Wie tief sind meine Wurzeln?

Fr 24.07.2026

Mt 13:18-23 Deutung des Gleichnisses vom Sämann

(Tagesevangelium)

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

18 Ihr nun, hört das Gleichnis vom Sämann:

19 Jeder, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht – der Böse kommt und reißt weg, was in sein Herz gesät worden ist. Dieser ist der, bei dem an den Weg gesät wurde.

20 Bei dem aber auf das Steinige gesät wurde – dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freude aufnimmt;

21 er hat jedoch keine Wurzel in sich, sondern ist nur für eine Zeit beständig. Wenn Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen entsteht, kommt er sogleich zu Fall.

22 Bei dem aber unter die Dornen gesät wurde – dieser ist es, der das Wort hört, doch die Sorge dieser Welt und der Trug des Reichtums ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht.

23 Bei dem aber auf den guten Boden gesät wurde – dieser ist es, der das Wort hört und versteht; der bringt dann Frucht und trägt: der eine hundertfach, der andere sechzigfach, der andere dreißigfach.

Peschitta: In V. 19 steht anstelle von „versteht“ sinngemäß auch „nimmt wahr“ bzw. „fasst auf“. Dadurch wird stärker betont, dass es nicht nur um ein intellektuelles Begreifen, sondern um ein inneres Erfassen des Wortes geht.

Geschehen

In der Nacht vom 19.07. auf den 20.07.26 wurde in Würzburg ein Mann schwer zusammengeschlagen, weil sie einen Sticker mit einer Israelflagge am Revers trug. Siehe hier.

Ich trage solch einen Sticker hin und wieder auch.

Wie „wetterwendisch“ (Lutherübersetzung) bin ich eigentlich?

Bin ich so klar für das Volk Gottes, dass ich dieses Maß an Gewalt annehmen will?

Bedrängnis und Verfolgung. Wie weit waren solche Worte bisher von mir entfernt.

Unbewusst habe ich die drei Böden wie eine Rangfolge gelesen. Als Hauptproblem erschienen mir die Sorgen der Welt. Sodass ich vermutet habe, die Dinge davor wären das kleinere Problem.

Aber ist es so?

Das Wort wegreißen

Das ist nicht nur das Vergessen des Wortes.

Es ist auch die anmaßende Aneignung. Das Wort als Waffe und Rechtfertigung. Es ist das Wort ohne den Sprecher des Wortes.

Oder das Wort als Würze des Lebens – aber nicht als täglich Brot. Der Satz von Pastor Kopfermann ist mir unvergessen: Viele ernähren sich nur von Keksen – z. B. von den Losungen allein.

Ich weiß, dass der Übergang von einem Modus des Umgangs mit dem Wort Gottes in einen anderen schwer ist. Seit Langem versuche ich ohne rechten Erfolg, die Wochenlesungen täglich zu studieren. Es ist eine strukturelle Disziplinlosigkeit in vielen Menschen dieser Tage – auch in mir.

Bedrängnis

Morgen sind wir wieder mit unserem Israelstand auf dem Wochenmarkt in Buchholz. Ich bin sehr dankbar für alles, was wir in den vergangenen zwölf Monaten dabei gelernt haben.

Vor allem der Begriff „Glaube“ ist mir anders bewusst geworden, als ich es vorher gehandhabt habe.

Was ich glaube, das ist das, wonach ich wirklich handle. Das ist das, wofür ich wirklich einstehe. Selbst mit sozialer Ächtung – oder in körperlicher Gewalt.

Wenn ich alles durchstreiche, was ich meine, zu glauben, was aber diesen Kriterien nicht entspricht – dann bleibt erschreckend wenig übrig.

Scheidung

Der Sämann hilft der Saat nicht.

Nicht in diesem Gleichnis.

Es ist brutal diskriminierend. Das bedeutet, es offenbart Unterschiede.

Das Wort diskriminieren stammt von discrimen = „Unterschied“, „Trennlinie“, „Scheidepunkt“.

Dreimal gibt es keine Frucht. Und selbst in der Frucht gibt es dreimal eine „Diskriminierung“.

Ein Wort, das heute extrem negativ konnotiert wird.

So fällt es schwer, dies selbst aus Jesu Mund so anzunehmen.

Macht es mir Angst?

Angst

Ich habe in der Logotherapie gelernt: Angst beschützt einen Wert.

Was heißt das dann, wenn ich kaum Angst habe?

Die vollkommene Liebe treibt die Angst aus.

Aber nur, wenn es überhaupt eine Angst gibt.

Und ich vermute sehr, dass die Angst um den Bruder gerade in der Liebe nicht verschwindet, sondern sie verwandelt sich in einen Schmerz.

Was hat all dies nun miteinander zu tun?

Werde wach

Mir scheint, dass meine ganze Welt, außerhalb und innerhalb von mir, von einem Schleier bedeckt ist. Einer Betäubung durch Virtualität und Distanz zu allem.

Ich will, dass dieser Schleier gerissen wird.

Vielleicht Schicht für Schicht – aber das will ich Dir überlassen.

Wecke mich, wecke uns aus dieser Betäubung auf.

Dieses Evangelium ist so wie ein Brief an mein Herz.

Werde wach, wenn nicht um deinetwillen, dann um der Brüder willen.

Hinterlasse einen Kommentar