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Do 22.10.2026

Lukas 12,49-53 – Nicht Frieden, sondern Zwietracht

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; und was will Ich anderes, als dass es schon entzündet wäre! 50 Eine Taufe aber habe Ich, mit der Ich getauft werden muss, und wie werde Ich bedrängt, bis sie vollendet ist! 51 Meint ihr, dass Ich gekommen bin, Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage Ich euch, sondern Entzweiung.

52 Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. 53 Sie werden entzweit sein: Vater gegen Sohn und Sohn gegen Vater, Mutter gegen Tochter und Tochter gegen Mutter, Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter.

Was für ein Feuer?

Und was für eine Taufe?

Inwiefern ist Jesus – der Sohn Gottes – in Bedrängnis?

Das klingt wenig nach dem allmächtigen Gott, dem Friedensstifter. Dem furchtlosen, freundlichen, barmherzigen Gott.

Es klingt vielmehr nach einer Grenzerfahrung, die zunächst für einen Gott undenkbar scheint.

Eine Taufe ist kein Akt der Reinigung, sondern Akt des Sterbens und Wiedergeborenwerdens. Wie kann ein Gott so etwas sagen?

Ist nicht Verbundenheit das Ziel?

Das Wort „Liebe“ und das Wort „Verbundenheit“ sind nah beieinander. Und ist Verbundenheit nicht eine Bedingung der Liebe?

Und die Verbundenheit zwischen Vater und Sohn, zwischen Mutter und Tochter ist ein zentrales Fundament der Ethik des Alten und Neuen Testamentes.

Abraham

Eine alte, sehr renommierte jüdische Auslegung der Tora ist die Bereschit Rabba.

Gestern hatte ich diese Quelle für die Betrachtung von Abraham.

Darin findet sich die rabbinische Deutung von Abrahams Bezeichnung als עִבְרִי (ʿivrí, „Hebräer“).

Rabbi Jehuda deutet das in dieser Bereschit Rabba 42,8 über das Wort עֵבֶר (ʿéver, „Seite“):

„Die ganze Welt war auf der einen Seite, und er, Abraham, war auf der anderen Seite.“

Mir scheint deutlich: Abraham wechselte aus der Verbundenheit in der Welt in die Einsamkeit, ganz auf der Seite Gottes zu sein.

Abraham ist nicht so sehr ein Vorbild eines ethischen Mannes, sondern einer, der sein Leben vollkommen auf Gott setzt.

Die Frage lautet: Bin ich ein Kind der Welt oder bin ich ein Kind Gottes?

Das Entscheidende darin ist das Wort „oder“.

Gebraucht werden

Rabbi Manis Friedmann sagt, der Mensch brauche es mehr, gebraucht zu werden, als geliebt zu werden.

Ich sage, es sind zwei Dinge, die unbedingt zugleich da sein müssen.

Die Liebe braucht eine Person, die ihrem Namen entspricht.

Also ein Mensch, der ganz der ist, der er sein soll.

Und das beinhaltet immer, eine Bedeutung für Gott zu haben.

Das möchte ich an anderer Stelle gern näher ausführen, heute noch ein Hinweis zur Praxis.

Ort

Der Mensch ist ein örtlich begrenztes Wesen, das zu einer Zeit nur an einem Ort sein kann.

Die Bestimmung des Menschen entfaltet sich also auch an dem Ort, an dem er ist.

Israel hätte in Ägypten nicht zum Volk Gottes werden können. Es musste aus Ägypten ausziehen und den Ort verlassen. Physisch. Noch bevor es geistlich zum Volk Gottes wurde.

Juda Landsberg, der Mann, der am Berg Ebal siedelt, ist für mich wie ein Symbol dazu geworden. Wo er selbst als Person wirklich steht, weiß ich zu wenig, aber sein Handeln und der Ort, an dem er ist, sind mir Symbol.

Es ist ein Unterschied, ob ich in meinem Herzen Israel als Gottesvolk erkannt habe. Oder ob ich auf dem Markt in Buchholz physisch dafür einstehe.

Alle Menschen, die meine Handynummer haben, sehen auf meinem Status, dass ich dort stehe.

Zeit

Das, was ich betrachte, wie intensiv und wie lange ich es betrachte, prägt mein Herz, aber mehr noch: Es offenbart mein Herz.

Zeit ist eine andere Form von Raum. Ein Raum, der entweder ein vollgestellter Zeitungskiosk ist – oder eine Empfangshalle für den Geist Gottes.

Gott steht vor der Tür und klopft an, und ich würde ihn gern hereinlassen

– aber wie viel Platz ist überhaupt bei mir für Ihn?

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