Die Kartoffel

Sa 30.05.2026 ☺️ 70 Jahre

Mk 11,27–33 Die Frage nach Jesu Vollmacht

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

27 Und sie kommen wieder nach Jerusalem. Und als Er im Tempel umherging, kommen zu Ihm die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten

28 und sie sagten zu Ihm: In welcher Vollmacht tust Du diese Dinge? Oder wer hat Dir diese Vollmacht gegeben, dass Du diese Dinge tust?

29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch eine Frage stellen. Antwortet Mir, und Ich werde euch sagen, in welcher Vollmacht Ich diese Dinge tue.

30 Die Taufe des Johannes – war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet Mir!

31 Und sie überlegten bei sich selbst und sagten: Wenn wir sagen: Vom Himmel, wird Er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?

32 Sollen wir aber sagen: Von Menschen? – Sie fürchteten das Volk; denn alle hielten Johannes wirklich für einen Propheten.

33 Und sie antworten Jesus und sagen: Wir wissen es nicht. Und Jesus spricht zu ihnen: Auch Ich sage euch nicht, in welcher Vollmacht Ich diese Dinge tue.

Antwort

Mitten in der Karwoche. Direkt danach wird das Gerichtswort über die gesprochen, die hier noch Jesus zu Fall bringen wollen.

Durch Jesu Frage sprechen sie sich selbst Gericht. Sie wollen nicht etwas wissen, sie suchen einen Weg, ihre Macht durchzusetzen.

Muss ich Rechenschaft geben jemandem, der nicht wahrhaft wissen will, wer ich bin und für ihn sein will?

Mir scheint, es wäre eine Antwort auf der gleichen Ebene der Frager: eine Antwort der Selbstbehauptung.

Vier Formen der Einflussnahme

Bei Jörg Splett habe ich es gelernt, erinnere aber nicht genau seine Worte. Also sinngemäß:

a) Ich kann auf eine Sache oder einen Menschen einen Zwang ausüben. Ich schiebe den Stein weg, ich zwinge einen Menschen in ein Gefängnis.

b) Ich suggeriere einem Menschen etwas. Durch Werbung, durch Umstände, durch unbewusste Kultur. Darin ist auch das Überreden zu etwas enthalten.

c) Ich überzeuge jemanden durch Argumente. Ich nutze seinen Verstand, sein Moralgefühl oder sein Gewissen, das vielleicht vom Über-Ich dominiert ist.

d) Ich schaffe Bedingungen, anhand derer der Mensch in sich selbst etwas entdeckt, was bisher verschüttet war. Es ist etwa so wie eine Kartoffel, die in die Nähe von Licht kommt und dann aus sich selbst heraus keimt.

Dieses Keimen ist die Entfaltung eines Wesensmerkmales der Kartoffel selbst, nichts von mir hinzugefügtes.

Es geht also nicht um das Aufrechnen von Argumenten, sondern um das Entfalten von etwas, das ich auch ganz bin – das aber bisher verborgen war.

Es funktioniert ganz ohne Macht.

Wer meine Andachten kennt, weiß schon, dass es mir genau darum geht. Um Licht – nicht um Argumente oder um Kraft.

So sehe ich auch das Wirken des Heiligen Geistes

Die Kartoffel

Keimt die Kartoffel in guter Erde, verliert sie sich selbst und gebiert eine grüne Pflanze mit neuen Kartoffeln. Rodet man diese Kartoffeln später, kann man manchmal noch den ganz verschrumpelten, verfallenen Rest der Saatkartoffel finden – zu nichts mehr zu gebrauchen.

Anders als die Kartoffel jedoch werde ich genau danach gefragt:

Willst Du in der Weise selbst „verschrumpeln“, dass du dich selbst ganz hingibst? Frucht bringst, die nicht wieder dir selbst dient?

Das wollen manche Verwalter der Wahrheit Gottes nicht – wie es heute im Evangelium erkennbar ist. Und davor ist auch die Kirche nicht bewahrt.

Wie lange noch?

Eine Frage die ich mit 70 endgültig abschließe.

Ich frage nun nicht mehr, wie lange ich noch leben darf. Ich frage, wie ich die Gabe des Lebens für die Kirche geben kann. Wie ich gebraucht, aber auch verbraucht werden soll.

Es ist eine Form des Lebens, die ich in mir vorfinde. Ich kann mich verlieren, ohne dies als Mangel zu empfinden.

Wenn ich gefragt werde, wie es mir geht, klingt in mir auf, wie es denen geht, die zu meinem Herzen gehören. Die Frage ist nicht, wie es mir als Saatkartoffel geht, sondern ob die grüne Pflanze wächst und kleine Kartoffeln ansetzt.

Wer wissen will, wie es mir selbst geht, der frage Jesus, denn ich selbst bin ja Seine Frucht.

Wie geht es Dir mit mir?

Ich weiß es nicht – Du weißt es, Du trägst es.

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