Fr 14.08.2026
Mt 19:3-12 – Von Ehe und Ehelosigkeit
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
3 Und Pharisäer traten zu Ihm, um Ihn zu versuchen, und sprachen: „Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus jedem Grund zu entlassen?“
4 Er aber antwortete und sprach: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie von Anfang an als männlich und weiblich schuf
5 und sprach: ‚Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein‘?
6 So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.“
7 Sie sagen zu Ihm: „Warum hat Mose dann geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sie zu entlassen?“
8 Er spricht zu ihnen: „Wegen eurer Herzenshärte hat Mose euch erlaubt, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen.
9 Ich sage euch aber: Wer seine Frau entlässt – nicht wegen Unzucht – und eine andere heiratet, begeht Ehebruch.“
10 Seine Jünger sagen zu Ihm: „Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, ist es nicht gut zu heiraten.“
11 Er aber sprach zu ihnen: „Nicht alle fassen dieses Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist.
12 Denn es gibt Eunuchen, die vom Mutterleib an so geboren wurden; und es gibt Eunuchen, die von Menschen zu Eunuchen gemacht wurden; und es gibt Eunuchen, die sich selbst zu Eunuchen gemacht haben um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es.“
Schwerer Text
Gerade Vers 9 ist im Griechischen nicht einfach sexuelle Untreue. Was genau gemeint ist, ist nicht klar. Es spricht einiges dafür, dass es nicht um Ehebruch geht, sondern um eine ungültige sexuelle Beziehung. Etwas, das im Katholischen mit der Prüfung der Gültigkeit der Ehe aufgegriffen wurde.
Auch Vers 12 ist, gerade für den heutigen Leser, kaum zu fassen.
Insgesamt berührt dieser Abschnitt auch das Thema sexuelle Vielfalt, Leihmutterschaft und all das, was seit einigen Jahren die westliche Gesellschaft und die Kirche umtreibt.
Ich sehe, dass dieser Abschnitt kein Gesetz beschreibt, keine Regel, kein Verbot. Sondern es geht um Teilhabe an Gott, indem der Mensch seine Gottesbildlichkeit vollzieht.
Viele Menschen suchen nach einem Verständnis des Textes, der zunächst die Ausnahmen in den Blick nimmt. Damit ist die Ehe dann eine Form der Existenz unter vielen. Ich sehe hier mehr. Ehe ist viel mehr, als eine Lebensform.
Die Frucht
Ich habe es auch Überschuss genannt und z. B. am 11.08.2026 dazu geschrieben.
Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
Dass es nichts gibt, ist viel naheliegender.
Und wenn es einen Gott gibt – es wäre plausibler, Ihn in sich als vollkommen zu denken. Wozu eine Welt?
Dass es nun überhaupt etwas gibt, hängt mit dem Thema Ehe zusammen.
Gottes Wesen besteht auch darin, dass Er etwas in die Welt (ins Sein) bringt, das nicht wieder ein Mehr von sich selbst ist. Sondern etwas Eigenes.
Aus einem Person-Sein kommt noch keine Welt. Und selbst ein Gegenübersein braucht noch keine übrige Welt.
Aber Gottes Wesen ist mehr. Es ist hervorbringend.
Aber auch damit wäre Ihm noch kein Gegenüber in der Welt.
Schon bei Adam ist es so.
Adam benennt die Tiere. Aber sie werden ihm dadurch nicht zu einem Gegenüber.
Nur „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ ist dem Menschen ein Gegenüber.
Und nur das je andere Gegenüber ist Quelle für ein Drittes, das nicht wiederum nur eine Absonderung ist.
Adam erkennt Eva und Eva gebiert einen Menschen.
Ein Mensch, der keine Abspaltung ihrer selbst ist.
Sondern ein personaler, ganz eigener Mensch.
Das geht nur in der Begegnung, dem „Erkennen“ des Anderen. Nicht seiner selbst.
Das habe ich alles schon gesagt. Darum heute noch etwas anderes:
Geist und Leib
Gott ist Mensch geworden. Damit ist die ganze Schöpfung geheiligt. Das Fleisch ist geheiligt.
Und nun besteht die Tendenz des Fleisches, sich neben oder über den Geist zu stellen.
Mein Gefühl, meine Lust, mein „So bin ich nun mal“.
Wer sagt: „Ich empfinde so und so – also bin ich so und so“, der stellt das Fleisch über den Geist.
Gott aber ist Geist. Auch wenn Er im Sohn auch Fleisch geworden ist.
Das Fleisch ist Ausdruck des Geistes – nicht andersherum.
Wäre das Fleisch wie Gott, wäre Gott uneins in sich selbst und würde untergehen. So sagt es Jesus.
Insofern kann das Fleisch, das gegen den Geist rebelliert, nicht auch noch vom Baum des Lebens essen. Es ist sterbend.
Wenn ich dauerhaft meine Lust, mein Fühlen und meine Befindlichkeit über den Geist stelle, werde ich keinen Anteil am Leben behalten können.
Es geht am Ende um mehr als um einen „Lebensentwurf“. Es geht um Sein oder Nicht-Sein.
Ich möchte nicht gern darüber reden. Aber auch das ist ein Gefühl.
Gefühle sind gut – solange ich sie als Information, als wunderbare Diener meiner geheiligten Leiblichkeit behandle.
Wenn ich sie aber zu meinem Gott mache, verfehlen sie ihre Funktion.
Eunuchen
Vers 12 könnte als eine gewisse Relativierung gelesen werden.
Und mir scheint, es ist auch eine Akzeptanz unterschiedlicher Vorfindlichkeiten.
Aber: Es hebt das Prinzip und die Ordnung nicht auf.
Ich kann nicht beurteilen, wie schwer ein Mensch an dem trägt, was ihm auferlegt ist. Ich kann nicht beurteilen, ob es überwindbar ist.
Ich bin kein Richter.
Aber ich sage: In jedem Menschen ist Raum für eine innere Stellungnahme zu den Umständen seines Lebens.
Das heißt nicht, dass auch die gewünschte Macht dafür da ist.
Viktor Frankl hat diesen Aspekt im KZ am eigenen Leib erlebt.
Umstände sind oft nicht änderbar.
Aber die innere Stellungnahme dazu unterliegt meinen Geist, meinem Willen.