Di 27.10.2026
Lukas 13,18-21 – Gleichnisse vom Senfkorn und Sauerteig
Der Text
Übersetzung aus dem Urtext.
18 Jesus sagte nun: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich es vergleichen?
19 Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf. Es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.
20 Und wiederum sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?
21 Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis alles durchsäuert war.
Einbettung
Der Text ist eingebettet in andere Texte, die weniger optimistisch sind. Der Widerstand des Vorstehers in der Synagoge und später der Text von der engen Pforte und der verschlossenen Tür.
Auch ich selbst empfinde meine Wirksamkeit im Reich Gottes zwar nicht als null, aber doch als klein. Und auch mein eigenes Verwandeltwerden durch das Reich Gottes kommt mir zäh und langsam vor, und manchmal denke ich, es kommt gar nicht voran.
Aber:
Die Bilder des Gleichnisses
Das Bild vom großen Baum erscheint bei Hesekiel, Kapitel 17 und 31 und außerdem bei Daniel im vierten Kapitel. Es ist jeweils ein Bild für sehr große, irdische Herrscher. In zwei Fällen wird ein Gericht angekündigt: bei Daniel über Nebukadnezar, bei Hesekiel über Assur als warnendes Beispiel für den Pharao.
In Hesekiel 17 dagegen wird von einem neuen Baum gesprochen, den Gott selbst pflanzt. Und es bezieht sich auf das Königtum in Israel.
Die drei Maß Mehl, in die die Frau den Sauerteig untermengt, kommen bei der Bewirtung Abrahams der drei Männer vor. Das Maß heißt סְאָה (Se’ah) und entspricht einem Hohlmaß für 144 Eier. Insgesamt etwa 20–40 Liter Mehl.
Gen 18,6: Abraham eilte ins Zelt zu Sara und sagte: „Schnell! Drei Se’ah Mehl, Feinmehl! Knete und mache Fladen!“
Das ist eine riesige Menge – ein Übermaß.
Trost
Gott hat mir viel gegeben, nicht nur das Übermaß an Gnade, sondern auch allerlei Begabungen. Ich aber habe wenig daraus gemacht. Auch meine Frau hat öfter das Missverhältnis benannt und sich gewundert.
Ich habe zwar eine leise Hoffnung, dass die vielen Jahre der verborgenen Gebete eine Bedeutung in der unsichtbaren Welt haben – trotzdem sehne ich mich nach kleinen Tröstungen, und Gott schenkt sie mir hin und wieder.
So gab es gerade heute Morgen eine wunderbare Nachricht von einer neuen Leserin aus Israel, die ich nicht kenne. Und was sie mir schrieb, zeigt, dass es eine Fügung war und kein Zufall.
Ein Baum
Man könnte meinen, ein Baum wächst einfach, weil er ein Baum ist, und der Sauerteig vermehrt sich einfach, weil er Sauerteig ist.
Sei also stille und lass Gott machen.
Ist das so?
Der KKL pflanzt in Israel Wälder. Dort, wo das Massaker an den jungen Menschen des Nova-Festivals stattfand, gibt es den Wald Be’eri. (יַעַר בְּאֵרִי)
Das Gebiet ist niederschlagsarm und liegt am Rand der Wüste.
Bäume in Israel müssen hart im Nehmen sein und sie müssen unbedingt wachsen „wollen“.
Der Name Be’eri („mein Brunnen“) ist der schriftstellerische Name von Berl Katznelson (1887-1944). Er wanderte 1909 ins damals osmanische Palästina ein. Sein Leben ist ein Beispiel. Siehe Berl.
In Israel habe ich einige Dinge in mir bisher unbekanntem Ausmaß erlebt:
Den unbedingten Willen zu leben. Verbunden mit einer großen Wertschätzung jedes Lebens.
Und die Verbindung des eigenen Lebens mit etwas, das über das eigene Leben hinausgeht. Sei es eine soziale Gesellschaft, seien es technologische Ideen – besonders aber die religiösen Identität mit dem Gott der Väter und darum auch dem Land der Väter.
Ein großer Baum „bis in den Himmel“ ist auch Frucht eines Herzens, das „zum Himmel“ will. Unbedingt mehr will, als einfach nur vorhanden sein.