohn Noahs?
So sagen es die Juden.
Für mich gelten nur die sieben Verpflichtungen aus dem noachidischen Bund.
Ich aber will mehr.
Ich will, was Jesus mir geschenkt hat:
Eingepfropft sein in den Ölbaum Israel.
Und was heißt das?
Mehr als gerettet sein
Das heißt, dass mein Gerettetsein nicht zumeist für mich wichtig ist. Dass ich mehr als Noah retten will.
Mein Leben soll einen Einfluss haben darauf, dass die Welt nicht „ersäuft“ wird.
Nicht verbrennt und einfach untergeht.
Der Kornbauer
Zunächst handelt er wirtschaftlich vernünftig.
Was will Jesus von ihm?
Großzügigkeit? Soziale Dienste? Armut?
„Glauben“?
Die Haltung des Bauern ist die der Selbstgenüge.
Und ist dies nicht schnell auch die Haltung von uns Christen?
Hauptsache, ich bin gerettet.
Und ja, der andere soll auch „gerettet“ werden – dann ist er so wie ich.
Aber will ich das Gute für ihn, wenn es mich mein Gutes kostet?
Leichen
Israels Sorge um die Körper ihrer Toten berührt mich merkwürdig.
Gestern haben wir Nurith Cohn dort getroffen, wo das Nova Festival am 13.10.2023 in einem Gemetzel endete. Nurith arbeitet ehrenamtlich für Zaka. Das sind die Menschen, die die Leichen und Leichenteile sammeln, damit sie von den Familien beerdigt werden können.
Alles, wirklich alles, was zu finden ist, besonders das Blut, auch im Boden, wird gesammelt. Im Blut des Menschen ist sein Leben – immer.
Sie sprach von einem Fall, in dem eine Granate die Leiber der Menschen so zerrissen hat, dass von einer jungen Frau nichts mehr zu finden war.
Aber sie war da, denn sie haben ihre DNA an einer Kette gefunden.
Und so blieb nur die Möglichkeit, dass dieses Mädchen schon mit einer anderen beerdigt war, die sie vorher identifiziert hatten. Sie exhumierten sie und fanden einen Knochen von ihr.
Die Familie des Mädchens konnte nun ihre Tochter begraben und Schiva‘a sitzen.
Die Geschichte hat viele Facetten. Eine ist die Sorge um die Seele der Hinterbliebenen, ihr Bedürfnis, Abschied nehmen zu können.
Israel repräsentiert die Heiligkeit des Lebens in einer Weise, die ich nirgends sonst so erlebe. Die Würde der Person wird bis tief in den Tod hinein geachtet, ja, es wird darum gerungen.
Die Details der Arbeit von Zaka und weitere Eindrücke von der Region um Gaza plane ich nach meiner Rückkehr zu notieren.
Abraham
Ich bin ein Sohn Abrahams und will es ganz sein.
Dazu diene und ehre ich seinem Volk nach dem Fleisch – seinen ersten Söhnen. Denn ich will ihr Bild annehmen, wie Jesus Christus es als Der Jude schlechthin ganz verkörpert hat.
Mein Leben genügt mir nicht.
Ich will mehr. Ich will das Leben selbst, das Leben, das Überfluss für andere ist.