Mi 07.10.2026 Gedenktag Hamasüberfall 2023
Lukas 11:1-4 – Das Vaterunser
(Evangelium des Tages)
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
1 Und es geschah, als Er an einem Ort betete: Als Er aufgehört hatte, sagte einer Seiner Jünger zu Ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.
2 Er aber sagte zu ihnen: Wenn ihr betet, sprecht: Vater, geheiligt werde Dein Name; Dein Reich komme.
3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag.
4 Und vergib uns unsere Sünden; denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns etwas schuldet. Und führe uns nicht in Versuchung.
Warum ein vorformuliertes Gebet?
Es gibt Christen, die vorformulierte Gebete ablehnen. Ihnen fehlen darin die Lebendigkeit und die persönliche Beziehung. Und ich kenne auch Situationen, in denen ich das Gefühl habe, man wählt vorformulierte Gebete, weil man keine persönliche Beziehung hat.
Darum hat es mich auch ein wenig überrascht, dass Jesus die Jünger nicht in ein persönliches und natürliches Gespräch mit Gott führt, sondern ihnen auf die Frage, wie sie beten sollen, das Vaterunser gibt.
Evangelium des Tages
Als ich junger Christ war, habe ich einmal eine Predigt gehalten. Ich habe das Thema genommen, das mir auf dem Herzen lag. Ein Pastor aus Thüringen, der zu meinem geistlichen Vater wurde, hat mir später gesagt: „Predige nicht, was dir auf dem Herzen liegt, sondern predige das, was an dem Tag die Predigtordnung vorgibt.“
Wenn ich mich dem unterordne, was Gott mir aufgibt, in Seiner Ordnung bleibe, ist es wahrscheinlicher, dass Gott zu Wort kommt und nicht ich.
Daraufhin habe ich damals angefangen, in meiner stillen Zeit die Bibel abzuschreiben. Damit war für jeden Tag klar, was das Thema ist, nämlich genau die nächsten Verse der Bibel.
Ganz leise kenne ich bis heute den Wunsch, dem auszuweichen, das Thema selbst zu wählen, das mir wichtig ist. Und mir scheint, Gottes Freundlichkeit fügt meine Anliegen an Seine Vorgaben an. Und es entsteht so etwas Neues aus Ihm und mir.
Brücke in die Dunkelheit hinein
Ich habe gelernt, dass das Lied des Mose weniger für die guten Zeiten geschrieben wurde als für schlechte. Mose sieht voraus, dass Israel nach der Landnahme Zeiten des Abfalls und der geistlichen Schwäche haben wird. Genau in diesen Zeiten sollen sie dieses Lied singen.
Das Lied ist dann nicht der Ausdruck ihrer Verfasstheit, sondern es bewahrt etwas aus einer helleren Zeit hinein in die Dunkelheit.
Ich war lange Zeit in einer Kirche, die ich als glaubensarm und lau empfunden habe. Aber sie hatte aus einer früheren Zeit noch vieles von einer wunderbaren Liturgie. Diese Liturgie tröstete mich, verband mich mit Gott und mit anderen Zeiten dieser Gemeinde.
Erwartungen
Ich denke, dass ich an Situationen oder Menschen kaum besonders starke Erwartungen habe. Ich bilde mir ein, ich nehme, was kommt und wie es kommt.
Wenn es dann aber kommt, wie es mir gar nicht passt, bin ich doch enttäuscht. Vielleicht sogar zornig. Dann stelle ich überrascht fest, dass ich doch Erwartungen hatte.
Was kann man erwarten, wie ich ein Gebet formulieren würde?
Käme darin nicht auch Gesundheit vor? Vielleicht ein langes Leben, gute Beziehungen, Erfolg, Segen?
Das Gebet Jesu entspricht nur sehr wenig meinen Erwartungen an ein „gutes“ Gebet.
Schon wenn es sich abzeichnet, dass eine Erwartung von mir nicht erfüllt wird, suche ich nach Möglichkeiten, die Erwartung trotzdem zu befriedigen. Mit guten und weniger guten Methoden. Gerade gestern ist mir das passiert – oder genauer gesagt, habe ich das getan. Ich habe nicht mit freiem Herzen eine mögliche offene Tür aufgemacht, um zu schauen, was dann passiert. Ich habe gehofft, dass sie zubleibt, und sie blieb zu, und ich habe entdeckt, dass ich schuldig geworden bin.
Gnade des Vaterunser
Das Vaterunser erlaubt mir, besser zu beten, als ich bin. Und ja, ich habe es nötig. Meine persönlichen Gebete sind durchweg egoistischer als das Vaterunser.
Darum will ich das Vaterunser „atmen“, wie ich es gestern beschrieben habe. Auf dass der Geist der Worte Jesu in diesem Gebet meinen Geist zu Ihm hin forme.
Dies ist nur eine der Gnaden, die mir durch das Vaterunser geschenkt sind.
Ein andermal möchte ich gern über das köstliche Wort „unser“ nachsinnen.
Welch eine Gnade.