Du wirst verfolgt werden

Sa 09.05.2026

Joh 15:18-21 Der Hass der Welt

Der Text

18 Wenn die Welt euch hasst, erkennt, dass sie Mich vor euch gehasst hat.

19 Wenn ihr aus der Welt wäret, würde die Welt das Eigene lieben; weil ihr aber nicht aus der Welt seid, sondern Ich euch aus der Welt erwählt habe, deshalb hasst euch die Welt.

20 Erinnert euch an das Wort, das Ich euch sagte: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie Mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen; haben sie Mein Wort bewahrt, werden sie auch das eure bewahren.

21 Aber dies alles werden sie euch tun wegen Meines Namens, weil sie Den nicht kennen, Der Mich gesandt hat.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

15,18 „die Welt“ meint stärker das geordnete menschliche System, das sich gegen Gott verschließt – nicht einfach die Schöpfung.

15,19 „Ich habe euch aus der Welt erwählt“ klingt wie ein Herausgerufenwerden aus einer bestehenden Ordnung und Zugehörigkeit.

15,21 „wegen Meines Namens“ trägt semitisch stärker den Gedanken von Wesen, Gegenwart und Vollmacht – nicht nur eine Bezeichnung.

Weißt du, was es bedeutet, was du willst?

Im Prozess des Übertritts zum Judentum steht im Talmud (Traktat Yevamot 47a):

„Was hast du gesehen, dass du zum Judentum übertreten willst? Weißt du nicht, dass Israel in dieser Zeit verfolgt, bedrängt, verstoßen und von Leiden heimgesucht wird?“

Hier die Schlüsselworte im Original:

דְּווּיִים (devuyim) – leidend, schmerzerfüllt –

דְּחוּפִים (dechufim) – bedrängt –

סְחוּפִים (sechufim) – verstoßen, erniedrigt –

מְטוֹרָפִים (metorafim) – gehetzt, zerrüttet –

Solches fragen wir heute nicht, wenn wir Menschen taufen. Nicht in westlichen Ländern. Vielleicht wird die Zeit kommen, und vielleicht sollte es auch heute ein Thema sein, wenn jemand Christ werden will.

Chessed schebaMalchut

חֶסֶד שֶׁבַּמַּלְכוּת

Beide Worte hatten wir schon. Chessed ist Güte, liebende Hingabe. Malchut ist Königtum, konkrete Gegenwart, Sichtbar-werden.

Die Güte Jesu, die Güte des Christen, offenbart sich nicht allein als Einfühlung und Empfinden, sondern sie trägt, schützt und verantwortet den Anderen konkret. Sie hat einen Anspruch auf den Anderen – die Liebe ist niemals gleichgültig.

Dieser Zusammenhang erschließt Jesu Worte wunderbar.

Hass der Welt

Warum sollte die Welt einen liebenden, dienenden, demütigen Menschen hassen?

Das wird dann deutlich, wenn klar ist, dass zu diesem Chessed genau diese neue Form des Königtums kommt.
Es ist ein Herrschaftsanspruch. Ein Benennen der wirklichen Struktur der Welt Gottes. Ein Leben, ja ein Vorleben der einzigen Welt, die ewigen Bestand hat. Erst wenn das wahre Königtum der Demut erscheint, erkennt die Welt ihre Verfallenheit – und schreit laut auf.

Entweder in einem Akt der Buße und Umkehr. Aber das ist selten.

Häufiger wendet sich die Aggression, die aus der Todesangst kommt, gegen die Offenbarung des Todes – gegen den Offenbarer selbst.

Psychologisch nennt man das eine Übertragung, ein sehr etabliertes und erforschtes Phänomen aus der Tiefenpsychologie.

Offenbarung der Vaterschaft

Erst der Sohn offenbart den Vater in der Weise, dass ich erkennen kann, ob dieser auch mein Vater ist.

Er ist dann mein Vater, wenn ich ganz Sohn bin.
Zuerst und zumeist Sohn, vor allem anderen.

Ein Sohn würde sein Leben verlieren, wenn er sich vom Vater lossagt, denn sein Leben ist die Sohnschaft.

Darum ist für einen Sohn die Antwort auf die Frage „weißt du, was das bedeutet?“ klar und zweifelsfrei. Er ist Sohn, wie der eingeborene Sohn. Und kennt die Frage nach einer Alternative nicht mehr.

Die Würde des Menschen steckt in der Freiheit, der Sohnschaft zuzustimmen – oder sich dauerhaft nicht zu entscheiden.

Vielleicht entscheidet er sich auch dagegen – aber die eigentliche Gefahr sehe ich in der Unentschiedenheit.

Und die Phase der Entscheidung ist zwischen den beiden Toren der Wiedergeburt, von denen ich sprach: inmitten der Wüste.

Der geschenkten Taufe durchs Schilfmeer – der Bereitung mit seinem Höhepunkt am Sinai – bis zur Frage des Todes des alten Menschen beim Einzug in das Land der Riesen.

Fürchte ich mich?

Fürchte ich die Ablehnung der Welt?
Und ist es die Welt, die mich ablehnen wird?

Ich werde nicht abgelehnt, weil ich meinen Glauben für mich lebe.

Sondern, weil ich das Machtsystem für jeden meiner Brüder benenne und durch die Praxis nach der Vaterschaft frage.

Nicht die Heiden haben Jesus abgelehnt – es sind Fromme.

Die „getauften“ tanzen um das goldene Kalb, während Mose verborgen ist.

Sie schwören nicht dem Glauben ab, sie machen ihn sich zum Knecht.

Sie wollen den Segen – nicht die Sohnschaft.

Ich sehe, dass es recht ist, die gesicherte Stadt zu verlassen und die Wüste anzunehmen. Immer im Lauschen auf Dich. Und mit Sorge vor eigener Besserwisserei.

Aber eine Demut, die eigentlich nur Sicherheit vor Eitelkeit sucht, hat keine Königswürde, keine Relevanz für den Bruder.

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