Fr 05.06.2026
Mk 12,35–37 Die Frage nach dem Davidssohn
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
35 Und Jesus begann und sprach, als Er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, dass der Christus der Sohn Davids sei?
36 David selbst sprach im Heiligen Geist:
»Der Herr sprach zu meinem Herrn:
Setze Dich zu Meiner Rechten,
bis Ich Deine Feinde lege unter Deine Füße.«
37 David selbst nennt Ihn Herr. Woher ist Er denn sein Sohn?
Und die große Volksmenge hörte Ihn gern.
Die Logik stellt Fragen
aber sie gibt nicht die Antwort.
Wie kann der Messias Davids Herr sein und doch Davids Sohn? Was ist die Antwort?
Ich denke, die Antwort ist, indem Er zugleich Gottes Sohn ist – also Gott – und Menschensohn ist, von David und Maria her.
Aber weiß ich das, weil es logisch ist?
Und gibt es nicht auch noch andere Aspekte und andere Dinge, die logisch sind? Und warum sollte dieser Jesus Gottes Sohn sein?
Mich bewegt sehr, ob Israel mehr ist als Hinweis auf Gottes Handeln in der Geschichte. Wie weit darf ich dieses Thema so neben den zentralen Themen der Heiligung, der Kirche, des Glaubens stellen?
Soll ein Christ politisch sein?
Soll er sich gesellschaftlich engagieren? Im Tierschutz, im Lebensschutz, in Fragen wie Zuwanderung, Corona, Ukrainekrieg?
Ich sage: Ja.
Das alles ist Ausdruck der Inkarnation. Der Fleischwerdung des Geistes. Und je nach Berufung sollte jeder Christ Dinge in der Welt tun, die über sein persönliches Interesse hinausgehen.
Ich selbst aber halte mich sehr zurück. Ich habe viele Aufträge nicht und will nicht dort reden, wo ich keine Berufung habe. Allein im Lebensschutz positioniere ich mich klar.
Und auch eine Gemeinde sollte sich zurückhalten, denn sie hat andere zentrale Aufgaben, eine andere Berufung. Gemeinde ist nicht politisch, aber Christen als Personen schon, gerade wenn die Staatsform eine Demokratie ist.
Ist es bei Israel ähnlich?
Ist es ein Thema neben anderen, die auch wichtig sind? Zum Beispiel der Umgang mit dem Islam? Der Umgang mit dem Lebensrecht?
Mir scheint, es ist eine ähnliche Frage, wie die Frage nach dem Davidssohn.
Es gibt doch so viele theologische Fragen, und die Juden haben sicher schon lange darüber nachgedacht.
Warum ist es in dieser Karwoche, in der Jesus diese Worte sagt, so wichtig, ja entscheidend?
Nikodemus
Es geht mir, wie ihm. Ich ahne etwas, aber es ist so kritisch, so gefährlich, dass ich es am liebsten nur des Nachts fragen möchte.
Ist es wie mit Sabbatai Zevi? (Siehe auch die Andacht: Das träge Herz und andere). Zevi war ein Irrtum in Person und Zeit. Ich bin gewiss, dass Israel kein Irrtum der „Person“ ist. Es ist das Zeichen Gottes. Damit ist aber noch nicht klar, wie dringend es ist und ob etwas zu tun ist.
Nikodemus sagt: „Rabbi, wir wissen, dass Du von Gott als Lehrer gekommen bist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die Du tust, wenn Gott nicht mit ihm ist.“
Ich weiß, dass Israel uns eine Lehre von Gott her ist. Seine Wiederherstellung ist der Raum für die Wiederkunft Jesu. Er kommt nicht nach Rom, Er kommt nach Jerusalem.
Aber was bedeutet das konkret?
Der Raum der Logik zusammen mit dem Raum der Prophetie (der Worte der Bibel) braucht noch den Kairos in der Zeit und im Tun.
Und dieser wartet auf ein brennendes Herz.
Auf mein brennendes Herz. Ein Herz, das es in der Weise wissen will, dass es dann, wenn es gehört hat, mit entschlossener Entschlossenheit handelt.
Es geht weniger darum, die richtige Erkenntnis zu haben, um Bescheid zu wissen.
Sondern darum, die Verantwortung zu übernehmen, die ich für meine Nächsten habe, für die Christen um mich herum, für Buchholz, für Deutschland – und für die Kirche.