Mi 04.11.2026
Lk 14,25-33 – Vom Preis der Nachfolge
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext.
25 Es zogen aber große Volksmengen mit Ihm. Und Er wandte sich um und sprach zu ihnen:
26 Wenn jemand zu Mir kommt und nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und seine Schwestern hasst, dazu aber auch sein eigenes Leben, kann er nicht Mein Jünger sein. 27 Wer nicht sein eigenes Kreuz trägt und hinter Mir herkommt, kann nicht Mein Jünger sein.
28 Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob er genug zur Vollendung hat? 29 Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten 30 und sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und konnte es nicht vollenden.
31 Oder welcher König, der auszieht, um mit einem anderen König Krieg zu führen, setzt sich nicht zuerst hin und berät, ob er imstande ist, mit zehntausend dem entgegenzutreten, der mit zwanzigtausend gegen ihn kommt? 32 Wenn aber nicht, sendet er, solange jener noch fern ist, eine Gesandtschaft und bittet um Frieden.
33 So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er besitzt, Mein Jünger sein.
Meine Lage
Bis heute gibt es Bereiche in meinem Leben, die ich nicht ganz meinem Herrn übergeben habe. Obwohl ich schon wiederholt den Vorsatz dazu hatte.
Und diese Bereiche aufzugeben, scheint mir sehr schwer.
Sind die Worte Jesu nicht doch zu hart?
Sein eigenes Leben hassen und allem entsagen – ist das nicht vielleicht doch zumeist für jemanden wie Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila?
Aber eigentlich tausche ich nur kurzfristige Dinge gegen langfristige, ja ewige Dinge ein und eigene gegen gemeinsame Dinge.
Ich investiere meine eigene Freude gegen Deine Freude, die Du nicht nur für Dich behältst.
So bekriegen sich Sorge und Gefühle der Ohnmacht mit Klugheit, Liebe und Vertrauen.
Umdrehen des Verstehens
Ist der Turmbau eigentlich die Nachfolge – oder ist das Bleiben bei dem je Eigenen nicht eigentlich das Teurere?
Ist der Kriegszug gegen 20.000 der Krieg um die Heiligung? Oder nicht vielmehr der aussichtslose Kampf um mein selbstehrendes Leben?
Ich bin noch in der Situation Israels in der Wüste.
Ich kann den Einzug nach Kanaan als Krieg gegen Riesen deuten, wie die zehn Kundschafter es taten. Oder das Bleiben in der Wüste als eigentlich viel teurer erkennen.
Aber – die Wüste hat ihren eigenen Sinn.
Sie kann wie ein Hinsetzen und neu Rechnen sein. Ein inneres Klären, was ich zutiefst will.
Hilft mir die kurzfristige Angst vor dem Riesen, den Söhnen Anaks? Oder vertraue ich doch auf die Sehnsucht meines Herzens, meinem Gott zu dienen und Ihn zu erfreuen?
Die Wüste ist ein Ort von Freiheit, ein Ort, an dem Entscheidung reifen kann.
Volkwerdung
Ich habe gelesen, dass Andrew Murray mit einigen Aspekten meiner Theologie übereinstimmt. Die Geschichte Israels als Geburt, Reifung und Ganzhingabe für mich als Christen zu verstehen.
Du aber hast mir die Kirche gezeigt.
Persönliche Heiligung bleibt nur dann auf dem richtigen Weg, wenn sie mich tiefer in die Kirche führt.
Israel wird am Sinai nicht einfach als Summe von Menschen gerufen. Es wird zu einem Volk berufen. Und dann noch deutlicher am Ebal, wie ich es durch meine Israelreise sehr deutlich erlebt habe.
Gott, Volk und Land.
Und darin steckt ein weiteres Geheimnis:
Auftrag
Die zehn Kundschafter haben das Volk zu Kleinglauben und Feigheit verführt. Ihre Angst blieb nicht ihre Angst – sie wurde zur Angst des Volkes.
Aber auch andersherum.
Ein Schritt von mir in die Treue, auch in den schwierigen Themen, hat Bedeutung auch für andere. Ich verantworte nicht einfach nur mich selbst, sondern bin Teil des Volkes Gottes.
Ein Volk, das sich in der Wüste eingerichtet hat, so scheint es mir.
Manna ist genug da, was soll ich woanders suchen und Risiken auf mich nehmen? So denken viele.
Hinter dem Jordan warten die Mauern von Jericho.
Setze dich hin und kalkuliere.
Willst du ewig in der Wüste leben?