Fromme Ausreden

Fr 30.10.2026

Lukas 14,1-6 – Die Heilung eines Wassersüchtigen

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext.

1 Und es geschah, als Er an einem Sabbat in das Haus eines der führenden Pharisäer kam, um zu essen, da beobachteten sie Ihn genau. 2 Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor Ihm. 3 Und Jesus wandte Sich an die Gesetzeslehrer und Pharisäer und sagte: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht? 4 Sie aber schwiegen. Da fasste Er ihn an, heilte ihn und entließ ihn.

5 Und Er sagte zu ihnen: Wem von euch fällt ein Sohn oder ein Ochse in einen Brunnen, und er wird ihn nicht sogleich herausziehen am Sabbattag?

6 Und sie vermochten nicht, Ihm darauf zu antworten.

Pädagogik Jesu

Vor einigen Jahren ist mir aufgefallen, dass mein Gebet sich verändert. Habe ich früher oft Gott um etwas gebeten oder Ihn etwas gefragt, so ist es heute eher andersherum. Gott befragt mich. Und aus diesem Fragen spüre ich auch eine Bitte oder eine Anfrage von Ihm an mich.

Denn aus dem Herzen kommt das Gute und das Böse, und so befragt mich Gott nach meinem Herzen, ähnlich wie es hier im Evangelium geschieht.

Jesus berührt ihn

Jesus berührt den Mann, denn Er ist von ihm berührt.

Wie oft unterschätze ich noch die Leiblichkeit des Menschen, die mit Zeit, aber vor allem auch Ort zu tun hat. Mit Nähe, Zuwendung und Berührung.

Meine Generation ist die Generation der Entfremdung, auch durch räumliche Distanz und durch zeitliche Zersplitterung.

Ein virtueller Kontakt, eine kurze, schnelle Information ist das Fast Food für das unverzichtbare Bedürfnis nach Nähe.

Und räumliche Nähe entspricht dem Maß des Menschen. Ich möchte weiter darüber nachdenken, was ich mit dem Übermaß an Kontakten mache – im Verhältnis zur Zeit und Nähe mit einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen.

Fromme Ausrede

„Wem von euch fällt ein Sohn oder ein Ochse in einen Brunnen und er würde ihn nicht sogleich herausziehen am Sabbattag?“

Jesus überführt sie in Stufen. Zunächst der Sohn, aber selbst der Ochse hat noch eine höhere Priorität als dieser Wassersüchtige vor mir.

Aber es ist nicht falsch, zuerst an seinen Sohn zu denken und vielleicht sogar an den mir anvertrauten Ochsen. Nun aber betrete ich eine Welt über meine Welt hinaus, in der mir der andere zum „Sohn“, zum Bruder wird.

Im gleichen Kapitel wird noch vom großen Gastmahl die Rede sein. Dort kümmern sich die Menschen um ihre eigenen Dinge und lassen sich nicht einladen zu dem, was über ihr Privates hinausgeht.
Etwas, was heute richtig ist, kann morgen zur Fessel werden. Das Gute wird zum Feind des jetzt Wichtigen und Richtigen.

Ich kann nicht heilen

Gestern wurde ich daran erinnert, dass ich keine Dämonen austreiben kann.

Jesus aber heilt hier einen kranken Mann – fast beiläufig.

Und ich spüre voll Staunen, dass dieses Wunder nicht das eigentliche Thema der Geschichte ist.

Solange ich keine Wunder tun kann, werde ich die Wahrheit suchen, die Nähe und die Liebe. Sollte ich eines Tages doch mal ein Wunder tun können, werde ich es hinten in diese Reihe anstellen – nach der Wahrheit, nach der Nähe und nach der Liebe.

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