Nicht für mich erlöst

Di 09.06.2026

Mt 5:13-16 Salz der Erde, Licht der Welt

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade geworden ist, womit wird es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, außer hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.

15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; und sie leuchtet allen, die im Haus sind.

16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater verherrlichen, Der in den Himmeln ist.

Salzbund

  1. Mose 2,13

„Alle deine Speisopfergaben sollst du mit Salz salzen. Du sollst das Salz des Bundes deines Gottes bei deiner Speisopfergabe nicht fehlen lassen. Mit all deinen Opfergaben sollst du Salz darbringen.“

Salz hatte für Israel mehr Bedeutung als für uns. Es kam zumeist aus dem Salzmeer (Totes Meer). Es war kein reines Kochsalz. Es wurde in Brocken gesammelt. Durch Wasser wurde das eigentliche Kochsalz herausgelöst und es blieben nach einer Weile Brocken übrig, die immer noch ähnlich wie „Salz“ aussahen, aber kein Kochsalz mehr enthielten.

Am See Genezareth spielte Salz für das konservieren der Fische eine große Rolle.

Es geht also um mehr als Geschmack. Es geht um physische Existenz und um geistige Existenz, denn kein Opfer durfte ohne Salz dargebracht werden.

Salz

Das Wort und die Wurzel für Salz מֶּלַח haben im Hebräischen keine andere Bedeutung als dieser materielle Stoff Salz. Anders als viele andere Worte. Es ist die irdische Sache selbst. Wie ein Symbol für den Pol der Schöpfung, der ganz gegenüber, ganz entfernt von der geistigen Welt ist. Zunächst vor allem Materie.

Und gerade das wird hineingebunden in eine unverzichtbare Beziehung.

Ein Ding, das nichts als ein Ding ist und doch aus dem Munde Gottes kommt (im Hebräischen ist das Wort für „Ding“ und „Wort“ identisch: דָּבָר).

So auch ich.

Nicht für mich erlöst

Ein Mensch, der sich taufen lässt (oder getauft wird), ist nun zunächst im Bund mit Gott. Oder besser: Gott ist im Bund mit ihm.

Er hält Ausschau nach dem, was Gott für sein Leben bedeutet, was ihm Gott Gutes tut.

Ok.

Und nun?
Nun hält Gott Ausschau danach, was dieser von Ihm in der Welt repräsentiert.

Wer ist Gott – fragt die Welt und schaut mich an?

Viele sehen sich dann nur als Wegweiser – mit einem stolzen Gefühl der eigenen Demut.

Gott aber fragt, wie dieser Wegweiser selbst ausschaut.

Bist du, Andreas, selbst Substanz von Gottes Substanz? So, dass man an dir „schmecken“ kann, wie Gott „schmeckt“?

In der Kindererziehung habe ich mal gelernt: „Es nützt nichts, seine Kinder zu erziehen, sie machen einem ja doch alles nach.“

Nicht nur erkennbar

An mir soll mein Gott nicht nur erkennbar sein.

Sondern noch mehr.

Ich stelle etwas von dem bereit, was anderen für ihre Heiligkeit noch fehlt.

Ein steiler Satz, aber weniger scheint mir nur durch Feigheit begründet.

Salz gibt ab, bis es verschwunden ist. Und die leeren Brocken wirft man weg.

Aber meine Substanz ist verborgen in Gott und zeigt Gott umso mehr, je mehr ich mich hingebe. Der Jordan führt dem Salzmeer immer neues Salz zu, es ist unerschöpflich.

Totes Meer

Für Juden ist das Meer das Salzmeer. Eine Quelle von Salz.

Für uns ist es das Tote Meer.

Weil so viele Christen meist nur den Zufluss wollen und so ihr Leben immer mehr versalzt und stirbt.

Verantwortung anzunehmen und Menschen zu tragen in Gott – darin werde ich den Überfluss Gottes offenbaren.

Jedes Salz-Sein ist mit Opfer-Sein verknüpft.

Nicht als Verlust, sondern als Lebensprinzip, genauer: als Gotteswirklichkeit.

„Was habt ihr?“, fragt Jesus die Zwölf.

„Zu wenig“, sagen sie.

„Dann gebt es mir, ich gebe euch dieses wenige gesegnet zurück. Nun brecht es und verteilt es an die Tausenden.“

Geben, bevor ich selbst genug habe. Köstliches Leben aus Gott.

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