Mi 21.10.2026 Holm-Seppensen
Lukas 12:39-48 – Vom treuen und untreuen Knecht
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
39 Dies aber erkennt: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, würde er nicht zulassen, dass in sein Haus eingebrochen wird. 40 Auch ihr, seid bereit! Denn zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet, kommt der Sohn des Menschen.
41 Petrus aber sagte: Herr, sagst Du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
42 Und der Herr sprach: Wer ist denn der treue und verständige Verwalter, den der Herr über seine Dienerschaft einsetzen wird, um ihnen zur rechten Zeit die zugemessene Nahrung zu geben?
43 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn Er kommt, so handelnd finden wird. 44 Wahrhaftig, Ich sage euch: Über seinen ganzen Besitz wird Er ihn einsetzen. 45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit seinem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und betrunken zu werden, 46 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er Ihn nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweihauen und ihm seinen Platz bei den Untreuen zuweisen.
47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht vorbereitete oder nach Seinem Willen handelte, wird viele Schläge erhalten.
48 Wer ihn aber nicht kannte und tat, was Schläge verdient, wird wenige erhalten. Jedem aber, dem viel gegeben wurde, von dem wird viel verlangt werden; und wem viel anvertraut wurde, von dem wird man umso mehr fordern.
Betrunken werden
Im Vers 45 steht eine merkwürdige Steigerung: Essen und Trinken und „betrunken werden“. Es ist eine Form, die auch als passiv betrachtet werden kann. Es erinnert mich daran, dass die Überschreitung vieler kleiner Grenzen, die ich noch willentlich tue, mich in einen Zustand bringt, in dem mein Wille immer schwächer wird und ich am Ende Objekt meiner früheren Entscheidung werde.
Das ist bekannt von allerlei Süchten, etwa dem Alkoholismus.
In der christlichen Welt scheint es mir eine besondere Art von Alkoholismus zu geben, ich nenne sie „besoffen von Milch“.
Menschen scheuen zurück, im Glauben weiterzugehen und aus der kindlichen Phase der süßen Milch zur festen Nahrung überzugehen.
Aber schlimmer: Geistliche Leiter trauen sich nicht, den ihnen Anvertrauten langsam Milch zu entziehen, um sie an feste Nahrung zu gewöhnen.
Denk selbst nach
Petrus fragt Jesus, ob nur sie gemeint sind oder auch andere. Und Jesus antwortet mit einer Gegenfrage.
Wie lernt man eine Sprache am besten? Dadurch, dass man die Erinnerung, das, was man noch weiß, und das, was man noch nicht so richtig weiß, frei abruft. Also von innen nach außen. Das eigene Sprechen und Schreiben an der Grenze der eigenen Fähigkeiten und ein wenig darüber hinaus.
Ordnung der Verantwortung
Mi 21.10.2026 Holm-Seppensen
Lukas 12:39–48 – Vom treuen und untreuen Knecht
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
39 Dies aber erkennt: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, würde er nicht zulassen, dass in sein Haus eingebrochen wird. 40 Auch ihr, seid bereit! Denn zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet, kommt der Sohn des Menschen.
41 Petrus aber sagte: Herr, sagst Du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
42 Und der Herr sprach: Wer ist denn der treue und verständige Verwalter, den der Herr über seine Dienerschaft einsetzen wird, um ihnen zur rechten Zeit die zugemessene Nahrung zu geben?
43 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn Er kommt, so handelnd finden wird. 44 Wahrhaftig, Ich sage euch: Über seinen ganzen Besitz wird Er ihn einsetzen. 45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit seinem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und betrunken zu werden, 46 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er Ihn nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweihauen und ihm seinen Platz bei den Untreuen zuweisen.
47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht vorbereitete oder nach Seinem Willen handelte, wird viele Schläge erhalten.
48 Wer ihn aber nicht kannte und tat, was Schläge verdient, wird wenige erhalten. Jedem aber, dem viel gegeben wurde, von dem wird viel verlangt werden; und wem viel anvertraut wurde, von dem wird man umso mehr fordern.
