Fr 08.05.2026
Joh 15:12-17 Freundschaft mit Jesus
Der Text
12 Das ist Mein Gebot: Liebt einander, wie Ich euch geliebt habe.
13 Größere Liebe hat niemand als diese, dass einer sein Leben hingibt für seine Freunde.
14 Ihr seid Meine Freunde, wenn ihr tut, was Ich euch gebiete.
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe Ich Freunde genannt, weil Ich euch alles kundgetan habe, was Ich von Meinem Vater gehört habe.
16 Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit euch der Vater gibt, worum ihr Ihn bittet in Meinem Namen.
17 Dies gebiete Ich euch: Liebt einander.
Raum der Liebe
Im Hebräischen gibt es für Liebe das allgemeine Wort אַהֲבָה (ahava). Im Alltag oft benutzt, auch für Vorlieben. Es scheint mir dem deutschen Alltagssprachgebrauch näher, der Lieben und Mögen manchmal verschwimmen lässt.
Außerdem gibt es das Wort חֶסֶד (chessed). Es ist weniger ein Gefühl als eine tiefe Treue, ein Tragen und besonders: das Erweisen von Güte.
Es gibt dem Anderen Raum und will, dass er das Gute hat, das volle Leben.
Ahava braucht chessed, damit die Liebe reift.
Erleben
Chessed ist eher eine Entscheidung als ein Gefühl. Und dennoch sehnt sich der Mensch, den es zu lieben gilt, nach mehr.
Ich erlebe, wie es in Zeiten, in denen mir das Feuer für andere Menschen fehlt, oft meine Frau die ist, die dies ausgleicht. Als Ehepaar sind wir dann viel mehr als jeder für sich. Sie trägt meine Last, an anderer Stelle trage ich sie mit. Wir sind mehr als Liebende, wir sind auch Freunde, wie Jesus das Wort Freund auch benutzt.
Liebe als Freundschaft
Erst die Entfaltung der Liebe, die mein Bruder für mich wichtiger werden lässt als meine eigenen Interessen, erst diese Liebe schafft den Raum für die Freundschaft mit Jesus.
Freundschaft mit Jesus ist kein kumpelhaftes, gemeinsames durchs Leben gehen. Sondern eine Annahme der Interessen des anderen am je Anderen. Also nicht nur an mir.
Wenn ich die Liebe des anderen für mich liebe, dann liebe ich doch wieder mich selbst. Es geht darum, die Liebe anzunehmen, die der Andere für Menschen hat, die mir vielleicht unsympathisch oder gar ein Ärgernis sind.
Ich werde dem anderen ein Freund, wenn ich seine Interessen an dem teile, was sein Leben auch außerhalb unserer Beziehung ausmacht.
Mein Freund Peter ist spontan mit mir nach Israel gefahren. Außerhalb eines eigenen Planes. Er hat mir so Freundschaft erwiesen.
Selbstsucht ist eine Sucht. Sie sucht in abhängiger Weise das ihre. Frei werde ich in der eigentlichen Suche, der Suche des Anderen. Dem, was sein ganzes Leben sein soll.
Omer Tag 36
Erneut passt es verblüffend: חֶסֶד שֶׁבִּיסוֹד (Chessed schebeYessod)
„Liebe / Güte im Fundament“
Yessod hatten wir am dem vergangenen Mittwoch. Es ist die Fundierung, die Verbindung, die Treue.
Verbindung für sich allein kann auch missbräuchlich sein. Und ist es oft.
Darum braucht sie das Schenkende, das Großzügige, das Gütige.
Praktisch
Die Andersartigkeit und mehr noch manche Mängel am Anderen können die Zuwendung schwer machen und in vielen Fällen findet dann eine Abgrenzung, ein Rückzug statt.
Kommt es nun nach akuten Verletzungen zu Akten der Vergebung, weil man sich als Christ dazu verpflichtet fühlt, mündet es oft in ein Ertragen, Akzeptieren, Dulden.
Jesus aber sieht die positiven Seiten der Andersartigkeit. Die Gründe für die Mängel. Den Sinn des Lebens des anderen. Ein Sinn, der gerade auch mit mir zu tun hat. Mit der Begegnung, die ich als Mangel, als Verletzung, als Schaden empfunden habe.
Der in Jesus befreite Christ kann in das Joch Jesu eintreten, das dieser mit dem anderen trägt. Die Last des Anderen tragen, das erfüllt die Freundschaft mit Jesus.
Nicht als Knechtung, sondern als Befreiung.
So sieht es hinter der engen Pforte aus, die immer erschreckend eng aussieht, wenn man davor steht.
Nur wer Ohren hat zu hören, der hört – und freut sich mit Jesus an dieser Freiheit zum Joch am Anderen.