Liebe und Königtum

Do 07.05.2026

Joh 15:9-11 Das Gebot der Liebe

Der Text

9 Wie Mich der Vater geliebt hat, so habe auch Ich euch geliebt. Bleibt in Meiner Liebe.

10 Wenn ihr Meine Gebote haltet, werdet ihr in Meiner Liebe bleiben, so wie Ich die Gebote Meines Vaters gehalten habe und in Seiner Liebe bleibe.

11 Dies habe Ich zu euch gesprochen, damit Meine Freude in euch sei und eure Freude erfüllt werde.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

V11 „Erfüllte Freude“ meint nicht nur starke Freude, sondern voll gewordene, ganz gewordene Freude.

Erleben

Gestern habe ich einen Text über die Zuwanderung und die Abwanderung von Menschen aus Israel gelesen. Und ein wichtiges Fazit ist, dass von allen Seiten interessenorientiert berichtet wird. Letztlich so, dass das Ergebnis unwahr ist. Es wird also gelogen. Von linker Seite – von rechter Seite und leider eindeutig auch von christlichen Israelfreunden wie Israel-Heute.

Warum?

Ich sehe darin einen direkten Zusammenhang mit dem Evangelium heute, meinen Betrachtungen der vorgedanklichen Entscheidungen – und dem Omer-Paar des heutigen Tages.

Jesu Liebe ist nicht in den Menschen

Damit meine ich nicht, dass keine Liebe in ihnen ist – aber dass der Mangel an Seiner Liebe Ursache dieser Lügen ist.

Menschen haben stattdessen lieber Meinungen.
Oder, tiefer gegraben: Sie akzeptieren vorgedankliche Entscheidungen von irgendwo her. Jesus sagt es sehr hart. Er nennt nur zwei vorgedankliche Quellen: Seinen Vater als den Vater der Wahrheit – und Lucifer, als den Vater der Lüge.

Lügen sind weniger Irrtum als vielmehr falsche Zugehörigkeit.

Und darum sind Jesu Worte klar: Bleibt in meiner Liebe, indem ihr die Gebote des Vaters haltet.
Und gleich in V12 nennt Er das grundlegende Gebot: „dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe“.

Wie liebt Jesus mich denn? Es steht gleich im Vers danach.

Meinung

Eine Meinung nährt sich selbst.
Sie filtert in unbewusster Weise die Signale und lässt zumeist die zu mir durchdringen, die mich bestätigen.

Warum?

Weil mein Herz mich schützen will.
Meine Meinung hat mit meiner Identität zu tun. Und die muss geschützt werden; am Ende so, wie das Leben selbst. Es ist eine Art Überlebensmechanismus.

Und wenn der andere Mensch in diese meine Welt passt, dann nehme ich ihn an, sonst jedoch steht diese je andere Meinung zwischen uns. Mehr oder weniger bedeutsam, am Ende aber bis zur Tödlichkeit. Bei den Gesprächen zu Israel manchmal ein Stück weit fortgeschritten auf diesem Weg.

Omer Tag 35

Heute wird die Demut mit dem Königtum verbunden. מַלְכוּת שֶׁבְּהוֹד (Malchut schebeHod). Das Königtum bedeutet hier Reife, konkrete Wirklichkeit, Sichtbarwerden des Inneren.

Also: kein sich durchsetzen, sondern so geordnet sein, dass die Wahrheit Gestalt gewinnt. Das Empfangene wird offenbar. Das Empfangene ist Jesus, ist die Liebe und ganz konkret:

Das Empfangen ist: der Andere.

Der Andere kann vor und in mir Gestalt gewinnen, weil er von mir ganz angenommen ist.

Ich werde zum Raum, in dem andere aufatmen können, frei sein können. Der Kampf um Meinungen verschwindet. Der Kampf um die eigene Identität ist schon entschieden, weil ich jenen Anderen in seinem ganzen Selbst annehme.

Annahme

Ich kann ihn mehr annehmen, als er sich selbst annehmen kann.

Denn das kenne ich von meinem Herren Jesus Christus.

In der stillen Zeit wage ich es Ihm Dinge aus meinem Herzen zu benennen, die ich meinem kritischen Ich nicht benennen würde.

Ich weiß, Er liebt mich. Obwohl ich so bin, wie ich bin.

Und in dieser Liebe wage ich wahr zu werden.

Ich beschreibe dies auch in meinem Text zur Stillen Zeit.

Auch in der Seelsorge ist dies mein Weg: Der andere vertraut mir mehr, als sich selbst. Und erfährt so mehr von sich, als er sonst erfährt.

Ohne den je Anderen entsteht kein Überschuss, wie ich oft betone.

Erst wahrhaftige Begegnung führt zum „Erkennen“, wie es die Hebräer sagen (im ehelichen Vollzug).

Alles zusammen

Nur die Demut dominiert den anderen nicht. Nur das Königtum hat Geborgenheit. Nur die Liebe schafft Überschuss.

Dort wird Frucht sein.

Nicht in der Macht. Macht sammelt und raubt – aber sie bringt keine Frucht.

Nur wenn Deine Liebe so in mir ist, dass ich mich nicht um mich selbst sorge und die Konkurrenz des je anderen Lebens nicht als Bedrohung erlebe, nur dann bin ich ein Ort für Fruchtbarkeit.

Ein König, der meine Schätze beschützt und sogar mit Seinem Leben verteidigt. In Seinem Haus bin ich ganz ich.

Und so werde ich zum Königssohn, an dem andere eben das erleben können.

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