Fr 06.11.2026
Lk 16,1-8 – Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext.
1 Er sagte aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte. Und dieser wurde bei ihm beschuldigt, sein Vermögen zu verschwenden. 2 Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was ist das, was ich über dich höre? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung, denn du kannst nicht länger Verwalter sein.
3 Der Verwalter aber sagte bei sich selbst: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung wegnimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. 4 Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin. 5 Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn zu sich und sagte zum ersten: Wie viel schuldest du meinem Herrn? 6 Der sagte: Hundert Bat Öl. Er aber sagte zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setze dich schnell hin und schreibe fünfzig. 7 Danach sagte er zu einem anderen: Du aber, wie viel schuldest du? Der sagte: Hundert Kor Weizen. Er sagte zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreibe achtzig.
8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Söhne dieser Welt sind im Umgang mit ihrer eigenen Generation klüger als die Söhne des Lichts.
Ungeliebtes Gleichnis
Das Drumherum des Gleichnisses löst einigen Widerwillen in mir aus. Zwar scheint die Kernbotschaft klar, aber warum solch ein hässliches Beispiel?
Darum habe ich die Geschichte einmal umgedreht. Was ist denn das, was wir statt der Klugheit des Verwalters tun? Das, weswegen Du es als nötig erachtest, uns diese Geschichte zu erzählen?
Andersherum
Der Verwalter wird bald abgelöst.
Er denkt: Also lasse ich es mir jetzt noch einmal richtig gut gehen. Ich fordere dort, wo es geht, Schulden ein und mache mir damit schöne Tage. Ich feiere Feste und gönne mir etwas, einen schönen Urlaub vielleicht oder ich lebe noch mal richtig für mein Hobby, solange es geht. Vergiss den bösen Tag, vielleicht dauert es ja noch eine ganze Weile bis der Herr mich ablöst.
So in etwa könnte die Wirklichkeit der Christen sein, zu denen Du das Originalgleichnis sprichst.
Hänge ich am guten Leben?
An den Freuden des Lebens?
Gestern waren wir in der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam.
Dieser Gebäudekomplex wurde im Dritten Reich genutzt, um Menschen zu verhören, zu schikanieren, in kalte, enge, grausame Verließe zu stecken und nicht selten auch zu Tode kommen zu lassen.
Dieser dunkle Ort wurde nach dem Krieg erneut genutzt, zu demselben Zweck – dieses Mal zuerst von den sowjetischen Besatzern und dann von der DDR.
Die teils nackt eingesperrten Personen mussten manchmal Tage in feuchten Betonkellern ausharren, auch im Winter. Harmlose Jugendliche wurden für kleine Freiheitsbestrebungen zu Jahren der Haft eingesperrt und kamen oft auch in die berüchtigten GULags nach Sibirien.
Heute Nacht war mein Sinnen, wie schnell ich wohl meine Seele verkaufen würde, um dort wieder herauszukommen.
Um ein leidarmes Leben zu führen – dann allerdings mit dem Verrat an meinen elementaren Werten und letztlich dem Sinn meines Seins: für Wahrheit zu stehen.
Zeitliches gegen Ewiges
Tausche ich Kurzfristiges gegen Langfristiges?
Ja, leider tue ich das des Öfteren.
Und ich weiß doch, wie schnell es verfliegt und wie lange die Freude ist, wenn ich es andersherum tue.
Aber ein Aspekt ist mir noch wichtig:
Der hässliche Andere
Der unangenehme, der mich gefährdende Andere – gar der Feind.
Meide ich ihn?
Suche ich nur gute Gesellschaft?
Ich glaube, dieser gemiedene Andere wird Zeuge werden für mein Gottesbild.
Gott meidet ihn nicht – Er sucht ihn auf. Er berührt ihn, selbst wenn er üblen Aussatz hat.
Und Gott sucht solche, die Ihn in genau diesem ähnlich werden wollen.
Und passt dieser auch gar nicht in mein Weltbild, weil er vielleicht für die Hamas schreit oder weil er für Putin oder Trump ist. Weil er für Transgender steht oder für oder gegen Corona-Impfung war.
Wenn ich aus dieser Welt, aus diesem Leben entlassen werde, dann werden es solche sein, die mich entweder in ihren Häusern aufnehmen – oder niemand wird mich aufnehmen.