Prophetisch reden

Sa 31.10.2026 Kapiteltreffen

Lk 14:1.7-11 – Die Wahl der Plätze

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext.

1 Und es geschah, als Er an einem Sabbat in das Haus eines der führenden Pharisäer kam, um zu essen, da beobachteten sie Ihn genau.

7 Er sagte aber zu den Eingeladenen ein Gleichnis, als Er bemerkte, wie sie die ersten Plätze auswählten:

8 Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen wirst, setze dich nicht auf den ersten Platz, damit nicht etwa ein Angesehenerer als du von ihm eingeladen worden ist, 9 und der, der dich und ihn eingeladen hat, kommt und zu dir sagt: Gib diesem den Platz! Dann wirst du anfangen, mit Scham den letzten Platz einzunehmen. 10 Sondern wenn du eingeladen wirst, geh und setze dich auf den letzten Platz, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund, rücke höher hinauf! Dann wird dir Ehre zuteil vor allen, die mit dir zu Tisch liegen.

11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Lieber unten bleiben?

Vielleicht möchte ich lieber unten bleiben und gar nicht nach vorne gebeten werden. Und gibt es nicht Menschen, die zu schüchtern sind und ihre eigenen Gaben nicht annehmen – die vielleicht ihre Aufgaben sind? Ja, auch ihre Pflicht?

In dem Evangeliumstext heißt es, dass die Menschen Jesus genau beobachteten – aber Jesus sieht sie auch und bemerkt, wie sie ihre Plätze auswählen. In diesem Fall, vielleicht gerade bei dem Obersten der Pharisäer, wählen sie die ersten Plätze aus.

Allgemeine Wahrheiten und prophetisches Reden

Prophetisches Reden schöpft aus der allgemeinen Wahrheit und sagt, was an diesem Ort und zu dieser Zeit – in Gegenwart dieser Person – gesagt werden soll.

Und wer so redet, macht sich in aller Regel nicht beliebt.

Auch Jesus macht sich nicht beliebt im Hause des Oberen der Pharisäer. Schon vorher bei der Heilung des Wassersüchtigen nicht und jetzt auch nicht.

Er sagt zwar eine allgemeine Wahrheit, aber es wird genau die treffen, die sich eben oben hingesetzt haben. Wie wird es sich für diese angefühlt haben? Viele im Raum werden gewusst haben, wer gemeint gewesen ist.

Die Wahrheit zu sagen, versetzt den Redner schnell ans unterste Ende der Tafel. Und in der Regel wird er nicht sofort wieder nach vorne gebeten. Vielleicht wird die angemessene Ehre ihm erst erwiesen, wenn er nicht mehr da ist und man ihm nicht mehr danken kann.

So sagt Jesus in Mt 23: „Denn ich sage euch: Ihr werdet Mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sagt: Gepriesen sei, Der da kommt im Namen des Herrn.“

Praktisch

Wer möchte schon die Verantwortung eines Propheten tragen? Da rede ich doch lieber von meiner Meinung, die ja nur meine Meinung ist und gar nicht prophetisch.

Aber ich bin für meinen Bruder vor Gott rechenschaftspflichtig. Wo ich gewusst habe, etwas zu sagen – und es auch sagen zu sollen – und sagte es nicht, da bin ich mitverantwortlich für die Folgen.

Sich vorne hinzusetzen und etwas zu sagen, wo ich nichts sagen sollte, ist ein Missbrauch.

Zwischen diesen beiden Polen lebe ich und brauche ein waches Ohr und mutiges Verantwortungsbewusstsein. Mit einem Wort: ein lebendiges Leben vor Gottes Angesicht.

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