Mi 10.06.2026
Mt 5:17–19 Jesus und die Schrift
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
17 Denkt nicht, dass Ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.
18 Denn amen, Ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird keinesfalls ein Jota oder ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.
19 Wer nun eines dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste genannt werden im Himmelreich. Wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß genannt werden im Himmelreich.
Anmerkungen zur Peschitta
17 Das aramäische Verb hat den Sinn von „voll machen“, „zur Vollendung bringen“, „zum Ziel führen“. Der Gedanke des Erfüllens steht stärker im Vordergrund als ein bloßes Befolgen.
19 Die Peschitta bewahrt die enge Verbindung von Tun und Lehren. Nicht nur das Lehren, sondern das eigene Handeln steht im Mittelpunkt.
Erleben
Gestern habe ich eine Bibelstunde mit Johannes Gerloff gehört. Es gab inhaltliche Vertiefung, aber besonders war für mich: Auch das indirekt gesagte, das, was das Jota offenbart, ist überaus kostbar. Zum Beispiel, dass Abraham missionarisch gelebt hat, ist ausgesprochen plausibel und erweitert das Verständnis und die Bedeutung des Textes für mein eigenes Leben.
Und auch in meinem kleinen Thora-Kurs entdecke ich solches.
Nicht zur Absicherung
Man kann die Texte lesen, um seine eigene Version des Glaubens abzusichern. Das erlebe ich oft und teils verbissen.
Gerloff sagt, dass es gut ist, Hebräisch zu lernen, um besser die Bibel Jesu zu studieren. Aber dadurch wird es nicht sicherer – im Gegenteil, es gibt mehr Fragen als vorher.
Und ich ergänze: Diese Fragen werfen mich in das Gespräch, ja das Ringen mit Gott. Und gern auch mit dem Bruder.
Das Eintauchen in die Tiefe der Thora bleibt nicht beim Buchstaben hängen. Geschichten erzählen mehr als die Summe der Worte. So suche ich in der Geschichte nicht Sicherheit, sondern Nähe zu Dir.
Ich erlebe es ähnlich mit den Evangelien. Jedes neue Vorkommen eines Textes wiederholt nicht einfach, sondern weitet den Raum der Gemeinschaft mit Dir.
Das war das Jota.
Leben
Der Weg zum Leben geht über den Gehorsam. Das war mein erster Gedanke für die Überschrift. Jota und Gehorsam.
Aber der Gehorsam ist nicht das letzte und eigentliche Ziel. Sondern das, was durch den Gehorsam in die Welt kommt.
So bist Du, Herr Jesus, nicht einfach aus Gehorsam in diese Welt gekommen, aus Gehorsam in Leid und Schmerz gegangen.
Sondern weil die Frucht daraus so kostbar, so herrlich ist. Sie offenbart die Herrlichkeit Gottes. Besonders, dass Gott mit uns diese Welt schafft. Nicht nur in ihr wirkt – sondern Neues werden lässt.
Darum ist auch die Rettung des Menschen nicht das Ziel.
Es ist der Startpunkt.
Das Ziel ist das Leben selbst –
Straßenfest
Am Samstag organisiert unser kleiner Prachterdiek ein kleines Fest unter Nachbarn. Wunderbar. Gemeinschaft und Wohlergehen.
Aber ich erlebe: Ein gutes Fest braucht zuvor das gemeinsame Werk.
Ich habe noch zu wenig mit den Menschen getan, das Feiern kommt für mich zu früh. Vielleicht findet sich noch ein Raum, das nachzuholen.
Und wie dankbar bin ich für Menschen, die es mir leicht machen, mit ihnen zu wirken, so wie mein Freund Peter. Gute Gespräche ergeben sich beim Abwaschen und gute Feste sind die Frucht gemeinsamen Wirkens. Denn so ist es Ausdruck unserer Gottesbildlichkeit.
Eines aus dem anderen
Ich will das Jota erkunden, um zu leben. Und ich will leben, um dem Jota die Ehre zu geben. Gott verbindet mich mit allen, die am Jota hängen und es lieb haben. Das Himmelreich ist im Jota verborgen – wie gern will ich es ins Leben bringen.
Halleluja