Betrunken werden
Im Vers 4 steht eine merkwürdige Steigerung: Essen und Trinken und „betrunken werden“. Es ist eine Form, die auch als passiv betrachtet werden kann. Es erinnert mich daran, dass die Überschreitung vieler kleiner Grenzen, die ich noch willentlich tue, mich in einen Zustand bringt, in dem mein Wille immer schwächer wird und ich am Ende Objekt meiner früheren Entscheidung werde.
Das ist bekannt von allerlei Süchten, etwa dem Alkoholismus.
In der christlichen Welt scheint es mir eine besondere Art von Alkoholismus zu geben, ich nenne sie „besoffen von Milch“.
Menschen scheuen zurück, im Glauben weiterzugehen und aus der kindlichen Phase der süßen Milch zur festen Nahrung überzugehen.
Aber schlimmer: Geistliche Leiter trauen sich nicht, den ihnen anvertrauten, langsam Milch zu entziehen, um sie an feste Nahrung zu gewöhnen.
Denk selbst nach
Petrus fragt Jesus, ob nur sie gemeint sind oder auch andere. Und Jesus antwortet mit einer Gegenfrage.
Wie lernt man eine Sprache am besten? Dadurch, dass man die Erinnerung, das, was man noch weiß, und das, was man noch nicht so richtig weiß, frei abruft. Also von innen nach außen gibt. Also das eigene Sprechen und Schreiben an der Grenze der eigenen Fähigkeiten und ein wenig darüber hinaus.
Es gehört auch zu den unangenehmsten und unbequemsten Dingen beim Lernen. Nachdem ich mich in Israel bei einer Bestellung einmal getraut hatte, Hebräisch zu sprechen, kam gleich eine Rückfrage, die ich nicht verstanden hatte, und es war mir unangenehm. Ich habe dann wieder ins Englische gewechselt.
Zur rechten Zeit
Das kann Verschiedenes meinen, aber es meint auch die verschiedenen Reifegrade des Menschen, für den ich verantwortlich bin. Was gestern noch angemessen war, möchte man heute gerne bestätigen, um sich wohl zu fühlen und um Zustimmung zu bekommen. Aber ein neuer Tag ist eine neue Reife, die auch erneut ein wenig schmerzt.
Rede ich mit denen, die mir anvertraut sind, heute genauso wie gestern, gewinne ich vielleicht Freunde und mache mir das Leben bequem. Aber ich lebe nicht in dem Bewusstsein, von dem heute im Evangelium die Rede ist.
Ist denn nicht gerettet gerettet?
Nein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.
Nach meiner Rettung wachse ich irgendwann in eine Verantwortung hinein. Wie ein Mensch, der geboren wird und zuerst Kind ist und für nichts verantwortlich ist, irgendwann zu einem Vater oder zu einer Mutter wird. Und voller Verantwortung ist.
Auf dem Flughafen habe ich mehrmals Mütter mit einem etwa einjährigen Kind gesehen, die in der Karre saßen und auf einem Tablet Kinderfilme geschaut haben. Eine Kinderkarre hatte extra eine Handyhalterung zu diesem Zweck.
Gott fordert von mir die Seele der Menschen, die Er mir anvertraut hat. In dem Maße, in dem er mir Verantwortung und Autorität gibt.
Und dort steht das merkwürdige Wort von den Schlägen, die ich erhalten werde. Da steht nichts von Gnade.
Die Liebe erfüllt sich in der Verantwortung, die mir übertragen wird.
Gestern Abend ging es weiter um Abraham und Lot. Ein zentrales Element des Wesens von Abraham ist das Gönnende, das zunächst bedingungslos Gönnende.
Abraham gönnt Lot das gute Land. Unabhängig von irgendeiner Hoffnung auf die Zukunft für Eigenes.
Aber der Gönnende will dennoch nicht einsam bleiben.
Es will den anderen selbst zum Gönnenden entfaltet sehen. Auf dass er ihm ein freies Gegenüber werde. Nicht zu irgendeinem Zweck, sondern als Offenbarung des Wesens.
Wer nur darauf schielt, selbst gerettet zu werden und gerettet zu sein, bei dem ist das Wesen Gottes noch nicht offenbar geworden.
Ich möchte lieber jetzt milde Schläge Gottes erleben, als am Ende als einer dazustehen, der nicht ganz zu einem Gönnenden geworden ist.