Mo 04.05.2026 💐 Hanne
Joh 14,21–26 Wohnung nehmen
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
21 Der Meine Gebote hat und sie hält, jener ist es, der Mich liebt; der aber Mich liebt, wird von Meinem Vater geliebt werden, und Ich werde ihn lieben und Mich selbst ihm offenbaren.
22 Es sagt zu Ihm Judas – nicht der Iskariot: Herr, und was ist geschehen, dass Du Dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand Mich liebt, wird er Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.
24 Der Mich nicht liebt, hält Meine Worte nicht; und das Wort, das ihr hört, ist nicht Mein, sondern des Vaters, der Mich gesandt hat.
25 Dies habe Ich zu euch gesprochen, während Ich bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in Meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch erinnern an alles, was Ich euch gesagt habe.
Gebote
Gebote sind Hinterlassenschaften Jesu.
Auch mein irdischer Vater hat mir etwas hinterlassen, nicht Dinge, sondern eine geistige Ordnung. Besonders die Gottesfurcht und die Ganzheitlichkeit des Tuns.
Sehr gern tue ich diese Dinge. Sie sind ein Erbe im besten Sinn.
Was bedeutet es aber, dass der Vater und der Sohn kommen wollen?
Gebote als Wohnung
Wenn mir Gebote zur Natur geworden sind, dann nehmen sie kaum noch Raum ein. Ich werde dann in gewissem Sinne frei von ihnen, weil sie aus mir herausfließen. Ich brauche kaum mentale Kraft dafür.
Sie werde mir zu selbstverständlichen Werkzeugen, zu inneren Haltungen. Zum Beispiel der Gedanke, wie diene ich dem, den ich gerade treffe, und nicht mehr, was habe ich von ihm.
Erst und soweit mich diese Gebote nicht mehr belasten, entsteht ein Raum für die neue, lebendige Gegenwart Gottes (Vater und Sohn im Heiligen Geist). Denn erst jetzt kann Er sich mir personal in neuer Weise mitteilen.
Gott ist immer Überfluss. Wenn Er in mir wohnt, entsteht ein mehr. Mehr als die Gebote, die ich schon kenne. Neue, individuelle und wunderbare Mitteilungen. Mitteilungen des Herzens Gottes. Offenbarungen Seiner Herrlichkeit und Seiner Gedanken für die Welt.
Jemand, der die alten Gebote nur zum Teil und mit Mühe erfüllt, hat dafür wenig Raum. Und es bleibt ihm eine Last.
Was tut die Liebe darin?
Sie verwandelt die Gebote nicht in Aufgaben, die zu erledigen sind, sondern in die genannte innere Natur. Das geht nur, wenn dort nicht meine Natur den Platz behalten will. Meine Lust, mein Erfolg, meine Ehre.
Wenn Gebote als Aufgaben im Raum stehen, belasten sie mein Bewusstsein. Sie beanspruchen Kraft und Zeit. Und davon habe ich nicht beliebig viel.
Wenig Zeit zu haben heißt also oft, die Dinge als Aufgaben zu erledigen.
Beispiel Besitz
Dient mir mein Besitz?
Wie erwähnt gibt es im Hebräischen kein Wort für Haben, sondern die Dinge „sind mir“. Das heißt, ich darf und soll sie für eine Zeit und eine Aufgabe einsetzen. Nicht haben, um sie zu haben.
Wie genau kenne ich meinen Keller und meine Kleidung, meine Ordner und meine Bücher, mein Werkzeug und meine Materialien?
Verfüge ich über sie? Oder habe ich vieles davon nur.
Alles, was ich nur habe, zieht Energie von mir ab und dient mir nicht.
Und es ist nicht recht, es zu haben, denn es hat seinen Wert nicht als mein Besitz. Es gehört sich selbst und dem, der es wirklich gebrauchen kann und tut.
Wie Ackerland, das nicht bebaut wird, wie Wohnungen, die lange leer stehen.
Diese materiellen Dinge sprechen eine Sprache über meine Seele, über meinen Geist. Gaben, seien es Dinge oder seien es Gebote, leben von dem alltäglichen Gebrauch ihrer selbst.
Gutes, feines Werkzeug, das ich kenne und mit dem ich vertraut bin, gibt Raum für neue Werke.
Ein gutes, feines Herz ist das Spiegelbild davon. Es gibt Gott Raum, in ihm Wohnung zu nehmen, um sich selbst (also Gott) mehr Herrlichkeit in der Welt zu ermöglichen.
Klarstellung
Ich rede nicht davon, dass mein Tun mich erlöst. Sondern mein Tun kommt aus dem Glauben – nicht aus einem Gefühl oder der Erfahrung allein. Die Liebe ist immer schon da, sie wird im Tun jedoch erst wach und:
Mein Tun offenbart, wem sie gilt.