Gottes Geliebte lieben

So 25.10.2026

Mt 22:34-40 – Die Frage nach dem größten Gebot

(Evangelium des Tages)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

34 Als aber die Pharisäer hörten, dass Er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich. 35 Und einer von ihnen, ein Gesetzeskundiger, fragte Ihn, um Ihn auf die Probe zu stellen:

36 „Lehrer, welches Gebot ist das größte im Gesetz?“

37 Er aber sagte zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. 38 Dies ist das größte und erste Gebot.

39 Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“

Paulus

Ich habe einmal gehört, wie jemand nur halb im Scherz sagte:

„Manche Evangelischen stellen es sich etwa so vor: Paulus predigt über die Gnade und Jesus sitzt ihm zu Füßen und lauscht ihm aufmerksam.“

Und da ist viel dran. Dominiert nicht der paulinische Aspekt der Gnade in vielen Gemeinden über den Jesus der Tora?

Viele Menschen glauben, sie wüssten mehr über Gott als Jesus, auch wenn sie es nie so sagen würden. Sie erklären Ihn anderen, als wenn sie in Seinem Schoße sitzen würden.

So auch hier: Die Pharisäer beurteilen Jesus. Sie stimmen Ihm zu, als er die Sadduzäer zum Schweigen bringt. Und ein Schriftgelehrter glaubt, Jesus prüfen zu sollen. Eine Prüfung, die oft auch eine Berechtigung hat – denn es ist auch ihre Aufgabe, Wanderprediger zu hinterfragen.

Aber wie gehst Du, der Sohn des lebendigen Gottes, damit um, befragt zu werden?

Deine Geduld

Fange ich mit meiner Geduld an.

Wenn ein Christ aus bestimmten theologischen Prägungen, die ich als recht eingeschränkt empfinde, mir erklären will, warum ich z. B. als Katholik vermutlich gar kein richtiger Christ bin, passiert einiges in mir.

Ich bin in Gefahr, ungeduldig zu werden und kaum noch zuzuhören.

Meine Emotionen schränken meine Fähigkeit zur Wahrnehmung des anderen ein. Ich bin geneigt, die großen theologischen Argumente auszupacken – oder innerlich mit dem Kopf zu schütteln. Und einige Jahre habe ich Gespräche mit solchen Menschen einfach vermieden.

Du, Herr Jesus, handelst anders.

Du steigst aus Deiner nicht hinterfragbaren Autorität herab und antwortest auf dem Niveau, das Dein Gegenüber annehmen kann – oder annehmen könnte, wenn er wollte.

Mit Gleichnissen oder mit der Tora, den Propheten und Psalmen. Oder direkt mit kleinen Aspekten vom Vater her, wenn es angemessen ist.

Du nimmst alle Menschen, auch die, die sich über Dich stellen, ganz ernst. Du behandelst sie mit Respekt und nimmst Dir Zeit für sie.

Israelstand

Unser Israelstand auf dem Markt ist ein Segen für mich, denn er ist eine Schule genau darin.

Respekt, Zuhören, Ernstnehmen.

Auch wenn die Argumente selbst zum Teil haarsträubend weit von der Wahrheit entfernt sind – es ist ja ein Mensch, der mit mir redet.

Gott zu lieben drückt sich darin aus, das zu lieben, was Er liebt – Menschen, Wahrheit, Schönheit.

Und die Würde des Menschen besteht weniger in dem, was ihm gegeben ist – sondern in der möglichen Dynamik hin zu dem, was er sein soll.

Ein Saatkorn hat einen Wert, weil aus ihm etwas werden kann, was es nicht selbst jetzt schon ist.

Wenn ich also z. B. einen „Halm“ antreffe, wer weiß, ob aus ihm nicht durch diese Begegnung ein Impuls für seine je eigene Entfaltung zum Eigentlichen kommt?

Zwei Gedanken

Es sind zwei Gedanken, die einander beleuchten.

Abraham lebte ganz auf die Zukunft hin und tat doch in der Gegenwart, was recht war. Nicht einfach für diese Gegenwart, aber doch in hohem Respekt für das Vorläufige.

Ich schaue auf den Menschen in seiner Vorläufigkeit und sehe ihn in Hoffnung auf das, was werden soll und kann. Aber zugleich würdige ich dieses Vorläufige mit allem, was in mir an Liebe gewachsen ist und weiter wachsen soll.

Gern, Vater.

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